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Birrer, Simon; Graf, Roman (2004): Golfplätze als Lebensraum für Brutvögel

Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer

 

SPORTARTEN

Golf

 

INHALT

Zunehmender Golfsport und insbesondere die Anlage immer weiterer Golfplätze führen auch vermehrt zu Konflikten mit naturschutzfachlichen Interessen. Seitens des Naturschutzes wird dabei oft auf den Verlust naturnaher Lebensräume hingewiesen, während Golfbefürworter auf die Schaffung neuer Lebensräume auf Golfplätzen verweisen. Zur Beurteilung der ökologischen Auswirkungen von Golfplätzen lassen sich sehr gut Vogelvorkommen heranziehen, da sie leicht erforschbar sind und gute Rückschlüsse über den Zustand eines Gebietes zulassen.

Die Autoren der vorliegenden Publikation wollen in diesem Zusammenhang zum einen den aktuellen Wissensstand über das Thema Vögel und Golfplätze aufzeigen und auf mögliche Wissenslücken hinweisen, zum anderen wollen sie eine Beurteilung der Eignung von Golfplätzen, insbesondere auf vormals landwirtschaftlich genutzten Flächen, als Vogellebensraum aufzeigen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Bisher sind wenige Studien zum Thema Vögel auf Golfplätzen in Mitteleuropa veröffentlicht, nur in fünf Fällen konnte ein Vergleich mit der Umgebung bzw. mit dem Ausgangszustand vor dem Bau des Platzes herangezogen werden. Populationsökologische Studien auf Golfplätzen fehlen vollständig.

Bei der Berücksichtigung ökologischer Kriterien bei Golfplatzplanung und –pflege können Golfplätze auf vormals intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen die Situation für bestimmte Vogelarten durchaus verbessern. Insbesondere Hecken und Gewässer bewohnende Arten können von den ökologischen Ausgleichsflächen der Plätze profitieren.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3011) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

 

Methoden

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Die Literaturrecherche beschränkte sich auf Golfplätze in Mitteleuropa, vorwiegend auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die zusätzlichen, eigenen Brutvogel-Bestandsaufnahmen wurden auf folgenden drei Golfplätzen in der Schweiz durchgeführt:

- Golfplatz Sempachersee im Kanton Luzern (erbaut 1993/1994)

- Golfplatz Holzhäusern im Kanton Zug (erbaut 1994/1995)

- Golfplatz Dietschiberg im Kanton Luzern (erbaut 1904)

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Literaturrecherche zum aktuellen Wissensstand über das Thema Vögel und Golfplätze sowie eigene Bestandserfassungen von Brutvögeln auf drei Anlagen mit dem Ziel, die Eignung von Golfplätzen als Vogellebensraum zu beurteilen und Wissenslücken aufzudecken.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Entwicklung des Brutvogelbestandes anhand der Revierkartierungsmethode. Aufgrund der Tatsache, dass der Bestand vieler Vogelarten auch ohne Veränderungen des Lebensraums von Jahr zu Jahr schwanken kann, wurden nur Bestandsunterschiede von mindestens 30% und mindestens zwei Revieren in die Ergebnisdarstellung aufgenommen. Einzige Ausnahme dieser Regelung bildeten neu entstandene oder verschwundene Lebensräume, die für eine Art essentiell sind.

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

  • Zum Golfplatz Sempachersee liegen Daten über die Ausgangslage vor dem Golfplatzbau (1993) und Daten aus dem siebten Spieljahr (2001) vor
  • Zum Golfplatz Holzhäusern liegen Daten aus den Spieljahren eins, vier und sechs (1996, 1999, 2001) vor, außerdem wurden zum Vergleich in allen drei Jahren Brutbestände einer Fläche in unmittelbarer Umgebung des Platzes erfasst
  • Zum Golfplatz Dietschiberg lagen keine Daten vor, die Bestandsaufnahmen erfolgten im Jahr 2002

Ergebnisse

EINWIRKUNGSDAUER

Unterschiedlich hinsichtlich der einzelnen Golfplätze

 

EINWIRKUNGSART

Umstrukturierung einer vorher meist landwirtschaftlich genutzten Fläche in einen Golfplatz

 

EINWIRKUNGSGRAD

Unterschiedlich hinsichtlich der einzelnen Golfplätze 

Tierart Art der Beeinträchtigung/Auswirkung
Brutvögel Sempachersee Erhöhung des Brutvogelbestandes von 25 Arten mit 98 Revieren vor dem Bau des Platzes auf 32 Arten mit total 105,5 Revieren im 7.Spieljahr (2001). Die Mehlschwalbe verschwand in dieser Zeit als Brutvogel und der Bestand der Rauchschwalbe ging stark zurück. Neu hinzu kamen Zwergtaucher, Stockente, Blässhuhn und Sumpfrohrsänger und der Bestand von Bachstelze, Mönchs- und Gartengrasmücke sowie Goldammer stieg stark an.
Brutvögel Holzhäusern In den Jahren 1996, 1999 und 2001 brüteten je 24 Arten auf dem Golfplatzgelände. 14 Arten davon ließen sich in jedem Jahr feststellen, d.h., dass sich das Artenspektrum auch hier verändert hat. Zurückgegangen oder verschwunden sind Feldlerche und Gartenrotschwanz, deutliche Bestandszunahmen zeigten Amsel, Gartengrasmücke, Mönchsgrasmücke und Grünfink, acht Arten (darunter sechs Wasser- und Sumpfvogelarten) sind neu aufgetreten. In der landwirtschaftlich intensiv genutzten Referenzfläche lag die Artenanzahl zwischen 18 und 21, es fehlten insbesondere Arten der Feuchtgebiete und Gewässer.
Brutvögel Dietschiberg Nachweis von 26 Arten, vor allem Waldarten, mit insgesamt 97 Revieren, vor allem in Feldgehölzen.

Insgesamt erwiesen sich die Golfplätze zu den Vergleichsflächen als artenreicher. Insbesondere Hecken- und Waldvögel sowie Arten der Feuchtgebiete und Gewässer profitieren dabei von den Golfplätzen.

 

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME?

Die Untersuchung umfasst neben eigenen Bestandsaufnahmen weitere Studien zu mitteleuropäischen Golfplätzen, die zu ähnlichen, überwiegend positiven Ergebnisse kommen. Somit kann ein Golfplatz durchaus die Situation für bestimmte Brutvogelarten im Vergleich zu strukturarmen Ackerflächen verbessern.

 

BEMERKUNGEN

Von den insgesamt dreizehn in der Literatur gefundenen Studien zu Vogelbeständen auf Golfplätzen blieben einige unberücksichtigt, da sie beispielsweise nicht zwischen Brutvögeln und Nahrungs- oder Durchzugsgästen unterschieden oder weil aufgrund einer einzelnen Begehung keine gesicherten Aussagen möglich waren. Ein Vorher-Nachher-Vergleich war nur bei fünf Plätzen möglich.