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Büker, Antje; Scheibe, Klaus Manfred (2001): Die Beobachtbarkeit von Rehen (Capreolus capreolus) in touristisch und jagdlich unterschiedlich genutzten Gebieten

Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Jagd, Landsport, Wandern/Geländelauf

 

INHALT

Bereits seit mehreren Jahrzehnten wird in deutschen Wirtschaftwäldern versucht durch Jagd die Rehpopulation zu regulieren, da die Tiere erhebliche Verbissschäden und somit ökonomische Einbussen verursachen können. Starker Besucherverkehr wird in diesem Zusammenhang oftmals dafür verantwortlich gemacht, dass er die Jagd erschwere, da die Tiere immer scheuer würden und tagsüber in deckungsreiche Gebiete auswichen. Anhand dreier Forschungsprojekte wurde deshalb untersucht, inwieweit sich Naherholung und Jagd auf das Raum-Zeit-Verhalten und somit auch auf die Beobachtbarkeit von Rehen auswirken.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Die Ergebnisse zeigen, dass der Einfluss des Besucherverkehrs auf das Verhalten der Rehe entscheidend von der Landschaftsstruktur abhängt, und dass sich das Besucheraufkommen nicht zwingend negativ auf die Beobachtbarkeit von Rehen auswirkt. Tiere, die von klein auf die Möglichkeit haben, sich an für sie harmlose Erholungssuchende zu gewöhnen, lernen deren zeitliches und räumliches Verhalten einzuschätzen und ihr eigenes Verhalten entsprechend anzupassen. In Gebieten ohne regelmäßiges Besucheraufkommen fehlen solche Erfahrungswerte, weshalb die Tiere deutlich empfindlicher auf Menschen reagieren. Somit kommt dem Besucherverkehr nicht unbedingt eine indirekte Beeinträchtigung der Jagd zu, die sich in wachsender Scheuheit der Rehe zeigt, sondern vielmehr eine direkte Jagderschwerung aus Sicherheitsgründen. Das Wild ist zwar für den Jäger sichtbar, ein Schuss kann aber trotzdem nicht möglich sein, da eine Gefährdung dritter nicht ausgeschlossen werden kann.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3024) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

METHODE

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Die Untersuchungen wurden in drei Gebieten durchgeführt, die sich hinsichtlich ihrer Besucherfrequenz, ihrer Landschaftsstruktur und der jeweiligen Jagdintensität voneinander unterschieden:

Berlin-Buch, ein 330 ha großes Teilstück des ehemaligen Rieselfelder Buchs, mit einem dichten Wegenetz und hohem Jagddruck. Kleinere und größere Offenflächen, Aufforstungen, Strauchbestände und Wasserstellen sind die vorherrschenden Landschaftselemente.

Lieberose in Brandenburg, ein 2.770 ha großes Teilstück des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lieberose, ohne öffentlichen Besucherverkehr, in dem die Jagd die einzige regelmäßig ausgeübte menschliche Tätigkeit ist. Das Gebiet ist durch ausgedehnte Kiefernbestände geprägt, welche durch ein Randbiotop mit Seen und Mooren von der eigentlichen Truppenübungsfläche getrennt sind.

Ein 1.250 ha großes Teilstück des durch Kiefernmonokultur geprägten Forstreviers Hangelsberg in Brandenburg mit, insbesondere in den Sommermonaten, hohem Besucheraufkommen und im Vergleich zu den beiden anderen Untersuchungsgebieten nur moderatem Jagddruck.

Im Schnitt belief sich die Rehwilddichte in allen Gebieten auf ca. 15 Tiere pro 100 ha.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Auf festgelegten, fünf bis sechs Kilometer langen Beobachtungstouren innerhalb von Teilbereichen der drei Gebiete wurden mehrmals wöchentlich zu verschiedenen Tageszeiten alle beobachtbaren Rehe und Menschen protokolliert und kartiert.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Raum-Zeit-Verhalten der Rehe.

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Die ausgewählten Teilbereiche unterschieden sich hinsichtlich ihrer Landschaftsstruktur, von deckungsarm bis deckungsreich, und ihres Besucheraufkommens. Zur Analyse der Ergebnisse wurden anschließend die mittlere Anzahl der Sichtungen von Rehen und Menschen aller Touren pro Tag bzw. pro Tourenstunde herangezogen.

 

ERGEBNISSE

EINWIRKUNGSDAUER

Keine Angaben

 

EINWIRKUNGSART

Naherholung und Jagd.

 

EINWIRKUNGSGRAD

Unterschiedlich hinsichtlich der einzelnen Untersuchungsgebiete und der jeweiligen Landschaftsstruktur.

 

TIERART

Rehe

 

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Rehe in intensiv bejagten Gebieten passten ihr Raum-Zeit-Verhalten den Jagdphasen an, indem sie während der Jagdzeiten heimlicher lebten als in Schonzeiten. Als entscheidender Faktor zum Einfluss des Besucherverkehrs ließ sich die Landschaftsstruktur ausmachen. Eine abwechslungsreiche Mosaikstruktur konnte den störenden Einfluss deutlich vermindern.

Außerdem ließ sich feststellen, dass die Rehe in Naherholungsgebieten eine hohe Anpassung an den Besucherverkehr zeigten, während sie in ausschließlich jagdlich genutzten Gebieten überdurchschnittlich häufig mit panischer Flucht auf Menschen reagierten.

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die Autoren führen weitere Studien an, die ebenfalls zu dem Ergebnis kommen, dass Rehe sich landschaftsabhängig gut an regelmäßigen Besucherverkehr gewöhnen können, auf Jagd allerdings empfindlich reagieren.

 

BEMERKUNGEN

Keine Angaben