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Georgii, Bertram (1980) Einflüsse menschlicher Störungen auf Standortwahl und Aktivitätsmuster weiblicher Rothirsche (Cervus elaphus L.)


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

 

SPORTARTEN

Jagd, Skilanglauf, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Wie beeinflussen anthropogene Störungen weibliche Rothirsche in den nördlichen bayerischen Kalkalpen unter besonderer Berücksichtigung von Art der Störung, Habitatstruktur und Lage der Streifgebiete (Tal- oder Höhenlagen).

 

 

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

  • Der Einfluß anthropogener Störungen auf das raum-zeitliche Verhalten von weiblichen Rothirschen ist abhängig von den lokal unterschiedlichen Anwesenheiten der Menschen und der Habitatstruktur. Besonders deutliche Reaktionen zeigen die Tiere auf großen offenen Flächen und in deckungsarmen Wäldern.
  • Die weiten Fluchtstrecken im Herbst sind nach der Auffassung des Autors eine Folge des Jagdbetriebs.
  • Die deutliche Toleranz von Menschen auf Forststraßen, Wanderwegen und Skilanglaufstrecken ist ein Zeichen für die Gewöhnung der Tiere an den Menschen.

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Das Untersuchungsgebiet befindet sich am Nordrand der bayerischen Kalkalpen im Ammergebirge in Höhen zwischen 850 und 2185 m ü NN.

Die Telemetrieuntersuchungen wurden zwischen 1976 und 1978 durchgeführt.

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

  • Telemetrung
  • Störversuche zur Ermittlung des Raum-Zeit-Verhaltens

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

  • 6 Rothirschweibchen im Alter zwischen 2 und 8 Jahren wurden telemetrierten. Jedes Tier war wenigstens für die Dauer eines Jahres mit einem Sender versehen.
  • Insgesamt werden 1400 Ortungen und 500 vollständig registrierte Tagesabläufe ausgewertet.
  • Durchführung von Störversuchen an weiblichen (telemetrierten) Rothirschen und Messung der Fluchtstrecken.<b /> <b />

EINWIRKUNGSDAUER

 

EINWIRKUNGSART

Optische und akustische Beeinträchtigungen und

Störversuche

 

EINWIRKUNGSGRAD

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
weiblicher Rothirsch (Cervus elaphus) Räumliche und zeitliche Nutzung der Streifgebiete
Teilbereiche der Streifgebiete, sowohl in den der Tallagen, als auch der Hochlagen wurden von den Tierarten nur Nachts aufgesucht und tagsüber vollkommen gemieden. Der Anteil solcher Bereiche liegt In den Tälerbei 31 % und in den Hochlagen bei 9 % des insgesamt genutzten Streifgebietes. Bei diesen Gebieten handelt es sich um tagsüber anthropogen genutzte Bereiche. Dabei spielen besonders die Bewirtschaftung von Grasland und ein intensiver Tourismus eine wichtige Rolle.
Bei der Analyse der tageszeitlichen Aktivitätsrhythmen ergaben sich deutliche Unterschiede zwischen Tal- und Höhenlagen. In den Tallagen, wo sich die Tiere zwischen Mitte September und Ende Mai aufhalten, liegen ihre Hauptaktivitätszeiten in der Nacht. Demgegenüber liegen im Sommer in den (anthropogen weniger beeinflussten) Höhenlagen die Aktivitätszeiten weitaus gleichmäßiger über den Tag verteilt. Befinden sich ihre Äsungsflächen jedoch dort auf Almwiesen, so ändert sich die Verteilung wieder und konzentriert sich auf die Nacht.
Fluchtverhalten (Störversuche)
Zur Flucht veranlasste Tiere legen in Tallagen im Frühjahr durchschnittlich 114 m und im Herbst 610 m nach Störungen zurück . Die mittleren Fluchtstrecken in den Höhenlagen liegen bei 255 m.
Die meisten Fluchtabläufe dauerten nur wenige Minuten. Diejenigen die über 10 Minuten in Anspruch nahmen waren selten. Das liegt jedoch, nach der Meinung des Autors daran, dass die Tiere im Anschluß an eine Flucht noch länger fressend umhergezogen sind.
Keine Störung führte dazu, dass telemetrierte Individuen ihr Streifgebiet verliessen, auch nicht nach wiederholten Störungen. Oft kehrten die Rothirschweibchen schon nach wenigen Stunden wieder an den Platz der Beunruhigung zurück.
In dichter Vegetation ruhende Individuen lassen im allgemeinen, ohne erkennbare Reaktion, Menschen (auf Forststraßen, Wanderwegen, Skilanglaufloipen) selbst in eienr Distanz von wenigen Metern passieren.

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