Bundesamt für Naturschutz

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Frank, D. (1992): Einwirkung touristischer Aktivitäten in der Nachsaison auf die Rastvögel im Deichvorland eines Fremdenverkehrsortes

Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung   

 

SPORTARTEN

Jagd, Luftsport, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

In einem Untersuchungsgebiet an der niedersächsischen Nordseeküste werden die Auswirkungen touristischer Aktivitäten auf das Verhalten verschiedener Wasser- und Watvögel betrachtet. Obwohl sich fast alle Spaziergänger auf den ausgewiesenen Wegen bewegten, konnten Ausweichreaktionen und Veränderungen in der Lebensraumnutzung beobachtet werden. Bereits bei der gegenwärtigen Nutzungsintensität durch Besucher kommt es zu gravierenden nachteiligen Auswirkungen auf die Avifauna des Gebietes.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Touristische Aktivitäten rufen meist nur kurze Reaktionen hervor, aber selbst bei diesen sind energetische Belastungen für die Tiere zu erwarten.

Lerneffekte führen offenbar eher zur Toleranz einschätzbarer Störreize als gegenüber plötzlich eintretenden Reizen.

Wesentlichste Folge der Störwirkung touristischer Aktivitäten ist der Verlust von Flächen, die für Vögel tatsächlich zur Nahrungsaufnahme, Rast etc. zur Verfügung stehen. Gerade Limikolen können Flächenverluste nicht kompensieren, da sie an den Lebensraum Feuchtwiese gebunden sind und dieser aufgrund der anthropogenen Nutzung nur sehr begrenzt zur Verfügung steht. Insofern ist zu erwarten, daß es auf den verbleibenden störungsfreien Flächen zu erhöhten Vogelkonzentrationen kommt. Negative Folgen können Abnahme des Körpergewichts sowie verlangsamtes Wachstum durch Beeinträchtigung der Nahrungsaufnahme und erhöhten Streß sein.

Die beschriebenen Auswirkungen stellen eine deutliche Beeinträchtigung der Avifauna im Untersuchungsgebiet dar.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2626) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

 

METHODEN

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

  • Harlesiel, Weser-Ems-Marsch, Niedersachsen
  • Deichvorland bei Harlesiel

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Untersuchungszeitraum: 20 Tage im November 1992 (100 ausgewertete Beobachtungsstunden bei unterschiedlichen Wasserständen)

Erfassung der Einwirkung: Personenzählungen

Erfassung der Vogel-Bestände und der Störwirkungen:

qualitative und quantitative Erfassung des Vogelbestandes im Gebiet

Ortsveränderung der Tiere

Verhaltensbeobachtungen, Verhaltensänderungen bei Störreizen

 

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

  • Index für das Ausmaß der Einwirkung touristischer Aktivitäten: Häufigkeit der Störwirkung
  • weitere Kriterien: Fluchtdistanz und Reaktionsdauer

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Lage des Untersuchungsgebietes in der Nähe zu Parkplatz, Badestrand und Fährhafen, östlicher Teil des Untersuchungsgebietes ist Teil eines Campingplatzes

Untersuchungsfläche von zwei ausgewiesenen Wanderwegen durchzogen, Wanderwege zeitweise stark frequentiert

 

 

ERGEBNISSE

EINWIRKUNGSDAUER

ca. ab 8.00 Uhr bis nach Sonnenuntergang

 

EINWIRKUNGSART

optische und akustische Beunruhigung durch

  • Wandern, Spazierengehen
  • Flugzeuge
  • Jagd
  • landwirtschaftliche Arbeiten
  • Greifvögel

EINWIRKUNGSGRAD

während 100 Beobachtungsstunden:

  • 492 Personen in 227 Gruppen, 10 mit Hund, fast immer Nutzung der Wege
  • 24 überfliegende Klein-Flugzeuge
  • 7 Tage landwirtschaftliche oder Deichbau-Arbeiten
  • 1 Treibjagd
  • 2 x Pirschjagd mit Hund auf Enten

zeitliche Verteilung, Häufigkeit:

  • wesentlich mehr Spaziergänger und Kleinflugzeuge am Wochenende als in der Woche, am Wochenende im Mittel 2,57 Störreize/Stunde
  • Tagesmaximum der Besucherzahlen am Mittag

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Raumnutzung

  • Vögel ziehen sich auf Flächen zurück, die weit von der Störquelle entfernt liegen, infolgedessen Verringerung der real nutzbaren Fläche
  • noch 8 % Flächenanteil bei Auftreten von Störreizen für Limikolen nutzbar (gegenüber der nutzbaren Gesamtfläche bei Fehlen von Störreizen)
  • Flächenverlust für Gänse und Enten aufgrund der andersartigen Habitatansprüche nicht so ausgeprägt - Meidung eines 100 m Streifens entlang des Deiches bei Auftreten mehrerer Störreize im Lebensraum wird dieser ganz verlassen, da Ausweichräume fehlen.