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Göken, Frank (2004) Der Einfluss freizeitbedingter Störreize auf das Brutverhalten des Eisvogels (Alcedo atthis ispida) an der mittleren Hunte zwischen Oldenburg (Oldb) und Wildeshausen (Landkreis Oldenburg, Niedersachsen)


Diese Auswertung wurde erstellt von: Frank Göken

 

SPORTARTEN

Andere Freizeitaktivitäten, Angeln, Erholung am Gewässer, Kanu, Kajak, Landgebundener Sport, Spaziergang mit Hund, Wandern/Geländelauf, Wassersport

 

INHALT

Mit dieser Arbeit wurde der Einfluss freizeitbedingter Störreize auf das Brutverhalten des Eisvogels an der mittleren Hunte untersucht.

Der untere Mittellauf der Hunte zwischen Wildeshausen und dem Barneführer Holz ist innerhalb des gesamten Huntelaufes unterhalb des Dümmer Sees der letzte freifließende Gewässerabschnitt in einem sonst weitgehend regulierten und ausgebauten Verlauf. Die Nutzung der mittleren Hunte erfolgt überwiegend zu Erholungszwecken. Hier sind insbesondere der Bootstourismus und der Angelsport zu nennen. Weiterhin führen zahlreiche Wanderwege entlang der Hunte. Als Lenkungsmaßnahme für den Bootstourismus hat der Landkreis Oldenburg mit der Verordnung vom 16.10.2000 zum Schutze der Hunte zwischen Wildeshausen und Astrup eine Befahrensregelung für die mittlere Hunte erlassen.

Diese Verordnung beinhaltet:

  • a) ein ganzjähriges Verbot, den geschützten Landschaftsbestandteil mit Wasserfahrzeugen von mehr als 6 m Länge oder mehr als 1 m Breite zu befahren und
  • b) ein Verbot, den geschützten Landschaftsbestandteil in der Zeit vom 01.04. bis 15.07 mit Wasserfahrzeugen jeder Art zu befahren.

Im Rahmen dieser Arbeit sollten Antworten auf folgende Fragestellungen gefunden werden:

  • 1. Wie hat sich der Bestand des Eisvogels seit Bestehen der Befahrensregelung entwickelt?
  • 2. Wie stellt sich aktuell die Störungssituation an der Mittleren Hunte dar?
  • 3. Wie wirkt sich die Befahrensregelung auf das Brutverhalten des Eisvogels aus, zumal sie nicht seinen gesamten Brutzeitraum umfasst?
  • 4. Welche Störungsintensitäten treten innerhalb und außerhalb der Befahrensregelung auf?
  • 5. Nehmen neben anthropogenen Störungen weitere Faktoren Einfluss auf die Versorgung der Jungvögel mit Nahrung, wie Nahrungsangebot und Witterung

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die vorliegende Studie zeigt, dass die Anzahl der Fütterungsintervalle in einem engen
Zusammenhang mit der Anzahl, Dauer und Intensität der Störreize steht:

  • je höher die Anzahl der Störreize desto geringer die Anzahl der Anflüge
  • je länger die Störreize andauern, desto geringer die Anzahl der Anflüge
  • je intensiver die Störreize sind, desto geringer die Anzahl der Anflüge

Von den Fütterungsintervallen hängt letztlich der Erfolg einer Brut ab. Nahrungsengpässe durch Störungen können eine Aufgabe der Brut zur Folge haben. Die vorliegende Untersuchung macht deutlich, dass optimale Wetterbedingungen und hydrologische Verhältnisse nicht zwangsläufig zu einem besseren Bruterfolg führen müssen. Es ist zudem weitgehende Störungsfreiheit erforderlich. Da der Bootsverkehr die anteilsmäßig größte Störquelle darstellt, wird durch die Befahrensregelung die Summe der Störreize erheblich reduziert. In 2002 und 2003 war die Anzahl der Einflüge/h während der Befahrensregelung signifikant höher als außerhalb.

Ein gravierendes Problem stellen kontinuierliche Störreize dar, die zu einer Blockade der Brutstandorte führen (z. B. durch lang gezogene Bootskolonnen, anlegende Boote, Angler, Badende etc.).

 

 


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Als Untersuchungsgebiet wurde ein 26 km langer Teilabschnitt der Hunte zwischen der Stadt Wildeshausen und der Gemeinde Wardenburg (Niedersachsen) ausgewählt. Der untersuchte Flussabschnitt durchschneidet die flachwellige norddeutsche Grundmoränenlandschaft der Naturräume Delmenhorster Geest und Hunte-Leda-Moorniederung.

Dieser Abschnitt ist innerhalb des gesamten Huntelaufes unterhalb des Dümmer Sees der letzte freifließende Gewässerabschnitt in einem sonst weitgehend regulierten und ausgebauten Verlauf. Die Nutzung der mittleren Hunte erfolgt überwiegend zu Erholungszwecken. Hier sind insbesondere der Bootstourismus und der Angelsport zu nennen.


UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Ziel der vorliegenden Arbeit war
  • a) die Ermittlung des Brutbestandes des Eisvogels und der Begleitavifauna,
  • b) die Charakterisierung seiner Brutstandorte und Begleitarten,
  • c) die Ermittlung der quantitativ messbaren brutbiologischer Daten, wie Einflugfrequenzen, Schlupf- und Flügge-Zeitpunkte und
  • d) die Registrierung von Störereignissen und die darauf folgenden Reaktionen brütender Eisvögel.


BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Während und außerhalb des Befahrensverbotes wurden an verschiedenen Brutstandorten alle anthropogenen und natürlichen Störreize, ihre Quellen (Reizgeber: Boote, Angler, Badende, Fußgänger, Hunde, innerartliche Konkurrenz, Prädatoren etc.), ihre Qualität (Dauer, Intensität) und die darauf folgenden Reaktionen erfasst. Die Störreize wurden nach ihrer Erscheinungsform (optisch, akustisch und/oder mechanisch), ihrer Einflussart (diskret/indiskret) und ihrer Dauer (kontinuierlich/diskontinuierliche) unterschieden. Da Störreize Einfluss auf die Fütterungsfrequenz der Altvögel nehmen können, wurde parallel die Zahl der Fütterungen anhand der Einflüge (mit Nahrung!) erfasst.

Mit der filmischen Dokumentation stand eine große Menge an auswertbaren Detailinformationen zur Verfügung, die allein mit Spektiv und Fernglas bei gleichzeitiger Protokollführung nicht zu erfassen gewesen wären.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

In den 1970er bis Ende der 1990er Jahre erfolgten lediglich unregelmäßige Erfassungen der Eisvogelbrutbestände. Es sind daher nur Aussagen über störungsbiologische Auswirkungen seit Geltung der Befahrensregelung möglich.

 

 


EINWIRKUNGSDAUER

s. Einwirkungsart

 

EINWIRKUNGSART

Es wurde festgestellt, dass die Anzahl der Einflüge abhängig ist von der Anzahl, Dauer und Intensität eines Störreizes. So nehmen einzelne diskrete Störreize keinen signifikanten Einfluss auf die stündliche Einflugrate. In vermehrter Anzahl können sich diese Reize jedoch zu einem kontinuierlichen Störreiz steigern und führen zu einer signifikanten Verringerung der Einflüge. So kann die Störung durch einzelne Boote leichter kompensiert werden, als die von langgezogenen Bootskolonnen. Die Zahl der Einflüge pro Stunde ist also ebenso abhängig von der Dauer eines oder mehrerer Störreize. Die von Badenden und Anglern ausgehenden Störreize dauern in der Regel über mehrere Stunden an und haben an Brutstandorten eine Blockadewirkung. Auch die Intensität eines Störreizes ist von Bedeutung: Je intensiver ein Störreiz, desto geringer die Einflugrate pro Stunde. Die Intensität eines Störreizes ist insbesondere vom Verhalten der Störer abhängig.

 

EINWIRKUNGSGRAD

Fütterungsfrequenz während und außerhalb der Befahrensregelung

Während der Befahrensregelung lag die Fütterungsfrequenz bei durchschnittlich 1,84 Einflügen pro Stunde. Danach sank sie auf 0,83 Einflüge pro Stunde ab. Dieser Unterschied ist statistisch