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Gerhard, Michael (1994) Ursachen und kurzfristige Auswirkungen von Störungen auf den Wasservogelbestand des Biebersteiner Weihers


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

SPORTARTEN

Jagd, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Siebenjährige Beobachtungsdaten der Wasservogelbestände des Biebersteiner Weihers werden in Bezug auf den Ablauf, die Häufigkeit, die Auswirkungen und die Ursachen von Störungs- und Fluchtereignissen untersucht.

 

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

  • Vermutlich störungsbedingt deutlich erniedrigte Wasservogelbestände treten im Verlauf des Winterhalbjahres mit unterschiedlicher Häufigkeit auf. Im Zeitraum der Stockentenjagd (1.9.-15.1.) ist die Häufigkeit von Tagen mit unerwartet niedrigen Wasservogelbeständen im Vergleich zur jagdfreien Zeit deutlich erhöht. Nach Beendigung der Stockentenjagd verhalten sich die Wasservögel allgemein weniger scheu.
  • Während der Jagdzeit sind erniedrigte Wasservogelbestände an Sonntagen und Montagen erheblich häufiger als an anderen Wochentagen. Ursache dafür dürften der am Wochenende erhöhte Besucherverkehr durch Wanderer im Uferbereich sowie die bevorzugt am Wochenende stattfindenden Entenjagden sein.
  • Die unterschiedlichen Häufigkeiten von deutlich erniedrigten Wasservogelbeständen im Verlauf des Winterhalbjahres und während der unterschiedlichen Wochentage werden als Ergebnis des kombinierten Einflusses der Jagd (als sensibilisierender Faktor) und der Störungen durch Spaziergänger gedeutet. Auch ruhige Spaziergänger bewirken während der Stockentenjagdzeit eine erhebliche Beunruhigung, da die sensibilisierten Wasservögel nicht zwischen Jäger und Wanderer zu unterscheiden vermögen. Im Ergebnis resultiert hieraus eine Vervielfachung der jagdlich direkt bedingten Störungen durch eine "sanfte" Erholungsform. Meist erfolgt die Bestandserholung nach einem Störereignis mit anschließender Massenflucht innerhalb von vier Tagen (oft bereits am nächsten Tag).
  • Dass Störtage nach Ende der Jagdzeit signifikant seltener sind, weist auf einen bestimmenden Einfluss der Jagd hin. Obwohl der Wanderverkehr um den Biebersteiner Weiher ab Februar erheblich zunimmt, sinkt die Störanfälligkeit der Wasservogelbestände nach Ende der Jagdzeit abrupt ab. Massenfluchten treten nun kaum noch auf; die Wasservögel entfernen sich ruhig schwimmend vom Störer. Auch diese Verhaltensweise ist als Reaktion auf Störungen nicht unbedenklich, da sie mit physiologischen Stresszuständen einhergehen dürfte. Im Vergleich zum panikartigen Verhalten der Massenfluchten ist sie aber unbedeutend.
  • Innerhalb eines Monats nach Ende der Jagdzeit passen sich die Wasservögel den für sie nun weniger bedrohlichen Spaziergängern an. Dieser Optimierungsprozess des Fluchtverhaltens im Verlauf des Winterhalbjahres wurde bereits von SELL (1991) für ein jagdfreies Gewässer beschrieben.
  • Ob die direkt und indirekt jagdlich bedingten Störungen Langzeitauswirkungen auf den Wasservogelbestand des Biebersteiner Weihers haben, ist nur schwer einzuschätzen. Stockenten können die Störungen durch Flucht auf ein nahegelegenes, für sie nutzbares Gewässer und im Rahmen ihrer Nahrungsflüge offenbar in recht kurzer Zeit ausgleichen. Tafelenten werden dagegen auf ein für sie kaum als Nahrungshabitat nutzbares Gewässer vertrieben. Wiederholte Störungen auf dem Biebersteiner Weiher dürften zu einer Vertreibung aus dem Gesamtgebiet führen. Das vorliegende Datenmaterial reicht für eine sichere Aussage aber nicht aus. Insbesondere, weil Tafelenten den Biebersteiner Weiher auch in störungsarmen Perioden wohl hauptsächlich zur kurzfristigen Rast während des Zuges nutzen, ist ein langfristiger Vertreibungseffekt kaum nachzuweisen.

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 258) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer).

 

 

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Biebersteiner Weiher, eine 24,4 ha große Staustufe der Wiehl im Oberbergischen Kreis (Nordrhein-Westfalen)

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Insgesamt wurde bis einschließlich des Winterhalbjahres 1990/91 an insgesamt 476 Beobachtungstagen der Wasservogelbestand des Weihers untersucht, wobei durchschnittlich zwei Beobachtungsgänge pro Woche durchgeführt wurden. Aufenthaltsort der Vögel und Reaktion auf Störungen wurden notiert.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bestandsentwicklung der Wasservogelbestände im Verlauf des Winterhalbjahres in Abhängigkeit von der Störungshäufigkeit.

Der zu erwartende Wasservogelbestand ist je nach Beobachtungsjahr und Jahreszeit unterschiedlich. Um den Einfluss von Fluktuation und phänologischer Periodik zu berücksichtigen wurde für jeden Beobachtungsmonat innerhalb des Zeitraumes von 1983 bis 1991 der mittlere Wasservogelbestand ermittelt. Liegt der Wasservogelbestand eines Beobachtungstages unter 5 % bzw. 25 % des zu erwartenden Monatsmittelbestandes wird dies als Auswirkung einer Störung interpretiert.

In acht Fällen konnte der Wasservogelbestand vor der Störung, direkt nach der Störung und am darauffolgenden Tag ermittelt werden.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

rastende Wasservögel

 

 

EINWIRKUNGSDAUER

Spaziergänger, mehrmals pro Woche

 

EINWIRKUNGSART

Verstärkung ("Vervielfachung") der Folgen der Störungen durch Jagd während der Jagdzeit; nach der Jagdzeit: Wegschwimmen der Vögel

 

EINWIRKUNGSGRAD

gegenüber der Jagd deutlich zurücktretend

 

 

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Stockente, Tafelente Die relative Häufigkeit der Beobachtungstage mit weniger als 5 % bzw. 25 % des jeweiligen Monatsmittelbestandes im Verlauf des Winterhalbjahres. Tage mit deutlich verringertem Wasservogelbestand treten von September bis November mit gleichbleibender Häufigkeit auf. Im Dezember und insbesondere im Januar ist die Häufigkeit der Störtage deutlich erhöht. Demgegenüber weisen besonders Februar und März eine wesentlich geringere Häufigkeit auf. (Die Unterschiede erklären sich aus dem Einfluss der Jagd auf Stockenten: Da die Jagd auf Stockenten am 15. Januar endet, war zu prüfen, ob sich die Häufigkeit von Störtagen vor und nach diesem Termin unterscheidet. Nach dem 15.1. treten Beobachtungstage mit deutlich erniedrigtem Wasservogelbestand tatsächlich seltener auf (<5% des Monatsmittelbestandes: X1 = 6,08; p < 5%; < 25 %des Monatsmittelbestandes: X1 = 10,65; p <5>).
Während der Jagdzeit auf Stockenten (1.9.-15.1) ist die Störungshäufigkeit (gemessen als unterdurchschnittliche Bestandszahlen) an Sonn- und Montagen deutlich erhöht. Von Dienstag bis Samstag treten Störungen weit seltener auf. An Donnerstagen und Freitagen konnten keine störungsbedingten Bestandsreduktionen festgestellt werden. (Der k2.Felder-X²-Test nach BRANDT & SNEDECOR bestätigt eine unterschiedliche Häufigkeit der Störtage (X1 = 15,03; n = 262; 6 FG; p <5>).
In acht Fällen konnte der Wasservogelbestand vor der Störung, direkt nach der Störung und am darauffolgenden Tag ermittelt werden. In den meisten Fällen ist der Ausgangsbestand vor der Störung (100 %) bereits am nächsten Tag wieder annähernd erreicht bzw. überschritten. (Dies stimmt mit den Daten, denen die Abweichung der Bestandszahlen vom Monatsmittel zugrundeliegen, nur bedingt überein. Geht man davon aus, dass die Mehrzahl der Störungen am Wochenende stattfinden, sollten spätestens die Dienstage kaum noch störungsbedingt niedrigere Bestände aufweisen. Tatsächlich sind aber erst Donnerstag und Freitag weitgehend frei von Störtagen. Offenbar kommt es nach etlichen Störungen erst nach 3-4 Tagen zu einer Bestandserholung).

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

keine Angaben