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Handke, Klaus; Adena, Julia; Handke, Pia (2006) Landschaftsökologische Untersuchungen auf dem Golfplatz Achim (Niedersachsen): Ein Vergleich mit dem Ausgangsbestand und einem Referenzgebiet


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Golf

 

INHALT

Stetiger Zulauf im Golfsport und insbesondere die Anlage immer weiterer Golfplätze führen auch vermehrt zu Konflikten mit naturschutzfachlichen Interessen. Flächenverbrauch und eine Zerstörung alter Kulturlandschaften mit ihren Tier- und Pflanzenarten sind überwiegend die ausschlaggebenden Gründe für Kritik. Umstritten war auch die Anlage eines neuen Golfplatzes in Niedersachsen bei Achim. Eine Untersuchung im Vorfeld der Anlage dokumentierte den ökologischen Ausgangszustand des Gebietes und resultierte in Hinweisen zur Verminderung von Beeinträchtigungen bzw. in Maßnahmen zum Management des Gebietes. Eine Vergleichsuntersuchung mehrere Jahre nach der Eröffnung der Anlage sollte nun zeigen, inwieweit sich Tier- und Pflanzenwelt in dem Gebiet verändert haben und ob vorhandene ökologische Wertigkeiten erhalten werden konnten.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die insgesamt positiv zu bewertende Entwicklung von Fauna und Vegetation und ihre Wertigkeit im Vergleich zum Ausgangszustand und zu den Referenzflächen zeigen, dass das naturschutzfachliche Potenzial einer Umwandlung von strukturarmen Ackerflächen mit nährstoffarmen Böden hoch ist und in relativ kurzer Zeit eine Besiedlung durch viele Tierarten erfolgen kann. Aus den Ergebnissen der Studie lassen sich aber auch gewisse Regeln für die Anlage eines Golfplatzes ableiten, deren Beachtung für solch eine positive Entwicklung nötig ist:

  • Einbindung vieler Kleingewässer in den Golfplatz
  • Das Verhältnis von Hard-Roughs, also extensiv genutzten und nur selten gemähten Wiesen, zu Spielbahnen sollte möglichst groß sein
  • Strukturvielfalt und Vernetzung von Lebensräumen
  • Ausbreitungszentren in der näheren Umgebung

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3010) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Der 18-Loch-Golfplatz mit einer Gesamtgröße von knapp 126 ha bei Achim, ca. 10 km südöstlich der Stadtgrenze Bremens in Niedersachsen.
Für die Untersuchungen im Jahr 2004 wurde eine 407,4 ha große und sowohl den Golfplatz wie auch Referenzflächen in der Umgebung beinhaltende Untersuchungsfläche festgelegt. Die Referenzflächen entsprachen weitestgehend dem Ausgangszustand des Golfplatzgeländes, das durch Gewässerarmut und intensiv genutzte Ackerflächen geprägt war.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Nachdem bereits wenige Jahre vor der Anlage des Golfplatzes Untersuchungen zu Fauna und Vegetation des Gebietes durchgeführt worden waren, wurden 2004 Vergleichsuntersuchungen zur Bestimmung der ökologischen Entwicklung unternommen.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bestandsentwicklung von Biotoptypen, Pflanzenarten sowie von Tierarten. Bei fehlenden Ausgangsdaten fand eine Bestandserfassung mit Wertigkeitseinstufungen statt.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Wertigkeiten von Biotoptypen:

1. Wertstufen 0 und 1: Biotope ohne und von sehr geringer Bedeutung

2. Wertstufen 2 und 3: Biotope von geringer und mittlerer Bedeutung

3. Wertstufen 4 und 5: Biotope von hoher und sehr hoher Bedeutung

Die Wertigkeit von Tier- und Pflanzenarten orientierte sich an ihrem Gefährdungsgrad (Rote-Liste-Arten inklusive Vorwarnliste).


EINWIRKUNGSDAUER

Der Golfplatz wurde im Winterhalbjahr 1997/1998 angelegt, die Vergleichsuntersuchungen zum Ausgangszustand fanden im Jahr 2004 statt.

 

EINWIRKUNGSART

Umstrukturierung der Landschaft

 

EINWIRKUNGSGRAD

Starke Umstrukturierung der Biotopeinheiten bzw. ihrer Flächennutzung mit unterschiedlichen, insgesamt aber überwiegend positiven, Auswirkungen für Arten und Lebensgemeinschaften.

 

 

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Vögel Insbesondere Arten der Gewässer und Röhrichte (z. B. Zwergtaucher, Reiherente, Teichrohrsänger und Rohrammer) profitierten von der Umstrukturierung des Geländes und haben in ihrem Bestand zugenommen bzw. sind neu aufgetaucht. Zurückgegangen bzw. verschwunden sind Arten der offenen Agrarlandschaft (z. B. Rebhuhn, Kiebitz, Schafstelze und Wiesenpieper). Insgesamt ist es zu keiner Verschlechterung der Wertigkeit als Brutgebiet im Vergleich zum Ausgangszustand gekommen. Die Artenzusammensetzung der Brutvögel auf dem Golfplatzgelände änderte sich qualitativ, nicht aber quantitativ.
Amphibien Da es vor der Anlage des Golfplatzes bis auf einen Graben keine Gewässer in dem Gebiet gab, liegen ältere Vergleichsdaten zu Amphibienarten nicht vor. Insgesamt konnten auf dem Golfplatz Kamm- und Teichmolch, Erd- und Kreuzkröte sowie Gras- und Teichfrosch nachgewiesen werden.
Libellen Insgesamt konnten auf dem Golfplatz 32 Libellenarten, davon 15 gefährdete bis stark gefährdete Arten nachgewiesen werden. Auch diese profitierten von den neu angelegten Gewässern. Zwei Arten, deren Vorkommen in der Umgebung des Golfplatzes aus älteren Untersuchungen bekannt war, konnten nicht nachgewiesen werden.
Tag-/Dickkopffalter und Widderchen Im Vergleich zu den Ausgangsdaten sind mit Ausnahme des Kleinen Perlmutterfalters alle nachgewiesenen Arten neu aufgetreten: Spiegelfleck-Dickkopffalter, Sumpfhornklee-Widderchen, Gemeines Grünwidderchen, C-Falter, Goldene Acht und Aurorafalter.
Heuschrecken Einige Arten haben sich in ihrem Bestand erhöht oder sind neu dazugekommen (z. B. Sumpfschrecke und Große Goldschrecke), andere haben in ihrem Bestand abgenommen oder sind verschwunden (Bunter Grashüpfer und Wiesengrashüpfer).
VEGETATIONSEINHEIT ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Ausgangszustand 64,2 % Ackerflächen
15,4 % Grünland
15,3 % Wald- und Gehölzflächen
1,3 % Gewässer
3,8 % Sonstige Flächen
Golfplatzfläche 37,1 % Spielbahnen
27,6 % Hard-Roughs, also extensiv genutzte und nur selten gemähte Wiesen
28 % Wald
3,3 % Gewässer
3,1 % Wege
1 % Sonstige Flächen (Gebäude und Garten)
Biotoptypen und Wertigkeit Deutliche Zunahme im Vergleich hoher und sehr hoher Wertigkeiten zum Ausgangszustand (Anteil im Jahr 1995: 4,6 % - Anteil im Jahr 2004: 25 %).

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die überwiegend positiven Ergebnisse der Untersuchung werden durch vergleichbare Studien bestätigt. Bei Beachtung gewisser Regeln (siehe dazu Inhalt: Schlussfolgerungen des/der Autor(in)en) kann ein extensiv bespielter Golfplatz also durchaus die Situation für bestimmte Arten und Lebensgemeinschaften im Vergleich zu strukturarmen Ackerflächen verbessern. Die Autoren führen außerdem an, dass sich allgemein solche Naturschutzziele auf nährstoffärmeren Böden wie in Achim einfacherer erreichen lassen.

 

BEMERKUNGEN

Der Artikel beinhaltet außerdem eine ausführliche Bewertung der auf dem Golfplatz durchgeführten landschaftstechnischen Maßnahmen und Hinweise auf vorhandene und zukünftige Probleme in den geschaffenen Lebensräumen.