Bundesamt für Naturschutz

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Hübner, Thomas; Putzer, Dietrich (1985) Störungsökologische Untersuchungen rastender Kormorane an niederrheinischen Kiesseen bei Störungen durch Kiestransport, Segel-, Surf- und Angelsport


Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

 

SPORTARTEN

Angeln, Segeln, Surfen

 

INHALT

Ausgehend von der Beobachtung, daß rheinnahe Kiesseen bei fehlenden Störungen durch Freizeitsportler oder Jäger von Zugvögeln als Rast- und Überwinterungsplätze angenommen werden, wird die Störwirkung von Wassersportlern, Sportanglern und Kiesschleppern auf Kormorane untersucht.

Mittels langjähriger störungsökologischer Untersuchungen versucht man, Störungsmuster zu erfassen und mathematische Modelle für die Störungswirksamkeit in ihrer Abhängigkeit von der Zahl der störenden Personen zu entwickeln. Im Ergebnis zeigt sich, daß die für Angeln, Segeln und Surfen erfaßten Fluchtdistanzen hoch liegen. Bei vorüberfahrenden Kiesschleppern liegen die Fluchtdistanzen dann geringer, wenn sich alle Personen im Führerhaus aufhalten.

Im Hinblick auf die potentielle Brutansiedlung des Kormorans im Untersuchungsgebiet, das zum angestammten Verbreitungsgebiet des Vogels gehört, wird der Angelsport als wesentlichster Störfaktor angesehen.

 

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

  • Hauptstörfaktoren für rastende Kormorane sind im Untersuchungsgebiet Segeln, Surfen und ordnungsgemäßer Angelsport.
  • Zur Sicherung der Rastplätze wären die Seen für Segel- und Angelboote sowie für Surfer vom 15.9.-30.4. zu sperren und ausreichend große Uferstrecken angel- und störungsfrei zu halten.
  • Da das Störfeld (=Fluchtdistanz+Standardabweichung) weit in die zu schützenden Flächen hineinragt, müssen bei NSG - Ausweisungen Pufferzonen eingeplant werden.
  • Entscheidender Hemmfaktor für die Wiederansiedlung des Kormorans als Brutvogel im Gebiet ist die ordnungsgemäße Sportfischerei, da ihr in Nordrhein- Westfalen überproportionale Nutzungsrechte zugestanden werden.

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 39) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

 

 

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

  • Monheimer Baggersee, Baggersee Neujudenhof, Niederrheinische Bucht, Nordrhein- Westfalen
  • rechtsrheinische Kiesgewässer zwischen Düsseldorf und Köln
  • Monheimer Baggersee: 66 ha, > 70 Jahre alt, mesotropher Klarwassersee: Untersuchungen zum Segeln, Angeln und Kiestransport
  • Baggersee Neujudenhof: 30 ha, LSG: Untersuchungen zum Surfen

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

  • Untersuchungszeitraum März 1975 - Juni 1985
  • Bestandserfassung
  • Erfassung von Störungsereignissen und Fluchtbewegungen
  • Messung von Fluchtdistanzen


BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Klassifizierung der Fluchtdistanzen:

25 - 75 m, 75 - 125 m, 125 - 175 m, 175 - 225 m, 225 - 275 m, 275 - 325 m

 

 

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Das Untersuchungsgebiet ist traditionelles Durchzugsgebiet des Kormorans, letzte Brutversuche vor 1914

 

 

Monheimer Baggersee:

  • Baden sowie Betreten und Lagern am Ufer durch die Bevölkerung sind untersagt (Einzäunung, Trinkwasserförderung).
  • Ordnungsgemäßer Angelsport ist aufgrund des nordrhein-westfälischen Fischereigesetzes zugelassen.
  • Kiesabbau wird nach Süden hin fortgeführt, der nordöstliche Teil des Sees ist seit 1984 NSG.
  • Die Wasservogeljagd ruht auf freiwilliger Basis seit 12 Jahren.


Baggersee Neujudenhof

  • Baden verboten, Segeln und Angeln vom Boot aus werden nicht betrieben
  • Die Wasservogeljagd ruht auf freiwilliger Basis.
  • Bestandsentwicklung
  • kontinuierliche Zunahme seit 1974, mit Spitzenwert 1983, Ursache wahrscheinlich angestiegene Brutpopulation im Nord- und Ostseeraum sowie Wirksamwerden entsprechender Schutzmaßnahmen
  • Herbstzug im Mittel kleinere Truppgrößen als Frühjahrszug


EINWIRKUNGSDAUER

  • Segeln: von 1972-1981 ganzjährig/seit Sommer 1981:
  • im NSG ganzjährig kein Segeln
  • im Nordwestteil des UG: 16.4.-30.9.
  • in Südhälfte des UG: 1.4.-3.10.

EINWIRKUNGSART

  • optische Beunruhigung

EINWIRKUNGSGRAD

  • Kiesschlepper: verkehren regelmäßig auf eine Nord-Süd-Linie
  • Angeln: vom Ufer und vom Boot, bis 1984 durften im Rahmen des ordnungsgemäßen Angelsports fischfressende Großvögel von Futter- und Rastplätzen vertrieben werden, nach 1984 im NSG Angelverbot


Komoran
Kiesschlepper Unterschiede in den Fluchtdistanzen:

alle Personen des Schleppers im Fahrerhaus:

die meisten Fluchtdistanzen im Intervall 25-75 m, aufgescheuchte Vögel verlassen Gewässer i. d. R. nicht

Person außerhalb des Fahrerhauses:
Fluchtdistanzen steigen hochsignifikant auf 181 m mit s=76 m

Die sich im Führerhaus aufhaltenden Menschen werden nicht als solche bzw. als Feind angesehen
Segeln zwei Störungsmuster:

Segler fährt gegen den Wind auf den Kormoran zu:
mittlere Fluchtdistanz = 207m, mit s = 50m

Segler fährt mit dem Wind auf den Kormoran zu bzw. senkrecht zur Windrichtung in den Fluchtweg der abhebenden Vögel hinein:
mittlere Fluchtdistanz=263 m, mit s=53 m

Da im zweiten Fall die Fluchtdistanzen signifikant höher liegen, ist zu schlussfolgern, dass der Kormoran mit größerer Fluchtbereitschaft reagiert, wenn der Segler dem vorzugsweise gegen den Wind abhebenden Vogel den Fluchtweg verstellt.
Angeln 2 von insgesamt 5 Rastplätzen am nördlichen Ufer aufgrund von Störungen durch Angler aufgegeben

mittlere Fluchtdistanz 203 m mit s=57 m

Fluchtdistanzen immer dann besonders hoch, wenn
Anglerboote mit dem Wind auf Rastplätze zufahren

große Trupps rastender Kormorane gestört werden

Das zuerst auftauchende Anglerboot und der zuerst ans Ufer tretende Angler lösen heftigere Fluchtreaktionen aus als später nachfolgende.

Im Vergleich mit Seglern sind die Fluchtdistanzen zwar ähnlich, aber pro Störakt durch Angler flüchten im Bereich der hohen Fluchtdistanzen ca. doppelt so viele Tiere wie pro Störakt durch Segler. Ursache: im zeitigen Frühjahr, wenn größere Trupps auf Gewässer rasten, sind zwar schon Angler aber noch keine Segler anwesend
Surfen mittlere Fluchtdistanz:
233 m mit s=49 m einzelner Windsurfer mit wenigen Zickzack-Manövern ausreichend, um alle Wasservögel von der Wasseroberfläche zu vertreiben
Ausweichverhalten nach Störung Aufsuchen zufällig störungsfreier Fluchtgewässer mittlere Fluchtstrecken=7 km <

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

keine Aussage