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Irlacher, Claudia (1988) Die Auswirkungen des Kletterns auf die Vegetation im Naturschutzgebiet Prunn


Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

SPORTARTEN

Klettern

 

INHALT

Über die allgemeine Darstellung der Felsvegetation sowie des Klettersports und seiner Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt hinaus werden einzelne Aspekte für das Untersuchungsgebiet NSG "Prunn" detailliert untersucht.

Hinsichtlich des Klettersports sind dies das Einzugsgebiet des Klettergartens, die Anzahl der Kletterer und deren räumliche und zeitliche Verteilung an den einzelnen Felsmassiven sowie die Erschließung und Qualität der Routen an den untersuchten Felsen.

Für 14 im Naturschutzgebiet gelegene Felsmassive wird eine ausführliche Bestandsaufnahme mit Kartierung des Arteninventars, pflanzensoziologischer Einordnung und Ausprägung der Gesellschaften durchgeführt. Darüber hinaus werden belastete und unbelastete Flächen abgegrenzt. Die dargestellten Auswirkungen durch Tritt werden durch diese Ergebnisse belegt. Unterschiede zu nicht bekletterten Felsen sind beispielhaft für einen Felsriß, zwei Felsköpfe und ein Felsband dargestellt.

Die kartierten Pflanzengesellschaften werden hinsichtlich ihrer Schutzwürdigkeit bewertet und die als wertvoll ermittelten Bereiche als Konfliktbereiche abgegrenzt.

Abschließend werden Lösungsvorschläge auf der Ziel- und der Maßnahmenebene erarbeitet.

ANMERKUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

  • Bedeutendste Belastung des Klettersports ist die der Vegetation durch Tritt, am stärksten sind davon die moosreichen Felspflanzengesellschaften und die Pflanzengesellschaften der Felsköpfe betroffen.
  • Das Ausmaß der Belastung steigt mit der Dichte an Kletterern: häufiger besuchte Felsen sind deutlich mehr belastet , insbesondere am Felsfuß (S. 159).
  • Felstürme, die aus dem Wald herausragen, tragen i.d.R. wesentlich mehr Vegetation und sind insofern durch das Klettern mehr gefährdet als vegetationsärmere Felsen , die vom Wald überwachsen sind.
  • Kletterrouten der Schwierigkeitsgrade < 7 verlaufen i.d.R. durch stärker gegliederte Felsbereiche, in denen sich Vegetation leichter ansiedeln kann und sind insofern mehr gefährdet als schwierigere Routen.


BEZUG/QUELLE

Fachhochschule Weihenstephan, Bereich Forstwirtschaft, Bibliothek

Gutenbergstr. 7-9 ,

85350 Freising

Präsenzbibliothek

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 4) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer):

 

 


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

NSG "Schloß Prunn"/Fränkischen Alb/Bayern

Kalk-Felsmassive am Südzug der Fränkischen Alb (Altmühlalb) = nördlicher Teil des Juragebirgszuges (Abb. S. 10)

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Pflanzensoziologische Bestandsaufnahme und Besucherzählung von März-August 1987

Beispielhafte Querschnittsanalyse für Felsstandorte: bekletterte und nicht bekletterte Standorte mit möglichst identischen Standortfaktoren werden verglichen

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bewertung der Beeinträchtigung der Vegetation:

"stark beeinträchtigt": Vegetationslücken erkennbar, Pflanzenlebensraum deutlich eingeschränkt

"gering beeinflußt": keine Vegetationslücken aber einzelne Pflanzen weisen Schäden auf oder sind in ihrer Wuchs- oder Blüteleistung eingeschränkt

Bewertung der Schutzwürdigkeit der Pflanzengesellschaften/des Konfliktpotentials mit dem Klettersport nach

- Seltenheit der Art

- Seltenheit des Vegetationstypes

- Repräsentanz

- Ersetzbarkeit

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Keine Aussage


EINWIRKUNGSDAUER

Aufgrund der südexponierten Lage der Kletterfelsen fast ganzjähriger Kletterbetrieb

am Wochenende ganztägig/ in der Woche meist nur einige Stunden am Nachmittag

konzentrierter Andrang während Kletterkursen

 

EINWIRKUNGSART

- Tritt

- Stoffeintrag

- Stoffaustrag

 

EINWIRKUNGSGRAD

"gering" und "stark bekletterte" Felsmassive

Anzahl der Kletterer im gesamten Gebiet: Wochenende bis 200 Personen/Tag - in der Woche erheblich weniger

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Wanderfalke (Falco peregrinus) brüten nicht an den bekletterten Felsen - jedoch in der näheren Umgebung, ob der Grund für die Meidung der Kletterfelsen in der Sporttätigkeit zu sehen ist, kann nicht festgestellt werden (S. 128).
Uhu (Bubo bubo)

1. Beeinträchtigungen an Felsmassiven durch Tritt

VEGETATIONSEINHEIT ART DER BEEITRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Pflanzengesellschaften steiler Felsflächen mit Felsspaltengesellschaften Gesamtdeckungsgrad der Felsspaltenpflanzen ist nur auf stark bekletterten Flächen reduziert
Felsrisse Deckungsgrad nimmt deutlich ab.
Felsbänder Deckungsgrad und Artenzahl verändern sich auch bei häufigem Betreten nur geringfügig, da alle Kletterer die gleichen Tritte nutzen.
Freistehende Felsköpfe mit Alysso-Sedetum Deckungsgrad der Gesellschaft, v.a. Sedum album, erheblich reduziert.
geneigte Felsköpfe mit Trockenrasen geschädigte Vegetation: Trotz häufiger Frequentierung keine erhebliche Schädigung der Vegetation. Tritteinfluß ist auf bestimmt Bereiche begrenzt, wo auf einer Breite von ca. 30 cm die Pflanzen ausgedünnt sind.
Untersuchung der einzelnen Felsmassive Die kartierte Vegetationsfläche der 14 einzelnen Felsmassive und ihre Beeinträchtigungen sind in der Arbeit nach Assoziationen aufgeschlüsselt dargestellt.
Fels Nr. Belastungsintensität: Maß der Besteigung Belastungsintensität: Routen-Anzahl Flächenbilanzen: gesamte Vegetationsfläche Flächenbilanzen: beeinträchtigte Vegetationsfläche [m²] / [%] Flächenbilanzen: davon stark beeinträchtigt [m²] / [%]
1 sehr stark 19 510 m² 132 m²/25,9 % 93 m²/70,5 %
11 sehr stark 20 376 m² 80 m²/21,3 % 15 m²/18,8 %
12 sehr stark 13 136 m² 16 m²/11,8 % 10 m²/62,5 %
3 sehr stark 21 955 m² 91 m²/9,5 % 48 m²/52,7 %
2 sehr stark 22 967 m² 87 m²/9,0 %
34 m²/39,1 %
8 häufig 9 515 m² 64 m²/12,4 % 17 m²/26,6 %
4 häufig 18 752 m² 73 m²/9,7 % 37 m²/50,7 %
5 häufig 10 683 m² 56 m²/8,2 %
35 m²/62,5 %
13 häufig 14 550 m² 29 m²/5,3 %
8 m²/27,6 %
14 selten 17 715 m² 85 m²/11,9 % 40 m²/47,1 %
10 selten 10 314 m² 16 m²/5,1 % 0 m²/0 %
7 selten 12 342 m² 12 m²/3,5 %
0 m²/0 %
5 selten 16 265 m² 4 m²/1,5 %
0 m²/0 %
9 selten 2 35 m² 0 m²/0 % 0 m²/0 %

geschädigte Vegetation insgesamtS. 158
Gesamtvegetationsfläche:7146 m²
beeinträchtigte Fläche:754 m² = 10,4 %
davon stark beeinträchtigt:337 m² = 4,7 %

2. Zugangs- und Einstiegsbereiche

VEGETATIONSEINHEIT ART DER BEEITRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Halbtrockenrasen Festuco rupicolae Brometum Gesamtdeckungsgrad sinkt unter Tritt bei deutlich steigendem Anteil der Trittarten Plantago major und Poa annua (S. 94 - 98; 125)
Artenzahl steigt
geschädigte Vegetation insgesamt
Gesamtfläche:27 000 m²
beeinträchtigte Fläche:310 m² = 1,1 %
davon Festuco rup. Brometum, trockene Ausbildung: 80 m²
davon stark beeinträchtigt: 280 m² = 1,0 %
Umfang der Beeinträchtigung ist abhängig von der Verlaufsrichtung der "Trampelpfade": senkrecht zum Hang verlaufende Pfade weisen im Gegensatz zu quer verlaufende folgende Unterschiede auf: S. 125
höhere Erosionsgefahr
Veränderungen der Vegetation (Deckungsgrad und Artengefüge) beschränken sich nicht auf linienförmige Bereiche sondern umfassen größere Flächen
höhere Beeinträchtigung der randlich angrenzenden Vegetation
meist Entstehung mehrerer parallel verlaufender Pfade, die zu flächenhaften Veränderungen führen
Buchenwald/Carici-Fagetum
Deckungsgrad und Artenzahl reduzieren sich nur bei sehr häufigem Betreten der Pfade (Beeinträchtigung steigt mit Tiefgründigkeit des Bodens / Humusauflage). (S. 99 - 101; 126f)
An stark begangenen Pfaden kommt es zur Freilegung der Baumwurzeln und infolge zu deren mechanischer Verletzung.
geschädigte Vegetation insgesamt
Gesamtfläche:1 000 000 m²
beeinträchtigte Fläche:900 m² = 0,09 %
davon stark beeinträchtigt:360 m² = 0,04 %

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

keine Aussage

 

BEMERKUNGEN

Der Stoffeintrag durch Müll entlang der Trampelpfade zu den Kletterfelsen und an den Einstiegen ist geringer als entlang der Wanderwege des NSG.

  • Im UG wurden keine negativen Einflüsse des Einsatzes von Magnesia festgestellt.
  • für das Gestein: Der hier vorhandene Kalkstein wird durch Magnesia eher geschützt, da es den Handschweiß neutralisiert (r) Gestein wird weniger angegriffen und weniger rasch glattpoliert
  • für den Boden: Die Menge des verwendeten Magnesia wird auf 500 g/m² pro Jahr geschätzt. Veränderungen im Boden-pH wurden nicht festgestellt (keine Angabe von Werten).