Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Herter, Wolfgang Die Xerothermvegetation des Oberen Donautals. Gefährdung der Vegetation durch Mensch und Wild sowie Schutz- und Erhaltungsvorschläge

Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin

 

 

SPORTARTEN 

Klettern, Wandern/Geländelauf

 

 

INHALT

Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt in der floristischen und pflanzensoziologischen Bestandsaufnahme der Xerothermvegetation des Oberen Donautals, insbesondere der Vegetation auf Extremstandorten in Felsbereichen sowie deren qualitative und quantitative Belastung durch Mensch und Wild. Auf dieser Basis wird ein Modell zur Bestimmung von ökologischen Wertigkeiten, Nutzungsdruck und Gefährdungspotentialen entwickelt. Ziel ist die Erstellung einer Grundlage für ein umfassendes, detailliertes Konzept mit Schutzvorschlägen und Vorschlägen zur Lösung der vorhandenen Konflikte sowie die Entwicklung von Instrumenten der Regulation, die störreizmindernd auf die Belastungssituation und deren Verursacher rückwirken können.

Im Zusammenhang mit der Diskussion der Vegetationsbelastung durch Klettern werden Schutzmaßnahmen gegen Kletterschäden in ihrer Tauglichkeit bewertet. Das vorgeschlagene Lösungskonzept beinhaltet v. a. die Abgrenzung bestimmter Zonen zur Sicherung der ökologisch wertvollsten Gebiete. Die Nutzung durch Erholungssuchende soll dabei in einer naturverträglichen Form in weniger gefährdeten Bereichen beibehalten werden.

 

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

  • Die Xerothermvegetation im Untersuchungsgebiet ist in hohem Maß durch Mensch und Wild belastet, rund 3/4 aller Arten weisen Schädigungen auf, darunter auch seltene, reliktische und gefährdete Arten. Die Vegetationsschädigung begünstigt die Erosion, infolgedessen entstanden irreparable Schäden an Vegetation und Standort im Bereich der Felsbiotope (Reliktstandorte).
  • Die größte Belastung resultiert aus Klettersport und aus der Existenz einer Gemspopulation. Die insgesamt schwächere Beeinträchtigung, die vom Wanderbetrieb ausgeht, kann örtlich ebenfalls hohe Belastung auslösen.
  • Für die Zukunft ist mit einem Anstieg des Nutzungsdrucks zu rechnen, was zu einer Fortsetzung der Entwicklung weg von reliktischen "Natur- Biotopen" hin zu artenärmeren "Kultur- Biotopen" führt.
  • Mehrfachbelastungen durch Kletterer, Wanderer und Wild verschärfen die Belastungs- und Gefährdungssituation zusätzlich. Infolgedessen bleibt kaum ein Teilbereich des Lebensraums Fels unbeeinträchtigt.
  • Aufgrund zeitlicher Verzögerungen im Sichtbarwerden der Auswirkungen sind Schäden des in den letzten Jahren zunehmenden Nutzungsdrucks noch nicht vollständig erfaßt, d. h. selbst bei sofortiger Beendigung der Beeinträchtigung kann eine Stabilisierung der Bestände erst auf einem im Vergleich zu heutigen Verhältnissen stärker degradierten Niveau erreicht werden.

BEZUG/QUELLE

Landesanstalt für Umweltschutz Baden- Württemberg, Bibliothek

Postfach 21 07 52

76 157 Karlsruhe

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

 

METHODE

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

  • Naturpark Obere Donau (Kernbereich), Schwäbische Alb, Baden-Württemberg
  • Gebiet entlang der Donau zwischen Sigmaringen und Mühlheim

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

  • floristische Vegetationskartierung im gesamten UG
  • pflanzensoziologische Vegetationskartierung im gesamten UG
  • Kartierung der Belastung: exemplarische Detailuntersuchung:
  • Vegetationsaufnahmen in zwei Dauerbeobachtungsflächen und einem Transsekt: Vergleich von jeweils einer eingezäunten und einer nicht eingezäunten Flächen
  • Vergleichskartierung an bekletterten und unbekletterten Felsbereichen: Aufnahme im Raster 1 x 1

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

  • Kriterien zur Quantifizierung der Einwirkung - Wild durch
  • Art und Anzahl der Wildsichtung, frische Trittspuren, Wechsel, Bodenerosion, Trittschäden an der Vegetation, Losungsbefunde, Nässen und Lagerstellen
  • Kriterien zur Quantifizierung der Einwirkung - Mensch durch
  • Art und Anzahl der Wege, Schutzeinrichtungen, Feuerstellen, Kletterfelsen, Bewirtschaftungsformen, Trittschäden, Bodenerosion, Eutrophierung, Müll, Pflücken von Blumen
  • Kriterien zur Quantifizierung der Auswirkung
  • Art und Ausmaß der mechanischen Schädigung der Pflanzen (durch Verbiß, Tritt, Lagern etc.)
  • betroffenen Pflanzenteile
  • Häufigkeit geschädigter Pflanzen im Verhältnis zur Individuenzahl

-> Klassifizierung von Schädigungsstufen unterschiedlicher Intensität

-> Berechnung der Anteile geschädigter Pflanzen

-> Wichtung nach biologischer Bedeutung der Schädigung für die Pflanze zur näherungsweisen Ermittlung des Gefährungspotentials 

 

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Klettern:

  • Detailuntersuchung A: insgesamt 21 dicht nebeneinanderliegende Routen,
  • untersucht werden 2-3 Routen und die daneben liegende nicht bekletterte Fläche
  • untersuchte Routen bereits vor fast 10 Jahren erschlossen, ursprüngliche Vegetation im bekletterten Bereich nur noch rudimentär vorhanden- "Langzeit-Schädigung"
  • Detailuntersuchung B:
  • ökologisch besonders wertvolles Gebiet: Wuchsort vieler stark gefährdete Arten
  • Untersucht wird eine zwei Jahre zuvor erschlossene, neue Route und die dazugehörende Abseilpiste: die ursprüngliche Vegetationsstruktur ist noch zu erkennen, so daß die "Kurzzeit- Schädigung" dokumentiert werden kann.


ERGEBNISSE

EINWIRKUNGSDAUER

Klettern

Detailuntersuchung A: ca. 10 Jahre

Detailuntersuchung B: ca. 2 Jahre

 

 

EINWIRKUNGSART

Entfernung/Schädigung von Vegetation bzw. Vegetationsteilen durch Tritt, Griff, scheuernde Seile, Erschließungstätigkeit (Ausputzen)


Einwirkung auf Xerothermvegetation durch

  • Aktivitäten: Tritt, Lagern, Feuermachen, Müll, Blumen pflücken
  • Ausbaumaßnahmen: Geländer etc.
  • bauliche Anlagen: dichtes Netz an Wegen, mit Aussichtspunkten, Spiel- und Rastplätzen, bewirtschafteten Unterkünften, Schutzhütten etc.

EINWIRKUNGSGRAD

Detailuntersuchung Fels A:

  • häufiger besucht
  • geringe Wandhöhen von 12-35 m

Detailuntersuchung Fels B:

  • weniger häufig besucht
  • hohe Wände bis 100 m

Besucheraufkommen:

  • durchschnittlich an Wochentagen 1600-6000 Pers./d
  • Herbstsonntage 10 000 Pers./d
  • Spitzenwerte 17 000 Pers./d

hoher Erschließungsgrad:

  • Weglänge insgesamt 136,5 km, davon 96 km befestigt
  • entspricht einer Dichte befestigter Wege von 62 lfd m/ha (im Vergleich: Durchschnitt Baden-Württemberg=43 lfd m/ha)
  • räumliche Verteilung der Wanderbewegung entlang von 3 Hauptachsen und an exponierten Stellen, bspw. Plateaus