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Franceschina-Zimmerli, Ruth (1995):Das Verhalten von Alpenmurmeltieren (Marmota m. marmota) unter dem Einfluss eines unterschiedlich starken Wanderbetriebes

Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung   

 

SPORTARTEN

Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Durch das vorübergehende Einstellen der Sesselbahn Grindelwald-First im August 1991 bot sich die Möglichkeit, bei Murmeltieren entlang der Wege zu prüfen, wie sich unterschiedlich starker Wanderbetrieb auf ihren Aufenthalt im Bau und im Nahrungsgebiet auswirkt. Weiterhin sollte festgestellt werden, ob es tatsächlich Unterschiede in der morgendlichen Aktivität der Tiere entlang und abseits der Wege gibt und ob sie sich nach dem Einsetzen des Betriebes aus den wegnahen Bereichen verziehen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Murmeltiere entlang der Wege erscheinen am Morgen früher außerhalb des Baus und gehen rascher vom Bau weg zur Nahrungsaufnahme als jene abseits der Wege. Der einsetzende Wanderer-Betrieb hat dann zur Folge, dass sich die Tiere vom Weg weg verziehen, häufig die Baue aufsuchen und sich in oder bei diesen aufhalten, statt von ihnen entfernt Nahrung aufzunehmen. Damit wird bestätigt, dass das Verhalten der Murmeltiere durch den starken Wanderbetrieb erheblich eingeschränkt wird, wie sich bereits aus dem Vergleich zwischen den Tieren entlang und abseits der Wege ergeben hatte (Neuhaus et al. 1989).

Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung zeigen aber auch, dass die Tiere ihre Nahrungsaufnahme offensichtlich in die frühen Morgenstunden verlegen. Beobachtungen weisen darauf hin, dass ein zeitliches Ausweichen auch für die Abendstunden gilt, wenn nur noch wenige Wanderer im Gebiet sind. Durch das Ausweichen in die Randstunden können die Tiere die Einschränkung der Nahrungsaufnahme bei starkem Betrieb mindestens teilweise kompensieren. Bei einer zeitlichen Ausdehnung des Betriebes wäre dies kaum mehr möglich.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 292) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

METHODEN

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

First, Grindelwald, Schweizer Alpen

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Im Untersuchungsgebiet leben in ca. 120 Gruppen rund 1000 Alpenmurmeltiere. Die Territorien dieser Gruppen grenzen teils an stark begangene Wege, teils liegen sie abseits von ihnen in wenig begangenen Gebietsabschnitten. In die vorliegenden Untersuchungen wurden 25 Murmeltiergruppen einbezogen.

(a) Wieviele Tiere halten sich entlang der Wege während des Tages bei starkem und schwachem Wanderbetrieb außerhalb der Baue auf und wie viele beschäftigen sich mit Nahrungsaufnahme?

(b) Wieviele Tiere befinden sich am Morgen vor und nach Einsetzen des Wanderbetriebes außerhalb der Baue und wie groß sind die Abstände zu diesen und zum Weg? Wieviele Tiere befinden sich zu gleichen Zeitpunkten abseits der Wege außerhalb der Baue und wie groß sind ihre Abstände zum Bau?

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bei drei Murmeltiergruppen entlang der Wanderwege wurde vor und nach der Einstellung der Bahn je eine Ganztagsbeobachtung durchgeführt. In 5-Minuten-Intervallen wurde die Zahl der sichtbaren Tiere und deren Aktivität festgehalten. Daraus konnte der Anteil der sich außerhalb der Baue und bei der Nahrungsaufnahme befindenden Tiere ermittelt werden. Zusätzlich wurde die Anzahl der Wanderer erhoben.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Zu (a): Das vorübergehende Einstellen der Sesselbahn im Sommer 1991 hatte einen Rückgang des Wanderbetriebes von bis zu 2000 Wanderern auf max. 200 Wanderer pro Tag zur Folge.

Zu (b): Morgens um ca. 8 und um 10 Uhr, d. h. vor und nach dem Einsetzen des Betriebes, wurde bei je zwölf Gruppen entlang und abseits der Wege der Standort aller Tiere ermittelt und in einen Plan eingetragen. Gleichzeitig wurde die Zahl der sich außerhalb der Baue aufhaltenden Tiere ermittelt.

 

ERGEBNIS

EINWIRKUNGSART

Wanderer

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Murmeltier:

  • Bei 2 von 3 untersuchten Murmeltiergruppen hielten sich bei starkem Betrieb im Verlauf des Tages signifikant (bei der dritten Gruppe tendenziell) weniger Tiere außerhalb der Baue auf als bei schwachem Betrieb.
  • Bei starkem Betrieb waren in einer der untersuchten Gruppen signifikant (bei den anderen tendenziell) weniger Tiere am Fressen als bei schwachem Betrieb (Wilcoxon-Rangsum-mentest; T=93,5, n=14, p <0,05, einseitig; korrigiert nach Bonferroni).
  • Entlang der Wanderwege befanden sich bei der ersten Zählung vergleichsweise mehr Tiere außerhalb der Baue (Mann-Whitney-U-Test; U=89, n,=11, n2=10, p <0,02, zweiseitig) und weiter von ihnen entfernt im Nahrungsgebiet als zum gleichen Zeitpunkt in Murmeltiergruppen abseits der Wege, wo viele Tiere noch beim Bau zu beobachten waren.
  • Vor dem Einsetzen des Wanderbetriebes hielten sich bei Murmeltiergruppen entlang der Wege die Tiere näher beim Wanderweg auf als danach (Wilcoxon-Rangsummentest; T=44, n=10, p=0,04, einseitig).