Bundesamt für Naturschutz

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Herbold, Helmut (1995) Raum-Zeit-Verhalten von Rehen Capreolus capreolus in anthropogen beeinflußten Einständen


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung   

 

 

SPORTARTEN

Wandern/Geländelauf

INHALT

Bisher ist wenig darüber bekannt, wie sich die Anwesenheit von Menschen auf das als sehr anpassungsfähig eingestufte Reh auswirkt. Ziel der Untersuchung ist es, direkte bzw. unmittelbare Wirkungen von anthropogenen Einflüssen auf Rehe zu behandeln:

(1) Wie häufig kommen verschiedene Störarten vor? Stören bestimmte Störarten mehr als andere?

(2) Wie werden die Raumnutzung und die Aktiviät der Rehe durch Menschen beeinflusst?

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Menschen, die sich abseits der Wege aufhalten, stören eher als Menschen, die sich an das Wegegebot halten. Diese Unterschiede werden auf eine Gewöhnung auf der Basis einer dem Reh möglichen Einschätzung, d.h. einem kalkulierbaren Verhalten auf potenzielle Störquellen zurückgeführt.

Nahrungsbiotope werden dann genutzt, wenn dort keine Einfluss von Störquellen vorhanden ist; deshalb werden an Wochentagen "offene Einstände" durch Rehe stärker genutzt, als an Wochenenden. Jedoch haben auch die Einstände in der Nacht oder bei Störung ebenfalls eine Nahrungsbiotopfunktion; der Autor geht deshalb davon aus, dass eine reduzierte Nahrungsaufnahme (an Wochenenden) in den Nachteinständen kompensiert werden kann.

Rehe sind an den Nachmittagen von Wochentagen (geringere Störintensität) aktiver als an Wochentagen (höhere Störintensität). Dies zeigt, dass der Aktivitätsrhythmus durch Erholungsaktivitäten verändert wird. Die Nahrungsaufnahme wird in die ruhigeren und sicheren Nachtstunden verlagert.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2632) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).


UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Epfenbach (geringes Besucheraufkommen); Stadtwald Heidelberg (hohes Besucheraufkommen), Baden-Württemberg

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Als Störung wurden Begegnungen von 12, mit Sendern versehenen Rehen mit Menschen oder des sie begleitenden Hundes definiert, die die Flucht der Tiere auslösen. Bei insgesamt 107 Störversuchen wurde zwischen den Störarten Erholung, Forstarbeiten und Jagd sowie innerhalb der Störarten zwischen zufälligen und geplanten Störversuchen unterschieden (Erholung: 23,3 %, Forstarbeiten: 4,7 %, Jagd: 72 %). Unterschieden wurde auch zwischen Störungen, die von Waldwegen oder abseits von Wegen ausgingen. Berücksichtigt werden in dieser Publikation nur Ergebnisse aus "zufälligen Störungen".

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Verhalten während der Tag- und Nachtstunden, Verhalten mit und ohne Störung über eine mindestens achtstündige Periode, Verhalten an Wochen- und Wochenendtagen.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Epfenbach (geringes Besucheraufkommen); Stadtwald Heidelberg (hohes Besucheraufkommen)


EINWIRKUNGSDAUER

zufällige Störungen

 

EINWIRKUNGSART

Gebiet mit geringer Besucherfrequenz (Anzahl der Rehe: 10)

  • Erholung: 60% (n= 146)
  • Forstarbeiten: 38%
  • Jagd: 2%

Gebiet mit hoher Besucherfrequenz (Anzahl der Rehe: 2)

  • Erholung: 75 %
  • Forstarbeiten: 15 %
  • Jagd: 10 %


EINWIRKUNGSGRAD

Auslösen von Fluchten:

Erholungsuchende lösten weniger Fluchten der Rehe aus als erwartet; trennt man bei dieser Störart nach den Störorten Waldwege und abseits von Waldwegen, dann lösten Erholungsuchende auf Wegen weniger, abseits von Waldwegen mehr Fluchten aus als erwartet. Entsprechend wurden durch Forstarbeiten mehr Fluchten verursacht, als erwartet wurde. Hingegen entspricht die Anzahl der beobachteten jagdlichen Störungen der erwarteten Zahl an Fluchten.

 

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Reh An Wochenenden werden die deckungsreicheren Biotope stärker genutzt als an Wochentagen.
An Wochentagen lag der prozentuale Anteil von Aktivitäten (nicht Ruhen) bei 40 %, an den Wochenenden bei 31 % (störungsarmes Gebiet). Für das störungsreichere Gebiet wurde an Wochentagen ein Aktivitätsanteil von 45 % und an Wochenenden von 35 % ermittelt. Statistisch abgesichert gilt für die Aktivitätsphase am Nachmittag, dass Tiere an Wochentagen aktiver als an Wochenenden sind.
Umgekehrt gilt, dass sie in beiden Untersuchungsgebieten an Wochenenden in der Nacht aktiver als an Wochentagen sind (Kompensation "verlorener" Zeit, u. a. für Nahrungssuche).