Bundesamt für Naturschutz

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Herter, Wolfgang (2000) Belastungen der Vegetation von Mittelgebirgsfelsen durch Sportklettern


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Klettern

 

INHALT

Exponierte Mittelgebirgsfelsen können eine Vielzahl seltener und gefährdeter Arten und Lebensgemeinschaften beherbergen. So stellen sie beispielsweise oftmals wertvolle Erhaltungsbiotope eiszeitlicher oder nacheiszeitlicher pflanzlicher Reliktarten dar und sind somit für Wissenschaft und Naturschutz von großer Bedeutung. Durch zunehmenden Klettersport werden verstärkt Belastungen auch in solche Felsbereiche eingebracht, die vorher weitestgehend vom Menschen unbeeinflusst waren. Ausführliche Untersuchungen in der Schwäbischen Alb sollten möglichen Folgen des Sportkletterns auf die Felsvegetation aufzeigen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Am Beispiel des Löchlesfels wird deutlich, dass in weniger als zehn Jahren eine massive qualitative wie auch quantitative Schädigung der Felsvegetation durch den Klettersport möglich ist. Die ursprüngliche und wertvolle Vegetation trat nur noch fragmenthaft auf, die stärksten Schäden wurden im Bereich des Standplatzes festgestellt. Kletterregelungen sind zur Entschärfung dieses Konfliktes demnach erforderlich, zur besseren Akzeptanz sollten aktuelle Untersuchungen über die Auswirkungen des Sports unter Kletterern und Kletterverbänden verstärkt bekannt gemacht werden.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3023) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Die Untersuchungen fanden am Löchlesfels, einem häufig besuchten Toprope-Sportkletterfelsen des Oberen Donautals in der Schwäbischen Alb, statt. Der um 1990 zum Klettern erschlossene Fels beinhaltete zum Zeitpunkt der Untersuchung zahlreiche dicht nebeneinander liegende und überwiegend relativ kurze sowie schwierige Routen.

Die Felsvegetation reichte von blaugrasreichen Felsbändern im oberen Teil der Wand über Felsspaltengesellschaften und einzelne Felsbirnen bis hin zu den für das Obere Donautal typischen und gefährdeten Arten wie Berg-Wucher-Blume, Kugelschötchen, Kugelige Teufelskralle, Brillenschötchen, Niedriges und Gabeliges Habichtskraut, Scheiden-Kronwicke und Großblütiges Sonnenröschen.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Mit vegetationskundlichen Methoden sollten beispielhaft Art und Umfang der durch das Klettern hervorgerufenen Schäden aufgezeigt werden. Dazu wurde bewusst ein erkennbar belastetes und bereits geschädigtes Felsbiotop ausgewählt und sowohl Untersuchungen der Felswand und des Felskopfes wie auch des Felsfußes und des Standplatzes durchgeführt.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Quantitativer und qualitativer Vergleich der Vegetations- und Standortverhältnisse in bekletterten und nicht bekletterten Bereichen des Felsens.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Sowohl in bekletterten wie auch in nicht bekletterten Bereichen des Felsens wurden 1x1 Meter große Untersuchungsflächen festgelegt, in denen alle vorkommenden Einzelpflanzen und die vorhandenen Oberflächenstrukturen kartiert wurden.

 


EINWIRKUNGSDAUER

Zum Zeitpunkt der Untersuchung war der Löchlesfels seit ca. zehn Jahren durch den Klettersport erschlossen.

 

EINWIRKUNGSART

Erosion durch Tritt- und Griffbelastungen sowie Anbringen von Haken und Schlingen in der Felswand.

 

EINWIRKUNGSGRAD

Massive Schädigung der Vegetation in qualitativer sowie quantitativer Hinsicht.

 

 

 

VEGETATIONSEINHEIT ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Quantitative Analyse Signifikant geringere Bewuchsraten in den bekletterten Bereichen für bestimmte Loch- und Rissstrukturen.
Qualitative Analyse Der Vergleich zeigte, dass nicht nur geschützte und gefährdete Nischenarten bzw. Reliktarten der Felsbiotope verschwinden, sondern sich an deren Stelle neue, standortfremde und tritttolerante Arten ausbreiten und somit zu einer qualitativen Verminderung der Vegetationsverhältnisse beitragen.

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die Untersuchung zeigt mögliche Belastungen von Biotopen in Mittelgebirgsfelsen durch den Klettersport auf. Außerdem weist der Autor darauf hin, dass die Ergebnisse aufgrund der vegetationskundlichen Methoden zwar im engeren Sinne nur für die Pflanzenwelt solcher Felslebensräume gelten, durch die enge Verbindung vieler hochspezialisierter Pflanzen- und Tierpopulationen in den Lebensgemeinschaften der Mittelgebirgsfelsen aber im Sinne einer gesamtökologischen Betrachtung auch die ansässige Tierwelt betroffen ist.

 

BEMERKUNGEN

Anhand weiterer Untersuchungen an zwei aus Naturschutzgründen für den Klettersport gesperrten, ehemals aber bekletterten Felsen zeigt der Autor außerdem die Regenerationsfähigkeit geschädigter Vegetation auf.