Bundesamt für Naturschutz

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Galhof, Heike; Sell, Michael; Abs, Michael (1984) Aktivitätsrythmus, Verteilungsmuster und Ausweichflüge von Tafelenten Aythya ferina L. in einem nordwestdeutschen Überwinterungsquartier (Ruhrstausee Kemnade)

Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

SPORTARTEN

Rudern, Segeln, Surfen

 

INHALT

Am neuentstandenen Ruhrstausee Kemnade werden Aktivitätsrhythmus, Verteilungsmuster, Energiehaushalt und Nahrungsnutzung der auf dem See dominierenden Entenart Aythya ferina untersucht und im Hinblick auf den Einfluss anthropogener Störeinflüsse diskutiert.

Die im Winter nachtaktive Tafelente hat unterschiedliche Habitatansprüche an Fress- und Ruheplätze. Aktivitätsrhythmen und Dispersion bilden eine funktionale Einheit. Wenn diese im Fall von Störungen, bspw. durch das Vorhandensein von geeigneten Ausweichgewässern modifiziert werden kann, werden die Habitatansprüche auch an anthropogen belasteten Gewässern erfüllt.

 

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

  • Tafelenten sind, im Gegensatz zur Brutzeit, im Winterhalbjahr als primär nachtaktive Art zu beurteilen, möglicherweise Verlagerung der Nahrungsaufnahme in die Nacht als Konsequenz der Prädatorenpräsenz am Tag.
  • Der Aktivitätsrhythmus wird im untersuchten Gebiet durch menschliche Störungen kaum verändert. Der stereotype Ablauf kann auf den vorhandenen Ausweichgewässern fortgesetzt werden.
  • Die Dispersionsmuster werden tagsüber durch die Größen Abgeschiedenheit und Windaufkommen bestimmt, in der Nacht durch Erreichbarkeit und Menge des Nahrungsangebotes.
  • Räumliche Verteilung und Aktivitätsrhythmus bilden eine funktionale Einheit, die durch menschliche Störungen modifiziert wird:
  • Störungen am Tag an den Ruheplätzen führen zu Ausweichflügen in ruhigere Fluchträume, ohne den Aktivitätsverlauf am sekundären Ruheplatz weiter zu beeinflussen.
  • Das abendliche Aufsuchen der Fressplätze erfolgt im gleichen Verhaltensmuster wie vom primären Ruheplatz aus, jedoch mit erhöhtem Energieaufwand.
  • Tafelente können in anthropogen stark gestörten Gebieten rasten oder überwintern, wenn ein artgemäßes Angebot an Rückzugsflächen vorhanden ist.

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 150) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

 

METHODE

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

  • Ruhrstausee Kemnade und nördlich liegende Klärteiche, Süderbergland, Nordrhein-Westfalen
  • Ruhrtal bei Bochum/Witten

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

  • Untersuchungszeitraum 1979-1984
  • Schwerpunkt im Winterhalbjahr 1982/83, Kartierung von
  • Witterung
  • Störungen
  • Bestand und Verteilung der Enten, zur Erfassung der Verteilung Einteilung des Gewässers in Raster (4x4 ha) und Auswertung von Individuenzahlen/Rasterquadrat
  • stündliche Aufnahme des Anteils aktiver und inaktiver Vögel an der Gesamtpopulation

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

räumliche Verteilung

Aktivitätsrhythmus:

  • aktives Verhalten: Nahrungstauchen, Schwimmen, Gruppenbalz
  • inaktives Verhalten: Schlafen, Körperpflege


KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Habitat und Nutzung

Stausee:

  • 125 ha Wasserfläche, ca. 2m tief mit Regattarinne von 3 km Länge und 3 m Tiefe
  • am Südufer 4 künstliche Halbinseln als Wasservogelruhezone abgesperrt und eingezäunt
  • Überwinterungsquartier für Tafelenten
  • Nutzung durch Wassersportler auch im Winter

Klärteiche:

  • insgesamt 13 ha Wasserfläche, Tiefe 2,5 - 4,2 m
  • weitgehend umzäunt und nur von einer Seite von einem durch Gehölze verdeckten Wanderweg aus, der parallel zum südlichsten Teich verläuft, einzusehen
  • Entfernung zwischen Stausee und Klärteichen 300 m

Bestandsverlauf (Abb. 2)

  • Reaktion mit Bestandszunahme auf Aufstauen des Sees 1979
  • seitdem 1979-1984 relativ gleichbleibende Bestandsverhältnisse, wahrscheinlich Einpendeln der Bestände auf bestehende Habitatverhältnisse
  • mittlerer Tafelenten-Rastbestand im Winter 1982/83: 660 Individuen, Maximalwert 950 Individuen
  • absoluter Maximalwert im Gebiet 1980/81 mit 2300 Individuen

Nahrungsaufnahme

  • Klärteiche signifikant höhere Nahrungsmenge pro Flächeneinheit, aber durchschnittliche Tiefe deutlich über dem Tauchoptimum, wodurch die Zeit zur Nahrungsaufnahme auf dem Gewässerboden reduziert wird -> Nahrungsaufnahme durch Tafelenten bevorzugt im Stausee


ERGEBNISSE

EINWIRKUNGSDAUER

keine Aussage

 

EINWIRKUNGSART

keine Aussage

 

EINWIRKUNGSGRAD

keine Aussage

 

TIERART   

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Verteilungsmuster (Abb. 3)

Normalverteilung an störungsfreien Tagen:

  • Konzentration in dichtgedrängten Entenansammlungen in wenigen Bereichen des Stausees, Bevorzugung bestimmter Rasterquadrate signifikant:
  • vor den unzugänglichen Halbinseln, im Strömungsschatten der Ruhr
  • insbesondere an windigen Tagen in windgeschützten Bereichen
  • bevorzugte Liegeplätze in Ausweichgewässern ebenfalls im Windschatten und in ungestörten Uferbereichen

Normalverteilung in der Nacht:

  • Verteilung über den gesamten See ohne Truppbildung oder Präferenz bestimmter Rasterquadrate

Reaktion auf Störungen:

  • Tiere weichen vor Störungen durch Schwimmen aus, bei stärkerer Störung gezieltes Anfliegen der Klärteiche
  • an einigen Tagen mit Störungen 100 % des Bestandes auf Klärteichen anzutreffen

Aktivitätsrhythmus (Abb. 5)

  • Nachtaktivitäten in der Zeit zwischen 17.00 und 7.00 Uhr überwiegen hochsignifikant
  • Aktivitätsmaximum nach Sonnenuntergang
  • tagsüber, von Sonnenauf- bis -untergang ruhen 90 % der Population
  • Aktivitätsbeginn jeweils streng lichtabhängig (Abb. 6)
  • sowohl die räumliche Verteilung auf den Seen als auch abendliche Abflugzeiten und morgendliche Rückkehr zu den Tagesplätzen von allen Mitgliedern eines Trupps streng synchronisiert
  • normaler Aktivitäts- und Ortswechsel auch an Tagen mit Störungen nur gering verändert, da auf den Klärteichen als Ausweichgewässern die entsprechende Aktivität (Schlafen) fortgesetzt werden kann und die Ententrupps mit einsetzender Dämmerung zur Nahrungssuche auf den Stausee zurückkehren.