Bundesamt für Naturschutz

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Fitzpatrick, S. (1998): Effects of recreational disturbance on the foraging behaviour of waders on a rocky beach (

Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung   

 

SPORTARTEN

Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Aufgrund der zeitlich begrenzten Verfügbarkeit von Meerufern, die dem Gezeitenwechsel unterliegen, kann es zur Überlagerung von Erholungsaktivitäten von Menschen und Nahrungssuchaktivitäten bei Vögel kommen. Je nach Intensität der Störung wird die Nahrungsaufnahme sogar erheblich eingeschränkt, da teilweise der Höhepunkt der touristischen Nutzung von Strandbereichen mit einem erhöhten Energiebedarf (Wanderung, Mauser) von Vögeln übereinstimmt. In dieser Studie werden Effekte von erholungsbedingten Störungen auf die Nahrungsaufnahmerate von Austernfischer, Brachvogel und Rotschenkel untersucht.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die Wirkungen menschlicher Störungen auf das Nahrungssuchverhalten der untersuchten Arten waren überraschend gering. Offensichtlich erfolgte nur eine geringe Beeinflussung der Nahrungssuchrate im Untersuchungszeitraum. Am deutlichsten war eine Reduzierung des Zeitvolumens, das zur Nahrungssuche zur Verfügung stand, festzustellen. Da die Aufsummierung von Störungszeiten unter der Zeit blieb, die Vögel normalerweise zum Ruhen oder zur Gefiederpflege nutzen, gehen die Autoren davon aus, dass eine Kompensation der reduzierten Nahrungsaufnahme möglich ist, indem diese ausgedehnt wird oder indem die Intensität der Nahrungssuche erhöht wird (Erläuterung des Bearbeiters: Die Qualität des Untersuchungsraumes als Nahrungsbiotop ist so hoch, dass die Pickfrequenz, die ein Maß für die Nahrungssuchintensität ist, unter der von anderen Studiengebieten lag, folglich ein Potenzial vorhanden ist, Störungen zu kompensieren). Von sitzenden Personen gehen wengier Störreize aus als von gehenden Erholungsuchenden. Hunde wirkten nur als geringer bzw. nicht als Störfaktor; dies ist überraschend, da der Einfluss von Hunden als Störfaktor in anderen Studien signifikant war. Aufgrund der geringen Fluchtdistanzen gehen die Autoren davon aus, dass sich ein Gewöhnungseffekt gegenüber Wanderern entwickelt hat; v.a. beim Brachvogel existierten jedoch Individuen mit deutlich vergrößerten Fluchtdistanzen.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 962) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

 

METHODEN

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Loughshore Park, Jordanstown, Co. Antrim (54°41"N 5°55"W), Großbritannien

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Zwischen dem 18. Juni und dem 8. August 1996 wurde von 2 Beobachtern 185 Stunden lang das Verhalten von Austernfischer, Großem Brachvogel und Rotschenkel beobachtet. Der Strand wurde über eine Untersuchungsstrecke von einem km in 5 verschiedene, parallel zur Wasserlinie verlaufende Bereiche bzw. von der Tide beeinflusste Zonen untergliedert, die sich in ihrer zeitlichen Verfügbarkeit und Qualität als Nahrungsbiotop unterschieden. Es wurde das ungestörte Verhalten und das Verhalten unter dem Einfluss von Störfaktoren (Ort und Anzahl von Personen und Hunden) beobachtet.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Ankunft und Wegflug der Vögel an den Rastplätzen bei hoher Tide. Nutzung der Strandzonen. Gestörtes Verhalten. Aufmerksamkeitsverhalten. Nahrungssuche (Pickrate pro Zeiteinheit). Beutefangrate. Verhalten gegenüber Störreizen. Vergleich von ungestörtem Verhalten mit Verhalten unter dem Einfluss von Störreizen.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Im Regelfall sind mehr als 5 Personen permanent vom Morgen bis zum späten Nachmittag anwesend. Die für die Nahrungssuche der Vögel bevorzugten Bereiche werden relativ selten von Personen zum Wandern etc. genutzt. Die größte Anzahl von Personen war zwischen 15.00 und 16.30 Uhr anwesend; sie stieg kontinuierlich bis ca. 15.30 Uhr an, um dann wieder abzusinken. Insgesamt wurden 319 Störereignisse notiert. Die Autoren schätzen die Anzahl der Störungen auf 3-4 / h.

 

 

ERGEBNISSE

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Austernfischer (Haematopus ostralegus)

  • Nutzung des Strandes:  Bei Anwesenheit von Strandbesuchern signifikant spätere Ankunft und früheres Verlassen als ohne Erholungsuchende.
  • Verhalten gegenüber Störungen (Wanderern): Verglichen mit dem Erwartungswert: häufigeres Weggehen; Stopp der Nahrungssuche und Wegfliegen weniger häufig als erwartet.
  • Fluchtdistanz (in Metern): Verglichen mit anderen Studien war die Fluchtdistanz relativ gering: 29±2 (n=53)

Grosser Brachvogel (Numenius arquata)

  • Nutzung des Strandes: Bei Anwesenheit von Strandbesuchern signifikant spätere Ankunft/Nutzung als ohne Erholungsuchende. Das Verlassen des Strandes wurde nicht von Erholungsuchenden beeinflusst.
  • Verhalten gegenüber Störungen (Wanderern): Verglichen mit Erwartungswert: häufigerer Stopp der Nahrungssuche; Weglaufen und Wegfliegen zu einem anderen Strandabschnitt weniger häufig als erwartet.
  • Fluchtdistanz (in Metern): Verglichen mit anderen Studien war die Fluchtdistanz relativ gering: 38±4 (n=41)

Rotschenkel (Tringa totanus)

  • Nutzung des Strandes: Bei Anwesenheit von Strandbesuchern spätere Ankunft und signifikant früheres Verlassen als ohne Erholungsuchende.
  • Verhalten gegenüber Störungen (Wanderern):Verglichen mit Erwartungswert: Weglaufen weniger häufig als erwartet.
  • Fluchtdistanz (in Metern): Verglichen mit anderen Studien war die Fluchtdistanz relativ gering: 37±4 (n=29)

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die Autoren verweisen darauf, dass v. a. im Winter, aufgrund einer veränderten Nahrungsverfügbarkeit, mit einem abweichenden Verhalten der Vögel zu rechnen sei.