Bundesamt für Naturschutz

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Gissler, Franziska (2001) Umweltwahrnehmung und Handlungsweisen von NatursportlerInnen


SPORTARTEN

Mountainbiking

 

INHALT

Bei Natursportarten liegt der Anreiz und Erlebniswert neben technischen und physischen Herausforderungen zum gro?en Teil im Naturerlebnis selbst und dies erfordert eine bestimmte Verhaltensweise der Sportler, um die Ressource Natur nachhaltig 'nutzen' und 'erleben' zu können. Natursportarten haben in den letzen zehn bis 15 Jahren einen grossen Aufschwung erlebt. Die Gründe dafür sind vor allem in der zunehmenden Freizeit, sowie in der vermehrten Risikobereitschaft der Menschen und nicht zuletzt auch in der wirtschaftlichen Vermarktung jener Trendsportarten zu suchen. Diese Komponenten haben dazu geführt, dass die Natursportarten einer stetigen Diversifikation unterzogen werden und somit grössere Massen an aktiven Sportlern anziehen. Dies vergrö?ert den angesprochenen Landschaftsdruck, welcher wiederum andere Folgen mit sich zieht.
Die Umweltverträglichkeit von Natursportarten ist ma?geblich von der individuellen Verhaltensweise der Sportler zur Natur abhängig. Dieser Gegenstand wird in der Diplomarbeit anhand der Natursportart Mountainbiking ausgeleuchtet.
Die Arbeit untersucht folgende Fragen:

  • Auf welche Weise nehmen die Mountainbiker ihre Umwelt während der sportlichen Aktivität wahr?
  • Wie wirkt sich diese Umweltwahrnehmung auf das Verhalten der Natursportler im Sport und Alltag aus?
  • Existiert unter den Natursportlern eine Gruppierung, welche unterschiedlich spezifische Verhaltensmuster aufweist?

Für die Beantwortung der Fragen wurden neben einer Literaturstudie eine Datenerhebung mittels Fragebogen sowie Expertengespräche (Forst, Tourismus) durchgeführt. Total wurden 1200 Fragebogen an Mountainbike-Clubs, Freizeit- und Leistungssportler verteilt (Rücklauf 34 %).
Der Fragebogen enthält Fragen zu den Themen Sportausübung (sportliches Niveau, Terrainwahl etc.), Einschätzung des eigenen Umweltwissens, Einschätzung des eigenen Umweltverhaltens, Bereitschaft für Lenkungsmassnahmen und Umweltwahrnehmung (Naturanschauung, Faszination des Sportes etc.)


SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Aufgrund der Auswertung der Meinungsumfragen und der Interviews lässt sich sich folgendes feststellen:
1. "Natursport kann zu einer bewussteren Umweltwahrnehmung verhelfen. Dadurch entsteht auch ein bewussterer Umgang mit der Natur."
Natursportler scheinen die Natur intensiver wahrnehmen zu können und achten sie, da die Natur schliesslich elementare Grundlage (ja wenn nicht sogar der Grund an und für sich) ist, warum die Natursportart überhaupt ausgeführt werden.
Die intensivere Befassung mit der Natur (z. B. Wetter, Topografie etc.) führen oft auch zur Vergrösserung des Umweltwissens, was wiederum einen umweltbewussteren Umgang mit ihr zur Folge haben kann. Zudem lernt man auch die Kraft und Launen der Natur besser verstehen und einschätzen, wenn man mit ihnen konfrontiert wird.

2. "Unter den Natursportlern gibt es zwei Gruppen mit folgenden Charakteristika: eine Gruppe, bei welchen das Naturerlebnis ein Teil des Sporterlebnisses ist und eine andere Gruppe, welche einer Trendsportart folgen und die Natur als 'Sportgebiet' gebrauchen. Letztere sind für die Aussage in der 1. Feststellung (1.) nicht aufnahmewillig."

Die Auswertung des Fragebogens hat gezeigt, dass durch einen sozialen Integrationswunsch (man ist gerne akzeptiert in der Gesellschaft), die Bekennung zum Trendsportmountainbiker, der hauptsächlich Mountainbike fährt, weil es cool und trendy ist und weniger wegen des Naturgenusses, schwer fällt. Es konnte aber dennoch festgestellt werden, dass der Großteil der Trendsportmountainbiker von sich selbst behauptet, kein umweltbewusstes Verhalten zu haben.

Dass das Mountainbiken hauptsächlich Probleme in stark frequentierten Naherholungsgebieten bereitet, zeigt der Vergleich zwischen der Region Basel und dem Jura: Basels Naherholungsgebiete haben ein großes Einzugsgebiet von verschiedenen Ballungsräumen und sind dementsprechend auch überlastet. Hingegen bietet der Jura eine viel grössere Fläche für viel weniger Erholungssuchende an.