Bundesamt für Naturschutz

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Bruderer, Bruno; Komenda-Zehnder, Susanna (2005): Einfluss des Flugverkehrs auf die Avifauna - Schlussbericht mit Empfehlungen

Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Ballonfahrt, Drachenflug/Gleitschirmflug (=Hängegleiter), Luftsport, Modellflug, Motorflug, Segelflug, Ultraleichtflug

 

INHALT

Die Ergebnisse einer bereits im Jahr 2002 veröffentlichten Literaturstudie (Einfluss des Flugverkehrs auf die Avifauna - Literaturstudie) werden in diesem Schlussbericht mit den Resultaten einer experimentellen Studie zu Reaktionen von Wasservögeln auf Überflüge von Flugzeugen sowie mit einer Reihe von Einzelbeobachtungen hinsichtlich der Reaktion verschiedener Vogelarten auf Flugkörper ergänzt und kombiniert. Abschließend werden Empfehlungen zur Verminderung von Störungen durch Flugverkehr gegeben.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die Ergebnisse zeigen, dass bei Luftfahrtzeugen jeglicher Art besonders eine geringe Flughöhe entscheidend für die auftretende Störwirkung bei Vögeln ist. Hohe Schallpegel können diese Wirkung zusätzlich verstärken. Seltene Ereignisse, wie etwa Luftschiffe (Zeppeline) oder Heißluftballons, können allein durch ihre optische Erscheinung Fluchtreaktionen auslösen.

Insgesamt scheinen sich Vögel zwar an regelmäßigen Flugverkehr gewöhnen zu können, ungewohnte Flugobjekte oder Ereignisse führen aber zu erheblichen Störungen, insbesondere bei Flughöhen unter 450 Metern.

Anhand der gewonnen Ergebnisse lassen sich konkrete Empfehlungen zur Reduktion von Störungen in der Schweiz ableiten. Überflugverbote sind dabei zwar die sicherste Maßnahme, aufgrund der Kleinräumigkeit der Schweiz aber kaum durchführbar und schließen außerdem für die Vogelwelt irrelevante Flughöhen mit ein. Weitaus sinnvoller ist demnach eine Minimalflughöhe von 450 Metern für Helikopter und 300 Metern für alle übrigen Luftfahrtzeuge über empfindlichen Gebieten sowie ein seitlicher Mindestabstand von 500 Metern Radius ab Gebietsgrenze als Pufferzone. Starts und Landungen abseits von Flugplätzen sowie Modellflugzeuge würden somit explizit von den Gebieten ferngehalten. Saisonale Einschränkungen des Flugbetriebs und Freiwillige Flugregeln können das Schutzkonzept zusätzlich lokal ergänzen.

 

BEZUG/QUELLE

Sie können diese Publikation direkt beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) unter docu@bafu.admin.ch bestellen oder aus der Publikationsliste als PDF downloaden.

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3036) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

METHODEN

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Die Experimente zur Reaktion von Wasservögeln auf Überflüge von Flugzeugen wurden an verschiedene Seen im schweizerischen Mittelland durchgeführt. Dabei wurden Seen mit unterschiedlichen Vogelansammlungen und unterschiedlichen bereits vorhandenen anderen Störungen ausgewählt: Untersee, Wohlensee und Aarestau Niederried in der Region Bern sowie Sempacher- und Hallwilersee im zentralen Mittelland.

Die Einzelbeobachtungen wurden aus verschiedenen Regionen der Schweiz zusammengetragen.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Die Ergebnisse einer bereits im Jahr 2002 veröffentlichten Literaturstudie (Einfluss des Flugverkehrs auf die Avifauna - Literaturstudie) wurden ergänzt und kombiniert mit einer experimentellen Studie zur Reaktion von Wasservögeln auf Überflüge von Flugzeugen sowie mit einer Reihe von Einzelbeobachtungen hinsichtlich der Reaktion verschiedener Vogelarten auf Flugkörper (Motorflugzeuge, Helikopter, Luftschiffe, Heißluftballons).

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Experimentelle Studie:

Untersuchung der Störwirkung von Überflügen auf Vögel in Abhängigkeit


-der Flughöhe mit

1. Abnehmender Höhe: 600 - 450 - 300 - 150 - 80 Metern

2. Konstanter Höhe: 150 oder 80 Meter

3. Variierender Höhe: 450, 300, 150 oder 80 Meter


- des Luftfahrtzeugtyps

1. Kleinflugzeug mit etwas über 8 m Länge und etwas über 10 m Spannweite

2. Helikopter mit etwas über 7 m Länge und über 8 m Rotordurchmesser

- des Ortes

- der Vogelart

Die Reaktion der Vögel wurde dabei in folgende Kategorien eingeteilt:

- Entspanntes Verhalten (Ruhen, Federpflege, Fressen)

- Unruhiges Verhalten (Aufmerken, Schwimmen, Tauchen, Auffliegen)

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Für die experimentelle Studie zu Überflügen wurden überwinternde Wasservögel ausgewählt, da sie sich in großen Schwärmen auf offenen Wasserflächen aufhalten und somit Voraussetzungen für hindernisfreie An- und Überflüge mit Flugzeugen und Helikoptern gegeben sind und das Verhalten der Vögel gut beobachtbar ist. Des Weiteren sind Vögel während ihres Zuges in die Winterquartiere in der Regel mobiler als beispielsweise während der Brutzeit und zeigen somit eher erkennbare Reaktionen. Aufgrund der hohen Individuenanzahl ist es außerdem zusätzlich möglich, prozentuale Anteile von reagierenden bzw. nicht reagierenden Vögeln zu schätzen und somit die Aussagekraft der Ergebnisse im Vergleich zu Einzelbeobachtungen zu erhöhen.

Für gezielte Einzelbeobachtungen wurde zum einen bestehende Anlagen (Flugfeld) oder geplante Flüge (Flugveranstaltung, Transportflüge) genutzt, zum anderen wurden mittels einer Umfrage bei Mitarbeitern der Schweizerischen Vogelwarte Zufallsbeobachtungen gesammelt.

 

ERGEBNISSE

EINWIRKUNGSDAUER

Bei guten Wetterbedingungen wurden die Überflüge vier bis sechs Mal über den gleichen Wasservögeln in 15 min Intervallen wiederholt.

 

EINWIRKUNGSART

Akustisch und visuell

 

EINWIRKUNGSGRAD

Unterschiedlich in Abhängigkeit von Flughöhe, Luftfahrtzeugtyp, Ort und Vogelart.

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Wasservögel (Experimentelle Studie) Helikopter haben generell größere Störeinwirkung als Kleinflugzeuge
Erst bei Höhen über 450 Metern rufen Helikopter keine wesentliche Verhaltensänderung hervor, Kleinflugzeuge bereits ab 300 Metern
das Verhalten der Artgruppen (Gründelenten, Tauchenten, Sonstige) unterschied sich nicht wesentlich. Es ist aber anzunehmen, dass beispielsweise Gänse oder Limikolen sensibler reagieren
Vögel in der Nähe von Flugplätzen (Einzelbeobachtungen) hohes Gewöhnungspotenzial, allerdings mit dem einschränkenden Hinweis, dass sich dort auch nur Vögel aufhalten, die sich an den Flugbetrieb gewöhnen konnten. Aussagen über Arten und Individuenanzahl ohne flugbedingte Störungen können nicht getroffen werden
außergewöhnlich tief fliegende oder laute Flugzeuge haben die größte Störeinwirkung
Reaktionen von Vögeln auf Luftschiffe (Einzelbeobachtungen) Luftschiffe sind in der Schweiz nur sporadisch zu sehen, somit ist eine Gewöhnung der Vögel schwierig
Obwohl sie vergleichsmäßig leise sind, genügt doch offenbar der optische Reiz der ungewöhnlichen Größe, um bei Wasservögeln Fluchtreaktionen auszulösen
Reaktionen von Vögeln auf Heißluftballons (Einzelbeobachtungen) chwieriger Gewöhnungseffekte durch unregelmäßiges Auftreten
bei geringen Höhen führen der Überraschungseffekt beim plötzlichen Auftauchen über Kuppen oder Wäldern sowie das Zünden des Brenners zu Schreckreaktionen der Vögel

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die Autoren merken an, dass die Ergebnisse ihrer experimentellen Studie repräsentativ für die schweizerischen Mittellandseen sein dürften. Die zusammengetragenen Einzelbeobachtungen allerdings können als Zufallsbeobachtungen nicht verallgemeinert werden.

 

BEMERKUNGEN

Keine Angaben