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Fernandez, C. (1993): Human disturbance affects parental care of Marsh Harriers and nutritional status of nestlings

Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung   

 

SPORTARTEN

Angeln, Fischerei

 

INHALT

Die Autoren studierten die Effekte menschlicher Störungen auf das elterliche (Für-)Sorgeverhalten der Rohrweihe. Im Speziellen wurden Änderungen der Reproduktionsaktivitäten und der Ernährungszustand der Jungvögel unter zwei verschiedenen Störungsintensitäten sowohl in der Bebrütungsphase als auch der Nestlingsphase untersucht.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Bei Störungen wurde vor allem in der Bebrütungsphase weniger Beute übergeben, die Anwesenheit von Männchen und Weibchen im Bereich des Brutplatzes und am Nest war reduziert. Stressverhalten (Warnrufe, Vertreiben von anderen Vogelarten, Anteil von Flugaktivitäten an der Gesamtaktivität) stiegen an.

Die Jahresproduktivität der gestörten Paare unterschied sich jedoch nicht von der von nicht gestörten Paaren. Jedoch war der Blutharnstoff-Gehalt, der sich unter Hungerstress erhöht, bei gestörten Brutpaaren hochsignifkant höher als bei ungestörten.

Der Aufwand, die Jungen großzuziehen, ist erhöht. Generell werden in Störungssituationen Aktivitäten wie Nahrungsbeschaffung, Nestreparatur etc. reduziert und energieaufwendige Aktivitäten erhöht, die aber keinen unmittelbar nützlichen Beitrag zur Aufzucht der Jungen beisteuern. Vor allem bei den Weibchen, die die Hauptlast der Jungenaufzucht zu tragen haben, sind die Energiekosten deutlich erhöht.

Auch geringfügigere Störungen können langfristig wirkende Effekte auf den Lebensreproduktionserfolg von Vögeln haben, da ansteigende Energiekosten und für Nicht-Fortpflanzungsaktivitäten aufzuwendende Aktivitäten zu einer Reduzierung der Kondition der Nestlinge führen können.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 946) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

 

METHODEN

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Dos Reinos Lake, Ebro-Tal, Spanien

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

In einem Reservat (See mit angrenzendem Ufer) mit einer Größe von 21 ha, das 4,2 ha Röhrichtfläche (Schilf, Rohrkolben) enthielt, brüteten 11 Paare der Rohrweihe. Störungen gingen überwiegend von Fischern aus. Von den 11 Brutpaaren wurden 6 Paare am Nest gestört, 5 Paare blieben ungestört. Während 78 Tagen wurden 6 Brutpaare über insgesamt 549,5 Stunden beobachtet.

Störungen wurden wie folgt klassifiziert: intensiv (Fischer streiften durch das Röhricht), mittel (lärmende Spaziergänger/Fischer auf dem dicht am Ufer entlang verlaufenden Weg, Hütehunde, laute Fahrzeuge), gering (ruhige Wegebenutzer, nicht von Hunden gehütetes Weidevieh).

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

  • Fürsorgeverhalten der Eltern: Anteil der am Nest verbrachten Zeit, Anteil der Zeit am Brutplatz, Beuteübergaben pro Stunde.
  • Stressverhalten: Prozentualer Anteil der fliegend verbrachten Zeit in gestörten und ungestörten Zeitabschnitten, Alarmrufe pro Stunde, Verteidigungsflüge gegenüber niedriger als 30 m fliegenden und sich auf weniger als 50 m dem Nest nähernden Vögel.
  • Zeit, die nach dem Ende einer Störung benötigt wurde, um zum Nest zurückzukehren.
  • Das Verhalten wurde getrennt nach Brutphase (223,5 Stunden Beobachtungszeit), 1. Nestlingsphase (Tage 1-22) (189,5 Stunden Beobachtungszeit) , 2. Nestlingsphase (Tag 23-44 nach dem Schlüpfen) (136,5 Stunden Beobachtungszeit) und nach gestörten und ungestörten Phasen ausgewertet.
  • Der Bruterfolg der 6 gestörten (Paare im Einflussbereich von Wegen oder von zum Fischen benutzten Bereichen) wurde mit dem der 5 ungestörten Brutpaare verglichen.
  • Der Ernährungszustand der Nestlinge wurde anhand des Blutharnstoffgehaltes bewertet.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Brütende Rohrweihen im Röhricht eines Sees, das v. a. von Fischern zum Fang von Sumpflangusten (Procambarus clarkii) aufgesucht wurde.

 

 

 

ERGEBNISSE

EINWIRKUNGSDAUER

An Wochentagen: 5-10 Besucher pro Tag

An Wochenenden: 50-100 Besucher pro Tag

 

EINWIRKUNGSART

teils in unmittelbarer Nähe von Rohrweihennestern hantierend, teils nur die Wege benutzend

 

EINWIRKUNGSGRAD

 

  • intensiv (Fischer streifen durch das Röhricht)
  • mittel (lärmende Spaziergänger/Fischer auf dem dicht am Ufer entlang verlaufenden Weg, Hütehunde, laute Fahrzeuge)
  • gering (sich ruhig verhaltende Wegebenutzer, nicht von Hunden gehütetes Weidevieh).

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Rohrweihe (Circus aeruginosus)

  • Störungen traten in 10,9 % der Gesamtbeobachtungszeit auf (52,3 Stunden), davon 24,7 Stunden in der Brutphase, 12,6 Stunden in der Nestlingsphase 1 und 14,9 Stunden in der Nestlingsphase 2.
  • Menschliche Störungen führten zu Abwesenheitszeiten zwischen einer und 89 Minuten (x=17,9 min, SD 20,7; n=33). Es gab keinen Unterschied während der Bebrütungsphase und der 1. Nestlingsphase (zur 2. werden keine Angaben gemacht).
  • In Störungsphasen reduzierte sich die am Nest, am Brutplatz und im Revier verbrachte Zeit hochsignifikant (v. a. in der Bebrütungsphase). Der Störeffekt auf Männchen, die generell weniger Zeit am Brutplatz verbringen (somit auch reduzierte Störwahrscheinlichkeit), war geringer und nicht signifikant. Auch während der 1. Nestlingsphase war bei Störungen die verbrachte Zeit signifikant reduziert, während in ungestörten Phasen etwa 2/3 der verfügbaren Zeit am Nest wenigstens ein Elterntier bei den Jungvögeln anwesend war.
  • Die Fütterungshäufigkeit des Weibchens durch das Männchen war in Störungsperioden signifikant reduziert.
  • Ingesamt war die verfütterte Nahrungsmenge in Störungsphasen in den beiden Nestlingsphasen um 2/3 reduziert (in störungsfreien Phasen existierten keine Unterschiede zwischen den Brutplätzen, die entweder als gestört oder ungestört klassifiziert worden waren).
  • Eindringlinge in den Brutplatz wurden in Störungsphasen signifikant öfter angegriffen als in ungestörten Phasen.
  • In Störungsphasen stieg die Häufigkeit der Alarmrufe um das 20-fache an.
  • Das in Störungsphasen gezeigte Verhalten (u. a. hohe Kreisflüge) wird als sehr energieaufwendig interpretiert.
  • In Störungsphasen stieg der fliegend verbrachte Zeitanteil um das 3-fache bei Männchen (signifikant nur während der Bebrütungsphase) und um das 10-fache bei Weibchen (hochsignifikant in allen Phasen) an.
  • Es wurde kein Unterschied im Bruterfolg zwischen den Brutplätzen, die entweder als gestört oder ungestört klassifiziert worden waren, festgestellt. Jedoch konnte eines der 11 Brutpaare keine Jungen, aufgrund der permanenten Störungen durch Fischer, großziehen.
  • Der Blutharnstoffgehalt von 32 untersuchten Küken unterschied sich nicht signifikant zwischen männlichen und weiblichen Küken, der Reihenfolge des Schlupfes oder der Größe des Geleges. Jedoch waren die Unterschiede zwischen Küken aus gestörten (x=13,9, SD 3,9; n=16) und ungestörten Nestern (x=10,1, SD 3,2; n=16) hochsignifikant.