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Fox, A.D. (1997): Rafting behaviour and predator disturbance to Steller"s Eiders Polysticta stelleri in northern Norway

Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung   

 

INHALT

Scheckenten ernähren sich, v. a. in seichten Gewässern bzw. bei Ebbe, von kleineren Muscheln und Schnecken. Auf überfliegende Mantelmöwen reagieren Scheckenten, indem sie überstürzt von ihren Nahrungsplätzen auffliegen und sich auf dem offenen Wasser zusammenscharen. Wenn sich die Enten bei Flut zu dichten Ruhegesellschaften zusammengeschlossen haben, ist keine Reaktion zu beobachten. Die Reduktion der Individualabstände in Verbindung mit Fluchtverhalten deutet darauf hin, dass der enge Zusammenschluß eine Reaktion gegen Räuber bedeutet.

Die Autoren untersuchen, welchen Einfluss (natürliche) Störungen auf das Zeit- und Energiebudget der Scheckenten haben. Dieser Arbeit können somit Hinweise entnommen werden, wie sich anthropogene Störungen auswirken könnten.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

In 32 % der Fluchtbewegungen entfernten sich bis zu 56 % der Trupps von den Stellen der Nahrungssuche.

Aber auch, wenn die Vögel am Ort blieben, dauerte es im Mittel 3,5 min., bis die Hälfte der Trupps die Nahrungssuche wieder aufnahm. Dabei gingen innerhalb von 24 Stunden immerhin 17 % der Zeit für Nahrungssuche verloren.

Die Kosten für das überstürzte Abfliegen beim Auftauchen von Möwen wird auf etwa 7,8 % des täglichen Mindestenergiebedarfs geschätzt. Daher kann eine derartige Reaktion auf potenzielle Räuber die Nutzung bevorzugter Nahrungsgründe einschränken, sowie den Verlust der ohnehin durch die Gezeiten beschränkten Zeit für Nahrungsaufnahme und zusätzliche Energiekosten nach sich ziehen.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 981) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

 

METHODEN

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

VadsØ Harbour, Varangerfjord, NE-Norwegen

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Das Verhalten der Scheckenten wurde für vier 6-Stunden-Perioden während der Nacht und des Tages beobachtet. Es wurde untersucht, ob sich das Aggregationsverhalten der Enten bei Störungen durch Mantelmöwen ändert.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Das Verhalten von ungestörten und von, durch Mantelmöwen, gestörten Scheckenten wird verglichen. Zur Reaktion gegenüber Mantelmöwen notwendige Zeit- und Energiebudgets werden mit den, durch die Gezeiten vorgegebenen, täglichen maximal verfügbaren Perioden verglichen, in denen eine Nahrungsaufnahme möglich ist.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Nahrungssuch-Aggregationen von Scheckenenten, die von Mantelmöwen attackiert werden.

 

 

ERGEBNISSE

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Scheckente (Polysticta stelleri)

Veränderung der Aggregationen unter Störeinfluss

Ungestört schließen sich Scheckenten zu gemeinsamen Nahrungssuch-Gemeinschaften zusammen. Im Durchschnitt beträgt die Distanz der 46 cm großen Individuen zum nächsten Individum 3,2 Körperlängen, nie mehr als 15 Körperlängen. Ruhende Tiere aggregieren sich noch dichter auf durchschnittlich 1,07 Körperlängen und nie weiter als 5 Körperlängen.

Während der Gesamtuntersuchungszeit wurden 38 Fälle registriert, in denen Mantelmöwen die Scheckenten zum Auffliegen veranlassten und teilweise in den Schwärmen einzelne Individuen attackierten (n=2). Nach solchen Fluchtflügen aggregierten sich die Scheckentenschwärme auf 1,11 Körperlängen (n=3).

Im Schnitt dauerten solche Fluchten vor den Mantelmöwen ca. 30 Sekunden, bevor sich die Scheckenten auf die Wasseroberfläche fallen ließen und sich wieder aggregierten. In ca. 30% der Fälle verließen größere Anteile (16-52%) der Scheckenten den Nahrungsbiotop.

Nach der Landung war das Aufmerksamkeitsverhalten deutlich erhöht; das Nahrungssuchverhalten jedoch deutlich reduziert. In 13 Fällen konnte die Zeit ermittelt werden, bis die Enten wieder in Bereichen waren, die eine Nahrungsaufnahme ermöglichten: durchschnittlich 3,49 Minuten dauerte es, bis mindestens die Hälfte der Individuen wieder Nahrung aufnahm.

Störungsbedingter Energieverbrauch

  • Anhand von Standardwerten zur Berechnung des Energieverbrauchs und auf der Basis der 38 Störereignisse in 24 Stunden, die durchschnittlich 30 Sekunden dauernde Flüge veranlassten (insgesamt 19 Minuten), wurde kalkuliert, dass 7,8 % der täglich notwendigen Energiemenge (ca. 43 kJ min-1) verbraucht wurde.
  • Da nach den Attacken durch Mantelmöwen die Scheckenten im Durchschnitt 3,5 Minuten benötigten, bis sie wieder mit der Nahrungsaufnahme beginnen konnten, summierte sich diese, für die Nahrungsaufnahme verlorene Zeit in 24 Stunden auf 133 Minuten auf. Aufgrund der Gezeiten stehen täglich jedoch nur 650 Minuten zur Nahrungssuche zur Verfügung, da nur bei niedriger Tide oder bei Ebbe nach Muscheln und Schnecken gegründelt werden kann. Störungsbedingt entfällt somit ca. 1/5 der zur Nahrungsaufnahme maximal verfügbaren Zeit. Hinzu kommt die aktiv durch den Fluchtflug verbrauchte Energie, die ebenfalls kompensiert werden muss.

BEMERKUNGEN

Anmerkung des Referenten: Diese Publikation zeigt, dass bereits natürliche Störungen zu einem erheblichen Energieverbrauch und der Notwendigkeit zur Kompensation der reduzierten Nahrungsaufnahme führen. Anthropogen bedingte Störungen sind deshalb nie nur per se zu betrachten, sondern sie wirken immer additiv zu natürlichen Störungen und Stresssituationen.