Bundesamt für Naturschutz

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Boomers, Jan (2005) Naturschutzfachliche Rahmendaten zur Lenkung des Kanu- und Angelsports im FFH-Gebiet

Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Andere Freizeitaktivitäten, Angeln, Kanu, Kajak, Wassersport

 

INHALT

Aufgrund verbesserter Wasserqualität sind in den letzten Jahren zahlreiche Fisch- und Vogelarten sowie wasserlebende Pflanzen an die Wupper zurückgekehrt. Gleichzeitig stieg auch das Interesse der Bevölkerung an Freizeitaktivitäten auf oder an der Wupper. Neben Angeln, Baden oder Reiten hat insbesondere der Kanusport einen erhöhten Zulauf erfahren.

Aus diesem Grund haben die Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal die Biologische Station Mittlere Wupper mit einem Gutachten zur Beurteilung des Wupperabschnittes zwischen Müngsten und Müllerhof aus naturschutzfachlicher Sicht beauftragt. So werden Fragen zu ökologischen Beeinträchtigungen in Form von Störungen der Flora und Fauna sowie daraus abzuleitende Lenkungsmaßnahmen des Kanusports und Angelns behandelt.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Aus den Untersuchungsergebnissen ergeben sich folgende Empfehlungen zur Lenkung des Kanu- und Angelsports:

Zum Schutz der Flusssohle sollte auf das Angeln im Fluss weitgehend verzichtet werden. An besonders sensiblen Stellen mit Wasserpflanzen sollte das Angeln im Gewässer untersagt werden.

Zum Schutz der Vögel sollte innerhalb des untersuchten Abschnittes der Wupper eine tageszeitliche Beschränkung der Befahrung auf 10.00–15.30 Uhr (Winterzeit) bzw. 09.00–19.00 Uhr (Sommerzeit) zur Vermeidung von Störungen in der Dämmerung erfolgen. Für besonders sensible Bereiche wie Brutplätze oder Schlafplätze eines Teilabschnitts sollte ein generelles Befahrungsverbot von Mitte November bis Mitte Mai gelten.

Des Weiteren können Störungen durch folgende Verhaltensregeln für Kanuten vermindert werden: Maximal vier Personen pro Boot (Schutz der Flusssohle durch weniger Tiefgang), zügiges Fahren (d. h. kein Aufwärtspaddeln), Ein- und Aussteigen nur an ausgewiesenen Stellen, Bootsgruppen sollten im Verband fahren (Studien haben gezeigt, dass beispielsweise der Eisvogel kurze heftige Störungen eher toleriert als viele kleine). Ruheperioden zur Nahrungssuche können außerdem durch eine mengenmäßige Beschränkung von Booten erreicht werden.

Vermeidung von Schädigungen der Unterwasservegetation und der Fischlaichgründe durch Befahrung erst ab einem Mindestwasserstand von 55cm und umsichtiges Umfahren extrem flacher Gewässerabschnitte. Auch sollten gewerbliche oder durch Kanuverbände angebotene Kanutouren nur mit ausgebildeten und naturschutzfachlich informierten Führern erlaubt werden.

 

Anmerkung:

Das Gutachten war eine der Fachgrundlagen für eine verbindliche Regelung des Kanusports auf der Wupper unter Mitwirkung von Beteiligten aus Naturschutz, Gewässerschutz und Kanusport. Siehe dazu auch Konfliktlösung Regelungen zum Wassersport auf der Wupper

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2993) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

METHODEN

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Wupper und angrenzende Uferbereiche von der Straßenbrücke Müngsten (Flusskilometer 32,47) bis zum Verlassen des Solinger Stadtgebietes bei Horn (Flusskilometer 13,79). Der Großteil des untersuchten Gewässerabschnittes liegt im FFH -Gebiet DE 4808-301 „Wupper von Leverkusen bis Solingen“, NRW.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Zustandserfassung von Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräumen an der Wupper. Anschließend aus den Untersuchungsergebnissen abzuleitende Maßnahmen zur Lenkung des Kanu- und Angelsports.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Kartierung vorkommender Unterwasservegetation, insbesondere in flacheren Bereichen unter 50 cm, in denen Auswirkungen durch Bootsverkehr schwerpunktmäßig möglich sind Kartierung und Bewertung von Steilwänden als Brutplatz des Eisvogels in optimale, suboptimale und ungeeignete Steilwände Kartierung von Still- und Flachwasserzonen, die für den Fischartenschutz relevant erschienen.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Literaturauswertung von störökologischen Studien zu den untersuchten Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräumen und anschließende Übertragung der Ergebnisse auf die lokalen Gegebenheiten an der Wupper.

 

 

ERGEBNIS

EINWIRKUNGSDAUER

Keine Angaben

 

EINWIRKUNGSART

Störungen durch Kanu- und Angelsport

 

EINWIRKUNGSGRAD

Unterschiedlich in Abhängigkeit von Teilbereichen der Wupper. So rät beispielsweise der Deutsche Kanuverband in einer Freiwilligen Selbstverpflichtung vom Befahren eines Abschnittes ab, andere sollen nur bei einem gewissen Mindestwasserstand befahren werden.

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Eisvogel:

  • Störung bei der Nahrungssuche, da kaum Ausweichgewässer vorhanden sind.

Weitere Vogelarten:

  • Rastende Kormorane (vor allem zwischen August und März) können bei Störungen in der Dämmerung von ihren Schlafplätzen vertrieben werden. Wiederholtes Aufscheuchen der Vögel führt durch erhöhten Energieverbrauch gleichzeitig zu einem erhöhten Nahrungsbedarf
  • Störung überwinternder Gänsesäger

Unterwasservegetation:

  • Beschädigung oder Zerstörung von Wasserpflanzen durch Grundberührung mit Paddeln oder Booten insbesondere in Flachwasserzonen.

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Störökologische Aspekte zum Kanusport wurden aus vorhandenen Studien entnommen und auf die spezifischen, lokalen Gegebenheiten an der Wupper übertragen. Das Gutachten ist somit speziell auf den untersuchten Gewässerabschnitt ausgelegt.

 

BEMERKUNGEN

Keine Angaben