Bundesamt für Naturschutz

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Gold, Reiner; Knebel, Wilhelm; Putzer, Dietrich (1993) Mauserplätze für bedrohte Wasservogelarten. Planungskonflikte und Erfahrungen mit Freizeitnutzungen im Rheinland

Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

 

SPORTARTEN

Angeln, Motorboot/Wasserski/Parasailing, Segeln, Surfen, Wassersport

 

INHALT

Die Bedeutung der Mauserzeit, als besonders sensible Zeit im Jahresverlauf der Vögel, ist im öffentlichen Bewußtsein weniger präsent als bspw. die der Brutzeiten. Da die Mauser im Hochsommer stattfindet, fällt sie in die Haupterholungs- und Badezeit. Die Tiere benötigen darüber hinaus zur Mauser große ungestörte Feuchtgebietsflächen. Infolgedessen ist ein Konflikt mit Erholungsansprüchen vorprogrammiert. Mit der Mauser konkurrierende Nutzungen sind insbesondere: Segeln, Surfen, Uferbegehungen, Baden sowie Angeln von Boot, Ufer und Inseln.

Die Autoren geben einen Überblick über die Problematik Mauserplätze - Wassersport, insbesondere dem ordnungsgemäßen Angelsport laut Landesfischereigesetz Nordrhein- Westfalen , sowie weitere politische, planerische und ordnungsrechtliche Aspekte. Für zwei Teilgebiete wird der Konflikt ausführlich dargestellt.

Es werden Ergebnisse einer Untersuchung an 23 Baggerseen zwischen Düsseldorf und Köln vorgestellt, die der Erfassung der Nahrungsbasis, der Bestimmung der Reichweite von Störungen und der mathematischen Beschreibung der Populationsdynamik für Mauserplätze (Entwicklung von Mauser- Traditionen) dienen soll.

Abschließend werden Erfordernisse der Wasservogelschutzes formuliert, die bei der Lösung der Konflikte auf Landes- und Kommunalebene berücksichtigt werden sollten.

 

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(IN)EN

  • Bei vorhandener Nahrungsgrundlage hängt die Funktionstüchtigkeit von Mauserplätzen ausschließlich von der An- bzw. Abwesenheit des Menschen ab. Insofern entwertet die Wasser- und Angelsportnutzung die Mehrzahl der Baggerseen im Untersuchungsgebiet als Mauserplätze.
  • Aufgrund der von den Enten eingehaltenen Sicherheitsdistanz von 250 - 300m können schon wenige Boote die Funktion großer Teile der effektiven Rast- und Nahrungsfläche erheblich einschränken.


BEZUG/QUELLE

Staatsbibliothek, Haus 2

Potsdamer Str. 33

10785 Berlin

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 37) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

 

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

  • 23 rheinnahe Baggerseen im Großraum Düsseldorf- Köln, Niederrheinische Bucht/Niederrheinisches Tiefland, Nordrhein- Westfalen
  • hochsommerliche Mauserplätze für Reiherenten

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

  • Untersuchungszeitraum Juni 1980 - Oktober 1992:
  • Mauserzeiten jeweils Anfang Juni - erste Septemberhälfte, Maximalbelegung im August
  • Zählung von mausernden Enten im Abstand von 10 Tagen bzw. 5 Tagen (an störungsarmem Gewässer Monheimer Baggersee)

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Maximalbelegung mausernder Reiherenten

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

konstante Bedingungen der untersuchten Seen:

  • Siedlungsdichte an Benthosinvertebraten, v. a. Dreissena polymorpha, von > 25 Individuen/m² in der Tiefenstufe 3 m zur Sicherstellung einer guten Nahrungsbasis
  • Aufenthalt von durchziehenden Tauchenten der Gattung Aythya im Winterhalbjahr in Abwesenheit von Störungen

EINWIRKUNGSDAUER

Betrachtung unterschiedlich intensiv genutzter Seen:

  • Seen mit Nutzung (siehe Einwirkungsgrad): ganzjährig
  • Naturschutzsee ohne Nutzung (Monheimer Baggersee)
  • Restfläche (LSG): Angeln vom 1.4.-30.9., Segeln vom 1.4.-31. 10. bzw. 16.4.-30.9.

EINWIRKUNGSART

  • optische und akustische Beunruhigung

EINWIRKUNGSGRAD

Betrachtung unterschiedlich intensiv genutzter Seen:

  • wasser- und angelsportlich genutzte Seen
  • Naturschutzsee mit Angelsport (Örksee): 40 % Ufer zum Angeln freigegeben, vollständiger Ausschluß der restlichen Öffentlichkeit
  • Naturschutzsee, teilweise ohne Nutzung (Monheimer Baggersee): NSG Fläche: Angeln, Segeln und Betreten ganzjährig untersagt, Restfläche (LSG): Angeln und Segeln erlaubt

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Mittlere Maximalbelegung im Zusammenhang mit Gewässergröße und Störungsart:

Nutzung untersuchte Anzahl mittlere Maximalbelegung mit mausernden Reiherenten [Tiere/Jahr] Flächengröße [ha]
reine Angelseen 17 0,3 4-19
Doppelnutzung Angeln und Segeln oder Surfen 2 0,3 16 und 24
Wasserski-Seen mit Angel- und Badenutzung 2 0 9 und 12
Naturschutzsee mit Angelsport 1 3,6 13,8
Naturschutzsee ohne Nutzung 1 (absoluter Maximalwert) 260 14 ha NSG von insgesamt 70

Gewässer mit Wasser- und Angelsport:

  • Mauser nur durch störungstolerante Kleinstkollektive mit maximal 3 Individuen
  • Aufenthalt in Stegnähe
  • Annahme von Fütterung durch Besucher
  • -> Verhaltensdomestikation bzw. Parkvogelverhalten einer Minderheit von Enten

Naturschutzsee ohne Nutzung:

  • Mauser von Vögeln mit ausgeprägter Feindvermeidungstendenz
  • Störfeld (Sicherheitsdistanz) von 250-300 m

Naturschutzsee mit Angelnutzung:

  • Präsenz weniger Angler ausreichend, um Gewässer für mausernde Enten zu blockieren

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

keine Aussage