Bundesamt für Naturschutz

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Bäbler, René (2001): Beeinflussen Jagd und Tourismus die Reaktionsempfindlichkeit von Gämsen (Rupicapra rup. rupicapra)?


SPORTARTEN 

Andere Freizeitaktivitäten, Jagd, Landgebundener Sport, Wandern/ Geländelauf 

  

TIERARTEN 

Gemse, Säugetiere 

  

LEBENSRÄUME 

Gebirgsrasen, Hochgebirge / Alpen, Hochgebirgswiesen 

  

WIRKFAKTOREN 

Verhaltensänderung 

Inhalt

”Die Jagd macht die Tiere scheu!” Diese Meinung ist weit verbreitet und theoretisch auch gut begründbar. Zum Beispiel bedingt durch Selektion, schlechte Erfahrungen aufgrund von Schusswirkungen und von Beunruhigungen der Tiere durch die Jagd könnten die Tiere gegenüber dem Mensch entsprechend empfindlich reagieren. Andererseits sollten Tiere, die nicht bejagt werden und häufig Kontakt mit für sie “ungefährlichen” Menschen (Touristen) haben, besonders zutraulich sein. Ob entsprechende Unterschiede in der Reaktions-empfindlichkeit bei Gämsen (Rupicapra rup. rupicapra) existieren, wurde im Rahmen dieser Arbeit im Berner Oberland (Schweiz) während des Sommers 2000 untersucht.

 

BEZUG/QUELLE

Dr. Andreas Boldt

WildARK

Tillierstrasse 6a

CH-3005 Bern

andreas.boldt@wildark.ch

Methoden

Die Untersuchung erfolgte in 14 Gebieten, die sich sowohl in der Bejagung (regelmässig bejagte Gebiete / Jagdbannbezirke) als auch in der Tourismusintensität (viele / wenig Wanderer) unterschieden. Die Tourismusintensität wurde anhand von eigenen Beobachtungen und Wildhüterbefragungen ermittelt. Es wurden Experimente durchgeführt, bei denen der Autor sich immer in gleicher Weise einer weiblichen Gämse näherte, bis diese sich zu verziehen (flüchten) begann. Danach wurden die Fluchtdistanz und die Fluchtstrecke mit einem Laserdistanzmessgerät bestimmt.

Ergebnisse

Die Untersuchung ergab generell recht grosse Fluchtdistanzen und zum Teil auch Fluchtstrecken für die Tiere. Die zweifaktorielle Varianzanalyse ergab keine Unterschiede, welche auf den Einfluss der Faktoren Jagd und Tourismus oder deren Interaktion schliessen liesse. Dass die Jagd die Tiere scheu macht, oder dass der Tourismus zu einem Abbau der Scheuheit führt, kann, zumindest was weibliche Gämsen im Berner Oberland betrifft, aufgrund dieser Untersuchung jedenfalls nicht bestätigt werden.