Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Grebe, Reinhard; Bauernschmitt, Guido; Fuchs, Daniel; Bauernschmitt, Christiane; Jentsch, Anke; Röber, Michael; Schöps, Wolfgang; (1998); Luftsport im Biosphärenreservat Rhön

Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

 

SPORTARTEN

Ballonfahrt, Drachenflug/Gleitschirmflug (=Hängegleiter), Luftsport, Modellflug, Motorflug, Segelflug

 

INHALT

Durch Literaturauswertung und eine Arbeitskreissitzung "Ornithologie" mit bundesweit anerkannten Fachleuten wurden die Grundlagen des Luftsports und des Naturschutzes erarbeitet.

Dazu wurde der Problembereich Luftsport und Naturschutz in der Rhön (insbesondere im Biosphärenreservat) betrachtet, die sensiblen ökologischen Bereiche ermittelt sowie alle Flug-, Start- und Landeplätze für die Sparten Segel- und Motorflug, Modellflug und Hängegleiten aus flugsportlicher und ökologischer Sicht individuell bewertet. Zusätzlich wurden die zur Erhaltung des Luftsportes erforderlichen Startstellen sowie die aufzulassenden Standorte ermittelt.

Übergreifend wurden die flugsport- und naturschutzfachlichen Erfordernisse und Informationen von Sportlern und Naturschützern dargestellt sowie das Gutachten mit den Luftsportverbänden und den Naturschutzbehörden und -verbänden abgestimmt.

Damit sollten Wege für ein einvernehmliches Miteinander von Luftsport und Naturschutz aufgezeigt werden.

 

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

  • Trittschäden wurden insgesamt weniger ausschlaggebend eingeschätzt als Störwirkungen durch Piloten und Flugobjekte in ornithologisch wertvollen Bereichen (S. 24).
  • In Hinblick auf eine mögliche Gewöhnung der betroffenen Tierarten ist eine Beibehaltung traditioneller Standorte für Hängegleiter anstelle einer Verteilung auf mehrere Standorte vorzuziehen (S. 34).
  • Beeinträchtigungen der letzten noch vorhandenen Kernlebensräume müssen als erheblich und nachhaltig gewertet werden (S. 32).

BEZUG/QUELLE

Planungsbüro Grebe

Lange Zeile 8

90419 Nürnberg

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 106) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

 

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Rhön, Osthessisches Bergland; Vorder- und Kuppenrhön sowie Lange Rhön, Bayern/Hessen/Thüringen

Das Mittelgebirge Rhön ist ein international bedeutsames Luftsportgebiet sowie als Biosphärenreservat ein bundesweit wie international anerkannter Schwerpunkt des Naturschutzes.

Die Rhön weist eine kuppigen Landschaftsstruktur mit Höhen bis 950 m mit häufigen wald- und gebüschfreien Hochlagen auf (S. 2).

 

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Es erfolgte eine (vegetationskundliche) Bestandsaufnahme der Luftsportgelände und weiterer naturschutzrelevanter Belange. Ergänzend Referat der Erfahrungsberichte der Mitglieder mehrerer Arbeitsgruppen mit Vertretern des Luftsports und des Naturschutzes in den Jahren 1995 bis 1997 (S. 1).

Ein wichtiges Ziel des Gutachtens war die Erhaltung eines Netzes an Startplätzen für den Luftsport sowie die Berücksichtigung der Ziele des Naturschutzes.

Darstellung des Einflusses des Flugbetriebs auf die Vegetation, Differenzierung in: (S. 23 ff.)

  • Bereiche ohne Trittschäden (keine Vegetationsveränderung bzw. trittunempfindliche Pflanzengesellschaften),
  • mit mäßigen Trittschäden (trittempfindliche Pflanzengesellschaften, aber wesentlicher Artenaufbau noch nicht verändert),
  • mit starken Trittschäden (Pflanzengesellschaften erheblich in der Artenzusammensetzung verändert, erste offene Stellen) sowie
  • mit sehr starken Trittschäden (völlige Veränderung der Pflanzengesellschaft, große offene Stellen ohne Vegetationsbedeckung).

Der Einfluß des Flugbetriebs auf Tiere wurde anhand vorhandener Literatur theoretisch diskutiert und für in der Rhön vorkommende Zeigerarten zusammengefaßt (S. 24 ff.).

Zusätzlich wurde das Fluchtverhalten des Birkhuhns (als Leitart der offenen Rhönlandschaft) durch eine fachliche Stellungnahme der Wildbiologischen Gesellschaft München etwas ausführlicher dargestellt (S. 31).

Darüber hinaus wurde die Übertragbarkeit bestimmter Gutachten auf die Verhältnisse in der Rhön überprüft: Hinsichtlich eines Gutachtens über Flugaktivitäten und Schwarzstörche in der Sächsischen Schweiz wurde die Übertragbarkeit weitgehend bestätigt bzw. hinsichtlich eines Gutachtens über Hängegleiter und Wildtiere im Oberallgäu) verneint (S. 33 ff.).

Die Auswirkungen von Schallemissionen auf Menschen wurde im Zuge einer Besucherbefragung ermittelt (S. 35).

Abschließend erfolgt eine Einzelbewertung der Luftsportstandorte (insbesondere des Sonderlandeplatzes Wasserkuppe) (S. 43 ff.)

 

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Keine Angaben 

 

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

  • Luftsport: Überblick über Rechtsgrundlagen, örtliche Schwerpunkte und Voraussetzungen für die Ausübung der Luftsportarten Segel-/Motorflug, Modellflug, Hängegleiten/Gleitsegeln (S. 2 ff.).
  • Naturschutz in der Rhön: Rechtsgrundlagen und Ziele des Naturschutzes sowie Darstellung der durch den Luftsport betroffenen Lebensraumkomplexe mit dazugehörigen Pflanzengesellschaften u. Tierarten (S. 17 ff.).
  • Die Erhaltung der offenen Rhönlandschaft war sowohl Ziel des Naturschutzes wie auch Ziel des Luftsports.
  • Zwischen Luftsport und Naturschutz bestand ein hohes Konfliktpotential: 66 % der Modellflugstandorte und 76 % der Standorte für Hängegleiter befanden sich innerhalb von nach Art. 20c BNatSchG geschützten Biotopen; 38 % der Modellflugstandorte und 41 % der Hängegleiterstandorte liegen im Bereich geplanter Naturschutz- bzw. Landschaftsschutzgebiete (S. 39).

EINWIRKUNGSDAUER

Abhängig von guten Flugwetterlagen (z. B. Spätsommer)

 

EINWIRKUNGSART

optische Reize unterschiedlicher Fluggeräte (Segelflugzeuge, Motorsegler, Flugzeuge, Flugmodelle, Hängegleiter/Gleitschirme)

 

EINWIRKUNGSGRAD

Unterschiedlich starke Frequentierung bestimmter Bereiche

 

TIERART

Hauptkonfliktfeld war die Beeinträchtigung von Vogellebensräumen

hier vor allem die Lebensräume des Birkhuhns (Lyrurus tetrix)

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Wildtiere

In Bezug auf die Verhältnisse in der Rhön wurde nur auf den Beispielfall Birkhuhn eingegangen.

 

 

Beispielfall Birkhuhn (S. 31 ff.)

  • Die Fluchtdistanz variierte stark und hing von der Art des Feindes, von der Jahreszeit, dem Wetter und individuellen Eigenheiten ab.
  • Gegenüber Menschen erfolgte bei besonderer Aktivierung (Balz, Herbst, Winter) unter 250 m Abstand Fluchtverhalten durch Weglaufen und letztlich Abfliegen;
  • zu Zeiten der Mauser drückten sich die Tiere und ließen den Menschen bis auf wenige Meter herankommen.
  • Gegenüber Maschinen und PKWs flüchteten Birkhühner wesentlich weniger oder reagierten nur mit Sicherungsverhalten.
  • Gegenüber Flugobjekten wurden aktuelle Fluchtdistanzen von etwa 300 bis 350 m festgestellt.
  • Gewöhnungseffekte konnten nicht festgestellt werden, da sie dafür die notwendigen Voraussetzungen fehlten (Störquellen sporadisch und überraschend auftauchend).
  • Störwirkungen konnten kaum kompensiert werden, da die Tiere nicht in ungestörte Lebensräume ausweichen konnten.

VEGETATIONSEINHEIT

Betroffen sind wertvolle Pflanzengesellschaften wie Borstgrasrasen und Steintriftweiden auf sehr flachgründigen, steinigen Standorten

 

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Vegetation (S. 24)

Die intensiv genutzten Standorte wiesen starke Trittschäden auf.

Die durch Tritt stark beeinflußten Flächen umfaßten jeweils nur etwa 100 bis 300 m².

 

Fluglärm

Etwa 21 % der Rhönurlauber fühlten sich durch Fluglärm gestört (S. 35).

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

keine Angaben