Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Ingold, Paul (2001) Hängegleiten und Wildtiere


Diese Auswertung wurde erstellt von: Andreas Boldt

 

SPORTARTEN

Drachenflug/Gleitschirmflug (=Hängegleiter), Luftsport

 

INHALT

Ziel des Projektes "Tourismus und Wild" war im Sinne der Früherkennung von ungünstigen Bedingungen, die Auswirkungen von verschiedenen Formen von Tourismus und Freizeitsport auf das Verhalten, die Raum-, Zeit- und Sozialorganisation, auf körperliche Parameter (z. B. Kondition) und solche der Fortpflanzung der Individuen verschiedener Wildtierarten zu untersuchen.
Daraus sollten Grundlagen zu einer Optimierung der Beziehungen zwischen Tourismus/Freizeitsport und Wildtieren abgeleitet werden.

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Gämsen und Gleitschirme:

Gämsen können sich zwar in gewissem Sinne auf den Flugbetrieb einstellen. Dies kann aber suboptimale Rahmenbedingungen bedeuten, die sich nachteilig auf die Tiere auswirken können.
Der Flugbetrieb kann zum Verlust von wichtigen Teilen des Lebensraumes, vor allem der offenen Gebiete im Bereich des Gebirgswald und darüber, führen.
Aufgrund des vermehrten Aufenthalts im Wald werden Verbißschäden von Jungwuchs erwartet.
Gewöhnung ist in weiten offenen Gebieten zum Teil oberhalb der Baumgrenze mittelfristig nur in sehr beschränktem Maße möglich.
Während der Setzzeit oder bei strengen Wintern können sich schon wenige Gleitschirmflüge nachteilig auswirken. Andere Flugobjekte können bei massiertem Auftreten in für die Tiere kritischer Art (z. B. Tiefflug) ebenfalls heftige Reaktionen erzeugen und somit zur Gesamtbelastung beitragen.

Steinböcke und Flugobjekte:

Fluchtreaktionen und Unterbrechung wichtiger Ruhe- und Wiederkäuphasen können das Verletzungsrisiko und den Energieverbrauch erhöhen und zu vielfachen physiologischen Nachteilen für die Tiere führen.
Der Flugbetrieb kann zum Verlust von wichtigen Teilen des Lebensraumes, vor allem der offenen Gebiete im Bereich des Gebirgswald und darüber, führen.
Hinweise auf Gewöhnung an Gleitschirme lagen nicht vor.
Während der Setzzeit oder bei strengen Wintern können sich schon wenige Gleitschirmflüge nachteilig auswirken. Andere Flugobjekte können bei massiertem Auftreten in für die Tiere kritischer Art (z. B. Tiefflug) ebenfalls heftige Reaktionen erzeugen und somit zur Gesamtbelastung beitragen.
Murmeltiere und Gleitschirme:

Murmeltiere scheinen genau zu erkennen um welches Objekt es sich in der Luft handelt.
Sie können lernen, daß von Gleitschirmen keine Gefahr ausgeht.
Hinweise auf nachteilige Einflüsse des Flugbetriebs liegen nicht vor.

 

BEZUG/QUELLE

Prof. Paul Ingold
Färichweg 1
CH-3038 Kirchlindach
paul.ingold@gmx.ch

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2939) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Berner Alpen, Schweiz
Kandersteg/Allmenalp (550 ha, intensiv mit Gleitschirmen beflogen); Augstmatthorn (500 ha, sporadisch beflogen, kleinräumig durch Wanderwege zerschnitten); Schwarzhorn (großräumig, stark begangene Abschnitte und selten frequentierte Bereiche) (S. 16 ff.)
Schwerpunkt der Untersuchung waren offene Gebiete oberhalb der Waldgrenze.

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Die Untersuchungen erfolgten im selben Gebietsabschnitt im Verlauf des Tages und an verschiedenen Tagen, in unterschiedlichen Abschnitten eines Gebietes sowie in regional verschiedenen Gebieten.
Untersucht wurden unmittelbare Reaktionen (Sicherungs-, Fluchtdistanzen, Fluchtorte), Gebietsnutzung und Aktivitätsrhythmus der Tiere.
Untersuchungszeitraum: von 1990 bis 1993

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Gämsen und Gleitschirme:

  • Entfernung des Fluggeräts
  • Relative Höhe der Gleitschirme zu den Tieren/Flugroute
  • Abstand der Tiere zum bevorzugten Zufluchtsort
  • Geschlecht der Tiere
  • Zeitpunkt und Zeitdauer/-raum des Flugbetriebs
  • Farbe der Gleitschirme (hatte keine Auswirkungen)
  • Intensität des Flugbetriebs