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Geser, Silvia (2003) Räumliche Verteilung und Synchronisation des Verhaltens von weiblichen Gämsen (Rupicapra r. rupicapra)


Diese Auswertung wurde erstellt von: Andreas Boldt

 

SPORTARTEN

Drachenflug/Gleitschirmflug (=Hängegleiter), Luftsport, Motorflug

 

INHALT

In dieser Arbeit wurde untersucht, wie die räumliche Verteilung von weiblichen Gämsen zueinander ist, ob allenfalls gewisse Individuen bevorzugt beisammen sind. Weiter wurde geprüft, inwieweit die Voraussetzungen für das Zusammenbleiben auch durch eine Synchronisation des Verhaltens (aktiv/inaktiv=ruhen), basierend auf einem sozialen Effekt, gegeben sind und in welchem Distanzbereich ein solcher wirkt.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Unter Berücksichtigung von kausalen und funktionalen Aspekten wird in der Diskussion die soziale Organisation der Gämsen in einem Beziehungsschema dargestellt.
In der Arbeit wurden die Einwirkungen von Freizeitaktivitäten nicht direkt untersucht. Sie lieferte aber wichtige Grundlagen über das Sozialverhalten von Gämsen, die bei Untersuchungen der Störungsökologie zu berücksichtigen sind.


BEZUG/QUELLE

Dr. Andreas Boldt
WildARK
Tillierstrasse 6a
CH-3005 Bern
andreas.boldt@wildark.ch

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2921) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an  natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Die Untersuchung wurde von Februar bis Mitte Mai 2002 am Männlichen (Wengen) im Berner Oberland durchgeführt.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Die räumliche Verteilung der Tiere zueinander wurde anhand von sieben markierten Individuen untersucht. Das ergab 21 Paare-Kombinationen. Innerhalb dieser Paare wurde jeweils der Abstand in Tierlängen geschätzt.
Zur Frage nach der Synchronisation des Verhaltens wurden auch die übrigen weiblichen Tiere (bis ungefähr 60) berücksichtigt. Es wurden stets zwei Tiere ausgewählt, die folgenden Bedingungen entsprechen: (a) weniger als 10 Gämslängen (GL) entfernt, (b) weiter als 200 GL entfernt oder durch Sichtbarriere getrennt, (c) in Abständen von 0-5 GL, 6-10 GL, 11-15 GL und 16-40 GL voneinander entfernt. Dabei wurde jeweils ermittelt, ob bei den zwei Tieren gleiches (aktiv/aktiv, inaktiv/inaktiv) oder ungleiches (aktiv/inaktiv) Verhalten auftrat.
Bei einem Ortswechsel wurde ermittelt, ob Tiere, die nahe beieinander sind, einander häufiger nachfolgen als weiter voneinander entfernte. Dazu wurde festgestellt, ob die nächste Nachbarin eines Tieres, das sich fortbewegte, ihr innerhalb von fünf Minuten nachfolgte und sie gross der Abstand bei Beginn der Fortbewegung war.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

In der Arbeit wurden die Einwirkungen von Freizeitaktivitäten nicht direkt untersucht. Die Tiere wurden im "ungestörten" Zustand beobachtet. Entsprechend dokumentieren die Daten einen Kontrollzustand.

 


EINWIRKUNGSDAUER

 

EINWIRKUNGSART

In der Arbeit wurden die Einwirkungen von Freizeitaktivitäten nicht direkt untersucht.

 

EINWIRKUNGSGRAD

 

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Gämse Die Distanzen innerhalb der beobachteten „Paare“ variierten stark, indem gewisse Geissen zwar zeitweise sehr nahe (< 10 GL), teilweise aber auch sehr weit (bis 400 GL) voneinander entfernt waren. Es gab aber auch Tiere, die durchwegs geringe Abstände hatten, also stets zusammen waren. Die Analyse mittels eines Euklidischen Distanzmodells ergab, dass sich eines der Tiere markant von den anderen markierten abgrenzte.
Geissen, die nahe beieinander waren (< 10 GL), zeigten häufiger als erwartet gleiches Verhalten, während dies bei Tieren, die weit voneinander entfernt (> 200 GL) oder durch eine Sichtbarriere getrennt waren, nicht der Fall war. Daraus lässt sich schliessen, dass gleiches Verhalten aufgrund eines sozialen Effekts zustande kam. Die weitere Untersuchung ergab, dass dieser offenbar nur bei sehr geringen Abständen zwischen den Tieren wirkt. Der Anteil gleichen Verhaltens nahm von 80% (Distanzkategorie 0-5 GL) auf 61% (16-40 GL) ab und häufiger als erwartet trat gleiches Verhalten nur in der Kategorie bis 5 GL, nicht aber in den Kategorien 6-10, 11-15 und 16-40 GL auf.
Bei Ortsverschiebungen folgten benachbarte Tiere, die < 10 GL voneinander entfernt waren, einander häufiger als benachbarte Tiere, die eine grössere Distanz zueinander aufwiesen. Auch bei Ortswechseln wirkt ein sozialer Effekt wahrscheinlich nur, wenn die Tiere nahe beisammen sind.

BEMERKUNGEN

Die Arbeit liefert wichtige Grundlagen über das Sozialverhalten von Gämsen, die bei Untersuchungen der Störungsökologie zu berücksichtigen sind. Die Diplomarbeit war in dem Sinn ein wichtiger Bestandteil eines grösseren Forschungsprojekts zu den Auswirkungen des Hängegleitens (s. Ingold et al. 2002).