Bundesamt für Naturschutz

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Bruderer, Bruno; Komenda-Zehnder, Susanna (2002): Einfluss des Flugverkehrs auf die Avifauna - Literaturstudie

Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Ballonfahrt, Drachenflug/Gleitschirmflug (=Hängegleiter), Luftsport, Modellflug, Motorflug, Segelflug, Ultraleichtflug

 

INHALT

Als ersten Teil eines vom Bundesamt für Umwelt (vormals Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft) und vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) in der Schweiz initiierten Forschungsprojektes in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach über die Auswirkungen der Luftfahrt auf die Vogelwelt tragen die Autoren in der vorliegenden Arbeit weltweit verfügbare Kenntnisse zusammen. Mit Hilfe einer ausgedehnten Literaturrecherche zeigen sie Umstände auf, die beim Auftreten eines Flugobjektes unmittelbare Reaktionen von Vögeln auslösen, und beschreiben Störreaktionen sowie daraus abzuleitende Konsequenzen. Des Weiteren gehen sie den Fragen nach, welche Maßnahmen die Störwirkung von Luftfahrzeugen reduzieren können und welche Überflugbestimmungen in verschiedenen Ländern gelten.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die Ergebnisse der Recherche zeigen, dass Luftfahrzeuge in unterschiedlichen Situationen Reaktionen auslösen, die von der Beobachtung des Flugzeugs durch den Vogel bis zum Fluchtverhalten und Verlassen des Lebensraums führen können. Wie stark die jeweilige Reaktion ausfällt hängt dabei sowohl von Situation, Vogelart und Luftfahrzeug ab. Langzeitwirkungen werden in der verfügbaren Literatur meist nicht untersucht, können aber den Verlust von Lebensräumen und reduzierten Fortpflanzungserfolg beinhalten. Vielfach beobachtete Gewöhnungseffekte können sich insbesondere in der Nähe von Flugplätzen sowohl für die Luftfahrt (Vogelschlag) als auch für die Vögel manchmal als problematisch erweisen.

Dieser Literaturstudie folgten eine experimentelle Studie zur Reaktion von Wasservögeln auf überfliegende Flugzeuge sowie die Dokumentation verschiedener Einzelbeobachtungen von Störreaktionen verschiedener Vogelarten auf Flugkörper, die im Jahr 2005 in einem Schlussbericht mit Empfehlungen zur Reduktion von Störwirkungen für die Schweiz veröffentlicht wurden.

 

BEZUG/QUELLE

Sie können diese Publikation direkt beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) unter docu@bafu.admin.ch bestellen oder aus der Publikationsliste als PDF downloaden.

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3035) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

METHODE

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Weltweit

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Im Rahmen einer Literaturrecherche wurden etwa 190 Publikationen über die Störwirkung von zivilen und militärischen Luftfahrzeugen jeglicher Art auf Vögel zusammengefasst.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Die Literaturrecherche wurde unter folgenden Fragestellungen durchgeführt:

  • Welche Umstände bewirken, dass das Auftreten eines Flugobjektes zu einer unmittelbaren Reaktion der Vögel führt?

  • Wie reagieren die Vögel auf Störreize durch Flugverkehr?

  • Welches sind die Konsequenzen aus diesen Reaktionen?

  • Welche Maßnahmen reduzieren die Störwirkung von Luftfahrzeugen?

  • Welche Überflugbestimmungen gelten zurzeit in verschiedenen Ländern?

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Der Begriff Luftfahrzeug umfasst in dieser Studie sämtliche Flächenfahrzeuge (inkl. Segelflugzeuge und Motorsegler), Helikopter, Ballone und Luftschiffe. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den ersten beiden Kategorien.

 

ERGEBNISSE

EINWIRKUNGSDAUER

Keine Angaben

 

EINWIRKUNGSART

Akustisch und visuell.

Ein Störobjekt kann dabei entweder angeborene Auslösemechanismen oder Feindbilder ansprechen (so haben beispielsweise Modellflugzeuge wegen ihrer Ähnlichkeit mit Greifvögeln ein hohes Störpotenzial) oder es kann durch seine Größe und/oder Unbekanntheit sowie durch einen Überraschungsmoment Angstreaktionen auslösen (z.B. Heißluftballone oder Luftschiffe).

 

EINWIRKUNGSGRAD

Die Reaktionen der Vögel hängen stark von der jeweiligen Situation, der Vogelart und vom Luftfahrzeug ab, so dass art- bzw. ortstypische sowie jahres- und tageszeitliche Unterschiede auftreten können. Optische Reize scheinen stärker zu wirken als akustische, beide zusammen können in Kombination den Störeffekt noch verstärken. Mit abnehmender Distanz zur Störquelle nimmt die Störwirkung zu, des Weiteren kann sich die Wirkung durch Gewöhnung auch verändern.

  • Vergleiche zwischen Luftfahrzeugen
  • Modell- und Ultraleichtflugzeuge verursachen im Kurzdistanzbereich die stärksten Auswirkungen
  • Größere Flugzeuge wirken auf größere Distanz
  • Am stärksten wirken Helikopter, dann in absteigende Reihenfolge Kleinflugzeuge, Kampfjets und Transportflugzeuge
ART DER BEEITRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Energie- und Zeitbudget In verschiedenen Fällen wurde eine erhebliche störungsbedingte Beeinträchtigung des Zeit/Energiebudgets festgestellt. Zeitverluste wurden zum Teil durch Verminderung von Ruhephasen kompensiert
Wenn Vögel aufgrund von Störungen auffliegen, ergeben sich hohe Energieverluste; die Zeit bis zur Wiederaufnahme der vorherigen Aktivität (z.B. Nahrungsaufnahme) kann erheblich sein
Raumnutzung Wenn aufgrund von Störungen gewisse Gebiete nicht mehr oder zeitlich nur eingeschränkt genutzt werden können, geht durch die Störung Lebensraum verloren
Bruterfolg Störungsbedingtes Verlassen der Nester kann zum Absterben der Eier oder Jungen durch Auskühlen führen
Panikartiges Verlassen der Nester kann zur Beschädigung bzw. Verletzung von Eiern oder Jungen führen
Ungeschützte Nester sind verstärkt Räubern ausgesetzt
Überleben Auch Altvögel können infolge Störung erhöhter Unfallgefahr oder Räubern ausgesetzt sein
Energieverluste können sich in späteren Lebensphasen negativ auswirken
Gewöhnung Gewöhnungseffekte sind häufig in der Literatur beschrieben und finden scheinbar relativ rasch an akustische Reize statt
Sowohl Häufigkeit als auch Regelmäßigkeit von Überflügen spielen bei der Gewöhnung eine Rolle, bei Modellflugzeugen und überraschend auftretenden
Kleinflugzeugen scheinen Gewöhnungseffekte nur eingeschränkt möglich

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die Arbeit bietet aufgrund ausgedehnter Recherche einen Gesamtüberblick über weltweit verfügbare Kenntnisse zu Störeffekten von Luftfahrzeugen auf Vögel.

 

BEMERKUNGEN

Aus methodischen Gründen werden meist nur die sichtbaren Reaktionen von Individuen erfasst, während physiologische Reaktionen und Konsequenzen auf Populationsebene nur selten quantifiziert werden können.