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Hemetsberger, Josef; Pühringer, Norbert; Marterbauer, Horst (2006) Auswirkungen eines Powerbootrennens auf die Wasservogelgemeinschaft des Traunsees in Oberösterreich


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Motorboot/Wasserski/Parasailing

 

INHALT

Die auch als Formel 1 des Motorbootsports bezeichneten Powerbootveranstaltungen werden gemeinhin auf dem offenen Meer ausgetragen. Im September 2003 fand zum ersten Mal überhaupt ein solches Rennen auf einem Voralpensee, dem Traunsee in Österreich, statt. Anhand mehrtätiger Beobachtungen wurden dabei die Auswirkungen des Rennbetriebs auf Wasservogelgemeinschaften untersucht.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Da die Brut- und Aufzuchtszeit vorbei war und die meisten Wintergäste noch nicht eingetroffen waren, ist der Zeitpunkt der Powerbootveranstaltung aus Sicht des Vogelschutzes gut ausgewählt worden. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass das Rennen für bestimmte Arten eine gravierende Störung dargestellt hat. Insbesondere seltene Arten wie der Schwarzhalstaucher reagierten empfindlicher als weiter verbreitete Arten wie Stockente oder Höckerschwan.
Auch zeigte sich, dass die beobachteten Reaktionen der Vögel wie beispielsweise Verhaltensänderungen oder Rückzug in geschützte Bereiche weniger von den Rennbooten selbst, als vielmehr durch den begleitenden Bootsbetrieb oder Zuschauer an der Strecke verursacht wurden. Bei einer möglichen Wiederholung der Veranstaltung ist nach Meinung der Autoren sowohl von einer örtlichen wie zeitlichen Verlegung als auch von einer Verlängerung der Rennstrecke abzuraten. Außerdem sei nicht auszuschließen, dass bei einer dauerhaften Etablierung der Veranstaltung der Traunsee auf lange Sicht für bestimmte Wasservogelarten immer unattraktiver werde.


BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3013) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Untersuchungsgebiet war der Traunsee in Oberösterreich. Der 25,62 km2 große und maximal 191 m tiefe See liegt 422,5 m über dem Meer und insbesondere seine Flachufer am westlichen Rand sind für Wasservögel von hoher Bedeutung. Außerdem stellt er alljährlich für mehrere tausend Wasservögel ein Rast- oder Winterquartier dar.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

An insgesamt drei Beobachtungspunkten wurden vor, während und nach dem Powerbootrennen im September 2003 Wasservögel beobachtet.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Arten, Anzahl und Verteilung der Wasservögel vom 09.09. bis zum 16.09.2003 jeweils zwischen 09:00 und 16:00 Uhr zu jeder vollen Stunde. Die eigentliche Rennveranstaltung fand dabei vom 12.09. bis zum 14.09.2003 statt, hier erfolgte die Datennahme nur während des tatsächlichen Rennbetriebs.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Die in einer Vorexkursion bestimmten Beobachtungspunkte am westlichen Ufer mussten jeweils drei Kriterien erfüllen:

  • möglichst viele Wasservögel mussten an diesen Stellen bereits vorher zu beobachten sein
  • von den Punkten musste ein guter Überblick der Uferlinie und auf die freie Seefläche gegeben sein
  • die Punkte mussten soweit voneinander entfernt sein, dass eine Doppelzählung der Vögel nicht möglich war, d. h. dass mehrere Kilometer Abstand voneinander gegeben sein mussten


EINWIRKUNGSDAUER

Das Powerbootrennen fand vom 12.09.2003 bis zum 14.09.2003 statt.

 

EINWIRKUNGSART

Räumliche und akustische Störung durch Powerboote, Begleitboote und Publikumsbetrieb.

 

EINWIRKUNGSGRAD

Unterschiedlich hinsichtlich der einzelnen Vogelarten.

 

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Lappentaucher Insbesondere der Schwarzhalstaucher reagierte während und verstärkt auch nach dem Rennbetrieb mit einer deutlichen Abnahme in Individuenanzahl. Der Zwergtaucher dagegen war nach einem zwischenzeitlichen Rückgang während der Veranstaltung nach dem Rennen wieder in etwa derselben Anzahl zu beobachten.
Entenvögel Während bei Höckerschwan, Stockente und Reiherente keine signifikante Veränderung feststellbar war, reagierten Kolbenente, Tafelente und Pfeifente deutlich auf die Störung durch den Rennbetrieb, teilweise auch mit dem Verlassen des Gebietes.
Rallen Die häufigste beobachtete Vogelart war mit im Durchschnitt über 50 % die Blässralle. Diese zeigte insgesamt eine deutliche Individuenabnahme, die aber nach Standorten getrennt nur für einen Beobachtungspunkt zutraf. Dieser wurde auch nach dem Rennen nicht wieder aufgesucht, an den beiden anderen Beobachtungspunkten blieb die Anzahl der Blässrallen konstant.
Möwen Die Lachmöwe zeigte keine signifikant negative Veränderung in ihrer Individuenanzahl, die Weißkopfmöwe dagegen eine deutliche.

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Powerbootrennen werden üblicherweise auf dem Meer veranstaltet, das hier ausgetragene Rennen war das erste auf einem Voralpensee. Vergleichbare Untersuchungen oder Studien konnten demnach nicht herangezogen werden und sind in der Literatur auch kaum zu finden.
Somit mündet die Untersuchung auch in ganz konkreten Empfehlungen hinsichtlich der eventuellen Fortführung dieser oder ähnlicher Veranstaltungen auf dem Traunsee.


BEMERKUNGEN

An den drei Beobachtungspunkten konnten insgesamt 22 im weiteren Sinne ans Wasser gebundene Vogelarten beobachtet werden. Unter der Ergebnisdarstellung wird die Verteilung der häufigsten Arten beschrieben.