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Georgii, Bertram (2001) Auswirkungen von Freizeitaktivitäten und Jagd auf Wildtiere


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Andere Freizeitaktivitäten, Landgebundener Sport, Luftsport, Wassersport, Wintersport

 

INHALT

Die steigende Anzahl von Erholungssuchenden, die Sport in der freien Landschaft ausüben, sowie die Entwicklung neuer Trendsportarten und die ständige Verbesserung von Geräten und Material haben auch in den Alpen zu einer veränderten Raum-Zeit-Nutzung mit unmittelbaren Folgen für die dortigen Wildtiere geführt. Auch von Jagd und Fischerei gehen oftmals Störungen aus. In der vorliegenden Arbeit gibt der Autor anhand verschiedener Studien einen Überblick über Auswirkungen von Freizeitaktivitäten und Jagd auf Wildtiere.

Die Arbeit ist die schriftliche Fassung eines Vortrages, der zusammen mit weiteren Vorträgen in einem Sammelband zu den Veranstaltungen "Ökologiesymposium Störungsökologie" am 25. November 2001 in Starnberg und "Wer macht unsere Wildtiere so scheu?" am 20. und 21. September 1999 in Pullach veröffentlicht wurde.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Für die Gebietsplanung im Sinne der Erholungsvorsorge für den Menschen einerseits und den Artenschutz andererseits muss beurteilt werden, welche Auswirkungen für eine Tierart wirklich bedrohlich sind. Dabei kann eine Unterscheidung zwischen kompensierbaren und nicht-kompensierbaren Folgen helfen.

Durch räumliches Ausweichen, Distanzregulierung oder Gewöhnung können viele Wildtiere ein gewisses Maß an menschlichen Störungen verkraften, offen bleibt dabei allerdings die Frage, ob man einzelnen Tieren den damit verbundenen Stress zumuten kann bzw. darf. Eine nicht-kompensierbare Auswirkung liegt dann vor, wenn durch die Störungen die Fitness von Tieren herabgesetzt wird und dies in der Summe die gesamte Population gefährdet. Studien, die den Niedergang einer Tierpopulation ausschließlich menschlichen Störungen zuschreiben sind zwar in der Literatur nicht zu finden, gemäß des Vorsorgeprinzips sollten aber schon bei der Befürchtung gravierender Auswirkungen auf Populationen Maßnahmen in Form von Verlegung oder Rückbau konfliktträchtiger Wege, Loipen etc. sowie besseren Beschilderungen oder Gebietssperrungen ergriffen werden.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3031) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Der Autor bezieht sich hauptsächlich auf Studien, die Reaktionen von Tieren auf menschliche Störreize in alpinen Lebensräumen beschreiben.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Literaturrecherche zu und Zusammenfassung von:

- verhaltenskundlichen Aspekten von Störung und Reaktion

- Auswirkungen menschlicher Störungen auf Wildtiere

- abzuleitenden Konsequenzen

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Menschliche Störungen wurden hinsichtlich ihres Effektes auf Wildtiere unterteilt:

- Auswirkungen auf die Raumnutzung

- Auswirkungen auf das Zeitbudget

- Auswirkungen auf das Energiebudget

- Auswirkungen auf Kondition und Fortpflanzungserfolg

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Der Begriff Störung wird in diesem Beitrag als Reiz oder Stressor verstanden, der beispielsweise Furcht auslöst, auf jeden Fall aber eine Veränderung im Verhalten oder beim Stoffwechsel von Tieren nach sich zieht. Außerdem führt der Autor verschiedene verhaltenskundliche Aspekte von Störungen und Reaktionen der Tiere auf, die die Interpretation von Störungen und ihren Auswirkungen erschweren können. So spielen beispielsweise Bekanntheitsgrad und Seltenheit von Störreizen eine wichtige Rolle zur Gewöhnungsfähigkeit von Wildtieren an Störreize.


EINWIRKUNGSDAUER

Keine Angaben

 

EINWIRKUNGSART

akustisch, visuell, physisch

 

EINWIRKUNGSGRAD

Keine Angaben

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Auswirkungen auf die Raumnutzung In stark bejagten und/oder zur Erholungssuche genutzten Gebieten ist das Meiden oder vollständige Verlassen von bevorzugten Nahrungs- oder Ruheplätzen vieler Tierarten zu beobachten. Ein zu enges Wege- oder Loipennetz kann dies zusätzlich verstärken, da die in den Wegenetzen verbliebenen Flächen aufgrund großer Fluchtdistanzen störempfindlicher Tierarten oftmals viel zu klein sind.
Auswirkungen auf das Zeitbudget Werden Freizeitaktivitäten schon in den frühen Morgenstunden und/oder am späten Nachmittag bzw. abends ausgeübt, überschneiden sie sich mit den Hauptaktivitätszeiten der meisten Tierarten. Diese reagieren darauf entweder mit zeitlichen Verlagerungen insbesondere der Nahrungsaufnahme oder Änderungen in der Dauer einzelner Verhaltensweisen.
Auswirkungen auf das Energiebudget Die Reaktionen von Wildtieren auf menschliche Störungen sind oft mit erheblichem Energieaufwand verbunden. Selbst wenn ein Tier nicht flüchtet, kann die bloße Erregung in Form eines erhöhten Herzschlages zu einer Verdopplung oder sogar Verdreifachung des Energieumsatzes führen. Flüchten (Davonrennen oder -fliegen) kostet gar bis zum zwölffachen der Energie im Vergleich zu ruhigem Verhalten. Besonders in den Wintermonaten, bei vermindertem Stoffwechsel vieler Tiere und qualitativ minderwertiger oder schlecht erreichbarer Nahrung, können Störungen gravierenden Einfluss auf die zum Überleben erforderliche Energiebilanz von Wildtieren haben.
Auswirkungen auf Kondition und Fortpflanzungserfolg Ungewöhnliche Beanspruchungen des Energiehaushaltes von Wildtieren führen fast immer zu einer Schwächung ihrer Kondition, die sich bei Huftieren auch von dem geschwächten Muttertier auf die Folgegeneration auswirken kann. Verminderter Fortpflanzungserfolg durch menschliche Störungen bei Vögeln ist zumeist durch das Meiden potentieller Nistplätze, die Aufgabe von Nestern oder das Auskühlen von Gelegen bedingt.

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Aufgrund der zahlreichen herangezogenen Studien ist die Arbeit repräsentativ für allgemeine Störreize und -wirkungen im Europäischen Alpenraum.

 

BEMERKUNGEN

Keine Angaben