Bundesamt für Naturschutz

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Graf, Roman; Bolzern, Heinz; Röösli, Thomas (2004) Können auf Golfplätzen Naturschutzziele erreicht werden? Eine Erfolgskontrolle in Holzhäusern (Kanton Zug, Schweiz)


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

 

SPORTARTEN

Golf

 

INHALT

Der Golfsport sieht sich aufgrund eines vermehrten Landschaftsverbrauches durch die Anlage neuer Plätze zunehmender Skepsis seitens des Naturschutzes gegenübergestellt. Darum werden Synergiemöglichkeiten mit positiven Auswirkungen auf Arten- und Lebensraumvielfalt gesucht. So wurden auch beim Bau eines Golfplatzes in der Schweiz zahlreiche naturnahe Lebensräume auf einer vormals intensiv landwirtschaftlich genutzten Fläche geschaffen. Eine Erfolgskontrolle anhand mehrerer naturschutzorientierter Leitgedanken und Ziele sollte nun zeigen, wie sich Landschaft sowie Tier- und Pflanzenwelt auf dem Golfplatzgelände entwickelt haben.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Der durchschnittliche Zielerreichungsgrad naturschutzfachlicher Belange lag bei 71,5 %. Die in Holzhäusern gewonnenen Ergebnisse der Untersuchung können dabei helfen, Empfehlungen und Vorgaben für den Bau und die Pflege von Golfplatzanlegen zu bestätigen, zu ergänzen oder zu präzisieren um die ökologische Wertigkeit solcher Anlagen zu erhöhen. Nachfolgend beispielhaft einige der abzuleitenden Erkenntnisse:

  • Auf strukturarmen und intensiv bewirtschaftetem Agrarland kann bereits ein Drittel „Ökoflächen“ auf dem Golfplatz zu einer Steigerung der Artenvielfalt führen. Eine Neuanlage von Golfplätzen auf reich strukturiertem, mehrheitlich extensiv genutztem Kulturland oder Naturschutzgebieten ist dagegen abzulehnen
  • Menge, Art und Verteilung der neu zu gestaltenden Lebensräume sollten sich an landschaftlichen und faunistischen Vorrausetzungen orientieren
  • Ein Teil der Ökoflächen (20 bis 50 %), insbesondere der Extensivwiesen, sollte als zusammenhängende Fläche in einem Randbereich der Anlage liegen um weitestgehend störungsfrei zu bleiben und die Pflege zu vereinfachen
  • Lebensräume auf der Anlage und in seiner Umgebung sollten möglichst durch naturnahe Korridore miteinander verbunden werden
  • Regelmäßige Information von Golfern und Greenkeepern über naturverträgliche Pflegemethoden und über den Sinn bestimmter Einschränkungen zum dauerhaften Verständnis sind sinnvoll

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3012) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Untersuchungsgebiet war der 1994/1995 erbaute Golfplatz Holzhäusern im Kanton Zug, Zentralschweiz.
Das vormals intensiv landwirtschaftlich genutzte und nährstoffreiche bzw. z. T. auch deutlich überdüngte Gebiet wurde bei dem Bau des Platzes mit Hecken, Gebüschgruppen, Obstbäumen, Gräben, Sumpfzonen, Weihern sowie Blumenwiesen und Saumstreifen neu gestaltet. Der insgesamt 77,5 ha große Golfplatz umschließt außerdem ein 11,5 ha großes Waldstück. Gemäß eines festgelegten Bewirtschaftungs- und Pflegeplans setzt sich die Nutzung der Golfplatzfläche wie folgt zusammen:

- 32,9 % sehr intensiv genutzte Flächen

- 43,2 % mäßig intensiv genutztes Grünland

- 10,8 % extensiv genutztes Grünland

- 8,1 % werden als naturnahe Strukturen gepflegt

- 4,9 % der Gesamtfläche bleiben unbenutzt

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Erfolgskontrolle der naturnahen Gestaltung des Golfplatzes hinsichtlich der Auswirkungen auf Landschaft, Fauna und Vegetation anhand der Überprüfung festgelegter, naturschutzorientierter Leitgedanken und Ziele.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Der Golfplatz soll…

  • … auch anspruchsvollen einheimischen Tier- und Pflanzenarten (Rote-Liste-Arten) einen Lebensraum bieten
  • … eine im Vergleich zur Umgebung hohe Artenvielfalt aufweisen
  • … eine reichhaltige Palette unterschiedlich ausgebildeter Lebensraumtypen enthalten
  • … sich in Bezug auf die Menge und den Zustand der naturnahen Lebensräume positiv vom umgebenden Landwirtschaftsland abheben

Innerhalb dieser einzelnen Leitgedanken wurden dann, nach Abschätzung des Lebensraumpotenzials, insgesamt 34 Teilziele (z. B. „Die Zahl der Libellenarten steigt auf 24" oder „Die Diversität der Heckentypen - Niederhecken, Hochhecken, Baumhecken - ist groß") formuliert. Deren Zielerreichungsgrad wurde wiederum in fünf Kategorien eingeteilt:

Ziel übertroffen: Zielerreichungsgrad über 100 %

Ziel erreicht: Zielerreichungsgrad genau 100 %

Ziel knapp verfehlt: oder Ziel sachlich gesehen erreicht aber nicht im prognostizierten Ausmaß; Zielerreichungsgrad 75 bis 99 %

Ziel verfehlt: Zielerreichungsgrad 25 bis 74 %

Ziel deutlich verfehlt: Zielerreichungsgrad 0 bis 24 %

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Aufgrund teils fehlender Informationen zum Ausgangszustand von Flora und Fauna vor dem Bau des Golfplatzes wurden mehrere Begehungen (begi