Bundesamt für Naturschutz

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Bernhardt, Karl-Georg (1989): Abgrabungsgewässer als Lebensraum für Pionierarten und deren Bestandsveränderungen durch Tritt


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung     

  

SPORTARTEN 

Angeln, Erholung am Gewässer, Golf, Wassersport 

  

INHALT 

Offene Sandböden zählen heute zu den sehr seltenen Biotoptypen, da sich insbesondere durch den Ausbau der Flüsse jährlich durch Hochwasser entstehende Bodenblößen kaum mehr ausbilden können. Pionierpflanzengemeinschaften, die diese offenen Standorte besiedeln, gehen daher zurück. Häufig lassen sich diese Besiedlungsvorgänge nur noch in sekundären Lebensräumen wie Abgrabungsgewässern oder anderen Ersatzlebensräumen beobachten. 


  • Welche Pflanzenarten sind in der Lage, schnell offene, feuchte und nährstoffarme Böden zu besiedeln und wie entwickeln sich ihre Bestände weiter?
  • Gibt es Gesetzmäßigkeiten, nach denen die Besiedlung auf diesen nassen Pionierstandorten abläuft?
  • Handelt es sich bei den Besiedlern ausschließlich um kolonisierende Arten, wie BAKER (1974) sie definiert?
  • Inwieweit führt die zunehmende Freizeitnutzung dieser sekundären Lebensräume zu einer Veränderung in der Vegetationszusammensetzung?

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN 

Der Tritteinfluss verhindert die Entwicklung einer typischen Pioniervegetation. Charakteristische Arten einer solchen Vegetation werden durch Pflanzenarten einer Trittvegetation ersetzt. Da der ständige Sameneintrag von Pionierpflanzen an offenen Stellen relativ groß ist, können diese Pionierpflanzen bei Nachlassen des Tritteinflusses wieder auflaufen. 

BEZUG / QUELLE 

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2617) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

Methoden

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

Sämtliche untersuchten Flächen - Abgrabungsstellen mit fein bis mittelkörnigen reinen Quarzsanden - liegen im Emsland, im Dreieck Meppen, Lingen, Haselünne (Niedersachsen). Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Vegetation und der Art der Freizeitnutzung der Standorte.

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Eine floristische und pflanzensoziologische Kartierung der Uferbereiche auf Dauerquadraten wurde in den Jahren 1986 bis 1988 realisiert. Nach jeder Vegetationsperiode wurden Bodenproben mit Samenspeicherproben entnommen. Die Samen (Diasporen) wurden im Labor zur Keimung gebracht.

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Unter dem Einfluss von Badebetrieb, Angeln, Motorradfahren, Spaziergängern und Picknickern bzw. unter Ausschluss solcher Aktivitäten wird die Wirkung von Trittbelastungen auf die Vegetation beschrieben. Es wird nicht nach den Einzelsportarten differenziert, sondern Erholungsaktivitäten in ihren Wirkungen auf die Vegetation werden summarisch betrachtet. Neben dem Vergleich der Anzahl der Pflanzengesellschaften und der Arten in den Gebieten (der jedoch durch die unterschiedliche Größe der Untersuchungsflächen schwierig ist) werden die aktuelle Vegetation auf Probeflächen und der Samengehalt in Bodenproben von denselben Probeflächen verglichen und in Bezug zu den Erholungsaktivitäten gesetzt.

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Für die Bearbeitung der Fragestellungen wurden sechs Abgrabungsgewässer ausgewählt. Vergleichsgrundlage ist ein "Idealgewässer", das "Ersatzbiotop Geeste". Dieses Gebiet ist vollkommen abgesperrt, nur für wissenschaftliche Untersuchungen zugänglich, vielfältig strukturiert und mit ingesamt 35 ha sehr groß, und damit unbeeinflusst von Erholungsaktivitäten. 

 

Ergebnisse

ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG 

Vegetation, v. a. Pionier- und Trittvegetation


  • Mit zunehmender Freizeitbelastung nimmt die Anzahl der Pflanzengesellschaften ab. Auf der "Idealfläche" (Größe 35 ha) kommen 19 Gesellschaften vor, während die am stärksten belasteten Flächen (1,6 ha und 6,9 ha groß) nur 3 bzw. 4 Gesellschaften aufweisen. Zwar beeinflusst die Untersuchungsflächengröße die Anzahl sich potenziell entwickelbarer Gesellschaften, jedoch kommen auf der kleinsten Untersuchungsfläche (0,09 ha), auf der keine Erholungsaktivitäten erfolgen, 10 Gesellschaften vor. Fläche 4 (15 ha) mit einer räumlich eingeschränkten, d.h. nur in Teilbereichen erfolgenden Erholungsnutzung, weist 9 Gesellschaften auf, und die nur durch Angelbetrieb in Teilbereichen beeinträchtigte 0,18 ha große Abgrabungsfläche 7 Gesellschaften. Es wird der Einfluss der Fläche auf die Anzahl der Gesellschaften deutlich (positiv mit zunehmender Größe), aber auch, dass mit zunehmender Intensität der Erholungsaktivitäten die Anzahl der Pflanzengesellschaften abnimmt.
  • "Je geringer die Trittbelastung ist, desto höher ist die Anzahl der Rote-Liste-Arten. So weist die Referenzfläche 1 bei vollkommener Absperrung die größte Anzahl dieser Pflanzen auf (19), die Flächen 2 - 5 bei mittlerer oder partiell starker Störung eine Anza