Bundesamt für Naturschutz

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Heim, Elfriede (1986) Vegetation und Vegetationsschäden auf einer stark beanspruchten Skipiste untersucht im Skigebiet Hochschwarzeck (Lkr. Berchtesgadener Land)


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Pistenskilauf (Ski Alpin)

 

INHALT

Im Rahmen der vorliegenden Diplomarbeit wird für eine Skipiste im Skigebiet Hochschwarzeck die Vegetation sowohl auf der Ebene einzelner Arten als auch auf der Ebene von Pflanzengesellschaften erfaßt. Dies bildet die Grundlage zur Darstellung von Vegetationsschäden durch Anlage und Betrieb von Skiabfahrten. Darüber hinaus werden die Gefährdung bzw. die Eignung der verschiedenen Pflanzengesellschaften hinsichtlich ihrer landschaftsökologischen Funktionen sowie ihrer Nutzung für Beweidung und Skibetrieb bewertet. Das abschließend entwickelte Sanierungs-, Pflege- und Nutzungskonzept für das Untersuchungsgebiet umfaßt Sanierungsmaßnahmen für die beschädigten Pisten, Empfehlung zur Pistenpflege in bezug auf Düngung und Entsteinung sowie Nutzungsempfehlungen für Beweidung und Skibetrieb.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die Gesellschaften von Kalkmagerrasen sind aufgrund ihrer Ausstattung an unempfindlichen Arten den Beeinträchtigungen durch den winterlichen Skibetrieb besser gewachsen als die Weidegesellschaften. Da sie diesem jedoch mehr ausgesetzt sind, weisen sie größere Schäden auf.

Beschädigte Pistenabschnitte sind durch Begrünung, Humusaufbringung, Böschungsbefestigung und Unterpflanzung der Waldränder zu sanieren.

Durch gezielte Düngung und geregelten Weidebetrieb könnte fast die Hälfte der Skipiste als Weide genutzt werden.

 

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

  • Hochschwarzeck, Nördliche Kalkalpen, Bayern
  • Hirscheck- und Sonnleitabfahrtspiste im Skigebiet Hochschwarzeck (Gesamtverlauf innerhalb der Waldschneise), Nationalpark Berchtesgaden
  • 50.000-60.000 m²

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

1. Kartierung des Pflanzenbestandes auf Skipisten anhand von Kartiereinheiten (Juni 1985):

  • Bildung von acht Vegetationseinheiten
  • Erfassung von Deckungsgrad, Hangneigung und Vegetationsschäden

2. Aufnahme von Transekten entlang eines Störungsgradienten an drei verschiedenen Standorten: Kartierung der Entwicklung einzelner Arten sowie Pflanzengesellschaften, Analyse von Artenkurven (Juli 1985):

  • Aufnahme von Deckungsgrad und Artenfrequenz pro m²
  • Bildung von Artengruppen mit ähnlichen Eigenschaften und gleicher Empfindlichkeit gegen Störungsgrößen
  • Kennzeichnung von 3 - 4 Störungszonen entlang des Gradienten anhand der Artengruppen

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Transektenaufnahme zur Bewertung der Störwirkung anhand:

Abgrenzung von Störungszonen:

  • Störungszentrum: Abtrag der Vegetations- und Humusdecke, teilweise des Felsuntergrundes
  • 1-2 Übergangszonen
  • mehr oder weniger ungestörter Bereich: höhere Pflanzendichte und bessere Wuchsbedingungen

Abgrenzung von Artengruppen unterschiedlicher Empfindlichkeit:

  • widerstandsfähige Arten: Arten, die auf den drei Transekten v. a. im Störungszentrum vorkommen bzw. dort verhältnismäßig hohe Deckungsanteile erreichen
  • mittel widerstandsfähige Arten: Arten, die meist im Übergangsbereich einen hohen Deckungsgrad besitzen, jedoch auch im Zentrum und im ungestörten Bereich wachsen
  • empfindliche Arten: Arten, die fast ausschließlich im Transektende vorkommen und nur noch im Übergangsbereich einen etwas höheren Deckungsgrad erreichen.
  • Aufnahme von Vegetationseinheiten zur Bewertung der Störwirkung: Darstellung des Zusammenhangs zwischen Vegetation, Deckungsgrad, Hangneigung, Erosions- und Nutzungsschäden

Vegetationseinheiten:

  • Kalkmagerrasen - typische Ausbildung, Ausbildung mit Schafschwingel und Ausbildung mit Grünlandarten
  • Weidegrünland - typische Ausbildung, Ausbildung mit Seggen und Ausbildung mit Ackerkratzdistel
  • Huflattichbestand
  • Brennesselbestand

morphodynamische Prozesse/Erosionsschäden:

  • Flächenspülung
  • Rinnenspülung
  • künstliche Böschungen
  • Hangabbruch
  • Hangriß
  • Akkumulation von Feinmaterial

Arten von Nutzungsschäden:

  • mechanische Schäden an der Vegetations- und Humusdecke
  • Fahrspuren von Pistenraupen und Kfz, Narben- und Bodenverletzungen
  • Trittschäden durch Wanderer und Weidevieh
  • vegetationsfreie Flächen

Bewertung von

  • Erosionsgefährdung nach Hangneigung, Korngröße, Deckungsgrad der Vegetation
  • bodenfestigender Leistung der Vegetation anhand des Anteils an Tief- und Intensivwurzlern, an Ausläufer- und Pionierpflanzen sowie des Deckungsgrads
  • Nutzungseignung für Skibetrieb nach Attraktivität für Skifahrer (v. a. anhand der Hangneigung: 20 - 40 %), Schnee- und Sicherungsverhältnissen
  • Eignung für landwirtschaftliche Nutzung anhand von landwirtschaftlichen Bestandswertzahlen, Futterwertzahl, Deckungsgrad, Hangneigung
  • Wert für den Natur- und Landschaftsschutz anhand des Vorkommens von Rote-Liste-Arten und des Landschaftsbildes (bspw. Blühaspekt)

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

natürliche Gegebenheiten:

  • Ausgangsgestein Ramsaudolomit, infolgedessen flachgründige Humuskarbonatböden
  • leicht kontinental getöntes, niederschlagsreiches Klima der Nordalpen mit mildem Lokalcharakter
  • potentielle natürliche Vegetation: Bergmischwälder mit Tanne, Buche, Fichte

Zustand und Pflege der Skipiste: gebaut 1969

  • extensive Beweidung durch Rinder und Schafe
  • regelmäßiges Ausbringen von 360 kg/ha Volldünger alle 2-3 Jahre sowie Entsteinen der Abfahrt
  • erste vegetationsfreie Stellen und Erosionsschäden nach 5-6 Jahren Bestehen der Piste (nachträglich Abflachung eines Steilhangs per Sprengung und Aufbringen von lehmigem Humus)
  • Pistenpflege in der Skisaison:
  • Walzen ab 25 cm Neuschnee mit Pistenraupe, dabei Bedeckung apernder Stellen
  • Auslegen von Kunststoffmatten an Ein- und Ausstiegsstellen
  • Ausstattung der Skigebietes: Hirscheckbahn und 7 Lifte mit einer Beförderungsleistung von insgesamt ca. 4.500 Personen/Stunde


EINWIRKUNGSDAUER

Dauer der Skisaison je nach Wetterlage von Dezember-März, relativ oft durch Wärmeeinbrüche (Regen, Föhn) unterbrochen

 

EINWIRKUNGSART

Vegetationsschäden und Standortveränderung durch

1. Bau der Skianlage:

  • Waldrodung
  • Felssprengung
  • Bodenplanieren
  • humuslose Begrünung: Strohdecksaat mit Volldünger, Verklebung mit Bitum

2. Betrieb von Skianlagen

 

EINWIRKUNGSGRAD

Skibetrieb

  • wochentags gering bis lebhaft
  • Wochenende: lebhaft bis stark
  • im Mittel 1969-1985 Beförderung von 115.300 Besuchern/Jahr ins Skigebiet
  • höchstes Fahrgastaufkommen im Januar/Februar

Transektenaufnahme: Abgrenzung von Störungszonen

1. im Störungszentrum:

  • extremes Mikroklima: fehlender Schneeschutz, große Temperaturschwankungen
  • extreme Standortbedingungen: ungünstige Boden- und Wasserverhältnisse, Flachgründigkeit bzw. Fehlen der Bodenschicht, Trockenheit
  • geringe Artenzahlen
  • Ansiedlung von Pflanzen oft erst nach dem Winter
  • Pionierarten flachgründiger Stein- und Lehmböden: Blaugrasrasen-Arten, Pioniermoose, Arten trockener Wälder
  • Ausdehnung des geschädigten Bereichs bei dem Transekt am größten, dessen Störungszentrum durch Planie bei der Pistenanlage entstand (in den anderen beiden Transekten entstanden dieStörungszentren durch Pistenbenutzung)

2. mit Entfernung vom Störungszentrum

  • Zunahme des Deckungsgrades bzw. Abnahme des Anteils offenen Bodens
  • Zunahme der Artenzahlen

Transektenaufnahme: Abgrenzung von Artengruppen unterschiedlicher Empfindlichkeit

  • widerstandsfähige Arten: Achillea millefolium, Calamintha alpina, Campanula cochlearifolia, Carex alba, Carex digitata, Euphrasia salisburgiensis, Festuca ovina, Festuca rubra, Gentiana germanica, Hieracium pilosella, Polygala chamaebuxus, Sesleria albicans, Thymus polytrichus, Flechten, Moose
  • mittel widerstandsfähige Arten: Agrostis stolonifera, Anthyllis vulneraria, Arrhenatherum elatius, Briza media, Carex flacca, Euphorbia cyparissias, Fragaria vesca, Galium anisophyllum, Leontodon hispidus, Lotus corniculatus, Potentilla erecta, Ranunculus nemorosus
  • empfindliche Arten: Alchemilla monticola, Carex sylvatica, Cirsium arvense, Cynorsurus cristatus, Dactylis glomerata, Festuca pratensis, Phleum pratense, Plantago lanceolata, Prunella vulgaris, Ranunculus acris, Ranunculus repens, Taraxacum officinale, Trifolium pratense, Trifolium repens
  • Widerstandsfähige und mittel widerstandsfähige Arten sind für Begrünungsmaßnahmen auf geschädigten Flächen geeignet.

Aufnahme der Vegetationseinheiten

häufigste Gesellschaft sind die Kalkmagerrasen in ihrer typischen Ausprägung, gefolgt von Weidegrünland in seiner typischen Ausprägung:

Kaltmagerrasen

  • Vorkommen von v. a. auf flachgründigen, trockenen Böden in steiler Hanglage
  • kaum Beweidung
  • starke Schädigung durch Skibetrieb: Erosionserscheinungen, Nutzungsschäden, viele vegetationsfreie Flächen
  • Trittschäden durch Wanderer

Weidebestände

  • tiefergründige Böden in flacherem Gelände
  • unterliegen stärkerer Beweidung
  • verhältnismäßig geringe Nutzungsschäden durch Skibetrieb, überwiegend Trittbelastung in den Sommermonaten, v. a. durch Vieh

  • Huflattichbestand: Vorkommen auf ehemals offenen, lehmigen Böden; mittleres Ausmaß an Nutzungsschäden
  • Brennesselbestand: nur kleinste Flächen im Randbereich der Pisten

Bewertung der Vegetationseinheiten

Kalkmagerrasen

  • höchste Erosionsgefährdung für typische Ausprägung und Ausprägung mit Schafschwingel, da diese an Standorten mit der stärksten Hangneigung anzutreffen sind und den geringsten Vegetationsdeckungsgrad aufweisen
  • hohe Erosionsgefährdung für Kalkmagerrasen mit Grünlandarten, die ebenfalls in steiler Lage anzutreffen sind, aufgrund der Vegetationsausstattung aber einen gewissen Erosionsschutz aufweisen
  • bodenfestigende Leistung: hoher Anteil bodenfestigender Pionierarten, zwar geringer Deckungsgrad, aber bei geringerer winterlicher Schädigung könnte der Boden nahezu vollkommen abgedeckt werden
  • Nutzungseignung für Skibetrieb gering, da die meisten Flächen in zu steilen Hanglagen liegen und die Schnee- und Sicherungsverhältnisse oft ungünstig sind (Südwestexposition, mangelnder Deckungsgrad, Gefahr von Schneerutschen); Kalkmagerrasen mit Grünlandarten etwas besser
  • Widerstandsfähigkeit gegen Schäden durch den Skibetrieb: hoher Anteil von unempfindlichen Arten
  • Nutzungseignung für Beweidung besteht nur für Kalkmagerrasen mit Grünlandpflanzen

Weidegesellschaften

  • geringe Erosionsgefährdung: Lage in Mulden und flachen Geländeteilen, dichte Grasnarbe und Wurzelfilm
  • bodenfestigende Leistung: hoher Anteil an bodenfestigenden Pflanzen, intensive Durchwurzelung, hoher Deckungsgrad
  • Nutzungseignung für Skibetrieb gut: gute Schneeverhältnisse, hoher Deckungsgrad, leicht präparierbar, geringere Hangneigung
  • Widerstandsfähigkeit gegen Schäden durch den Skibetrieb: geringerer Anteil von unempfindlichen Arten als in den Kalkmagerrasengesellschaften
  • Nutzungseignung für Beweidung: am besten geeignet sind Weiden typischer Ausprägung

Wert für Natur- und Landschaftsschutz: alle Gesellschaften haben relativ geringen Anteil an Rote-Liste Arten, Kalkmagerrasen etwas höherer Anteil als Weiden, positive Bedeutung für das Landschaftsbild.


ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

keine Aussage