Bundesamt für Naturschutz

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Gamauf, A.; Preleuthner, M. (1996) Einfluss des Tourismus auf die Rohrweihe (Circus aeruginosus) im Nationalpark "Neusiedlersee-Seewinkel"


Die Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

 

SPORTARTEN

Radfahren, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Das Raumnutzungs-, speziell Jagdverhalten der Rohrweihe wird in Abhängigkeit von der Besucherfrequenz sowohl saisonal (touristische Vor- und Hauptsaison) als auch diurnal untersucht.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

In Abhängigkeit von der Frequentierung von Rad- und Wanderwegen kommt es zu einem Meideverhalten der Rohrweihe. Dies führt in der touristischen Hauptsaison dazu, dass entlang der Wege ein Korridor von bis zu 240 m nicht mehr dem Nahrungserwerb zur Verfügung steht. "Die Dichte des, für Touristen geöffneten, Wegenetzes verkleinert das nutzbare Jagdareal der Weihen. Bei großem Touristenaufkommen, z.B. in der späten Brutphase, wenn die Jungvögel den maximalen Nahrungsbedarf haben, sind in den am stärksten exponierten Gebieten große Flächen für diese Greifvogelart nicht oder nur beschränkt zugänglich. Daher sind die Vögel gezwungen, ihr Jagdhabitat in suboptimale, nahrungsärmere Gebiete (z.B. Weingärten, Äcker) zu verlagern bzw. auszudehnen."

Die Autoren halten es für möglich, über ein Besucherlenkungskonzept die Wirkung von Störreizen zu reduzieren, indem sensible Abschnitte des Lebensraumes von Störreizen freigehalten werden und in anderen Abschnitten die Störreize für die Vögel vorhersehbar und kalkulierbar bleiben.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2711) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an  mailto:natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Neusiedlersee, Österreich

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Direktbeobachtung, Dokumentation des Meideverhaltens (Flug- und Jagdaktivitäten, Ausweichverhalten, Fluchtdistanzen, Änderung der Habitatnutzung);
5 Probeflächen, die zwischen Mitte März und Ende August 1991 insgesamt 456 Stunden beobachtet wurden. Jede Fläche wurde pro Woche einmal aufgesucht und mindestens 6 Stunden lang beobachtet.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Vergleich der durch Anwesenheit von anthropogenen Störfaktoren herbeigeführten Verhaltensänderungen mit dem Verhalten vor dem Störreiz (Ausweichen in andere, oft suboptimale Habitate, Meidung bestimmter Gebietsabschnitte, Fluchtdistanz [Scheu vor Menschen]).

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Anzahl und Aufenthaltsort der Vögel vor Einsetzen des Tourismusbetriebes, sowohl im Tages- als auch im Jahresverlauf.  


EINWIRKUNGSDAUER

Ein starker Anstieg des Tourismusaufkommens fällt in die sensible Phase der Brut- und Jungenaufzucht (Juni, Juli)

 

EINWIRKUNGSART

Optische Beunruhigung durch Wanderer oder Radfahrer

 

EINWIRKUNGSGRAD

Meideverhalten:

  • Ohne Störreiz: Flug über Boden durchschnittlich 4 m
  • Mit Störreiz: bei Einzelpersonen 9 m, bei Personengruppen 35 m.
  • "Hecken und Baumgruppen an Wegen werden gezielt angeflogen, um von Menschen stark frequentierte Wege möglichst "ungeschützt" und ungesehen zu überqueren."

Fluchtdistanz:

  • "Mit steigender Besucherfrequenz nimmt die Fluchtdistanz zu, erst ab etwa 90 m bleibt der Wert weitgehend konstant." Dies gilt primär für offenes Gelände.
  • In gedeckten, mit Baumgruppen und Hecken gesäumten Landschaften bzw. auf Wegen (gegenüber Einzelpersonen und Gruppen bis 4 Personen) betrug die Fluchtdistanz 53 m.
  • Ob eine Gewöhnung an Störreize erfolgt, konnte statistisch nicht abgesichert werden; die Fluchtdistanz in offenen, häufig durch Menschen augesuchten Gebieten lag bei durchschnittlich 69 m.

Vergleich stark/wenig frequentierte Wege:

  • In der Vorsaison (bis Mitte Mai) wird an Werktagen mit geringer Besucherfrequenz ein etwa 200 m breiter Korridor entlang der Wege bevorzugt aufgesucht. Die wenigen Besucher (0-5, max. 8) beeinträchtigen die jagenden Vögel nicht.
  • An Tagen der Vorsaison mit hoher Besucherfrequenz wird beidseits der Wege ein ca.
  • 100 m breiter Korridor gemieden, jedoch in den ungestörten Morgen- und Abendstunden wieder zur Jagd genutzt.
  • In der Hauptsaison (ab Mitte Mai) wird von jagenden Rohrweihen ein Korridor von
  • 120 m beidseits der Wege gemieden. 50-80 Besucher/Stunde (überwiegend Radfahrer) führen somit zu einem Funktionsverlust eines Korridors von 240 m Breite. Die Meidung hält auch, im Gegensatz zur Vorsaison, an frühen Morgen- oder Abendstunden an.

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Rohrweihe (Circus aeruginosus) Beeinflussung des Jagdverhaltens (Reduzierung des Jagderfolges denkbar)
Funktionsverlust von Teilräumen als Nahrungsbiotop entlang der von Touristen frequentierten Wege (Reduzierung des Bruterfolgs aufgrund einer unzureichenden Ernährung der Jungen denkbar)

BEMERKUNGEN

Die Rohrweihe ist in Österreich aufgrund der spezifischen Lebensraumansprüche nur lokal verbreitet, wobei im Bereich von Neusiedlersee/Seewinkel besonders günstige Lebensbedingungen vorherrschen. Dieses Gebiet beherbergt mit etwa 150 Brutpaaren die größte zusammenhängende Brutpopulation Zentraleuropas. Deshalb können sich negative Wirkungen auf diese Brutpopulation in besonderem Maße auch auf die Gesamtpopulation Mitteleuropas auswirken.

Im Rahmen dieser Studie war es jedoch aufgrund des schlechten Wetters nicht möglich, die denkbaren Wirkungen der Störungen auf die Fitness der Art zu untersuchen; die, verglichen mit anderen Jahren, ermittelten geringen Reproduktionsfaktoren dürften primär auf das kalte und regnerische Wetter wä