Bundesamt für Naturschutz

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Dalbeck, Lutz; Breuer, Wilhelm (2001): Der Konflikt zwischen Klettersport und Naturschutz am Beispiel der Habitatansprüche des Uhus (Bubo bubo)


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung     

 

 

 

 

SPORTARTEN 

Klettern 

  

INHALT 

Die Autoren beschäftigen sich mit dem Konflikt zwischen Klettersport und dem Schutz des Uhus. Hierbei vergleichen sie zunächst den Reproduktionserfolg der Vögel in einem vom Klettersport intensiv genutzten und einem ungestörten Bereich. Im Anschluss daran gehen sie auf die Fragestellung ein, ob räumliche und zeitliche Beschränkungen der Ausübung des Klettersports zum Schutz der Uhus ausreichen. Dazu ziehen die Autoren auch eine Telemetriestudie über die Aktivitätsphasen, Habitatansprüche und Raumnutzungen der Tiere heran. Diese wurde, im Rahmen eines seit 1978 laufenden Uhu-Monitoring, in den Jahren 1988 und 1989 in einem Gebiet in der Nordeifel durchgeführt, das 9.500 km² und Teile der Kreise Düren und Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) umfasste.

Auf der Ebene der Erregung und der Population machen die Autoren deutlich, dass der Klettersport für den Uhu eine bedeutende Störquelle darstellt. 

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN


  • Der Vergleich der Reproduktionserfolge im Ahrtal und in der Nordeifel belegt einen starken Einfluß des Klettersports auf die Reproduktionsrate des Uhus.
  • Uhus nutzen ein Raumsystem potenzieller Brutfelsen und Felsen, die als Tagesruheplatz dienen, zu dem fast sämtliche Felsen in einer Entfernung von etwa 5 km zum späteren endgültigen Neststandort zählen. Weiterhin haben die nicht zur Brut genutzten Felsen eine Bedeutung als Lebensraum für nicht verpaarte Uhus, die im Falle des Todes eines Partners eines Uhupaares den Ausfalle von Brutpartnern ersetzen können.
  • Für den Uhu sind die Felsen somit das ganze Jahr hindurch von großer Bedeutung. Klettersportaktivitäten können deshalb das ganze Jahr hindurch die Aktivitätsphasen der Tiere beeinträchtigen und den Reproduktionserfolg herabsetzen. Daher sind die Autoren der Auffassung, dass Einschränkungen des Klettersports auf die Brut- und Nestlingszeit nicht ausreichend sind.
  • Räumliche und zeitliche Sperrungen sind in Naturschutzgebieten keine Alternative zu einem generellen Kletterverbot. Besonders in Naturschutzgebieten sprechen sich die Autoren für ein solches aus und begründen es bioökologisch.
  • Klettersportaktivitäten und die Sicherung eines günstigen Erhaltungszustandes des Uhus - vor dem Hintergrund der EG-Vogelschutzrichtlinie - können, nach der Auffassung der Autoren, in ein und demselben Gebiet kaum miteinander vereinbart werden.

BEZUG/QUELLE 

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2712) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

Methoden

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)

(A) das vom Klettersport intensiv genutzte mittlere Rurtal und (B) das mittlere Ahrtal ohne Klettersportaktivitäten.

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)

Telemetrierung von Uhus; Raum-Zeit-Verhalten der Uhus im Untersuchungsgebiet; deduktive Ableitung von Konflikten zwischen Habitatschutz und Klettersport; Vergleich von zwei Gebieten, die sich primär hinsichtlich der Nutzung bzw. Nichtnutzung von Brutfelsen zum Klettern unterscheiden.

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Vergleich des Reproduktionserfolges von jeweils fünf Brutpaaren im mittleren Rurtal (intensiv genutztes Klettersportgebiet) und im mittleren Ahrtal (ohne Klettersport). Die Untersuchungen wurden über 14 Jahre von 1985 bis 1998 durchgeführt.

 


Ergebnisse

EINWIRKUNGSART 

optische und akustische Störungen 

  

TIERART & ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Tierart: Uhu (Bubo bubo)

 

Störungsempfindliche Zeiträume 

 

Generell wird der Zeitraum ab Mitte Januar bis etwa Mitte Juli als der störungsempfindlichste angesehen. "In dieser Zeit können bereits einmalige Störungen Paarbildung und Bruten verhindern, zum vollständigen Verlust oder aller Jungen führen." In der Phase, in der die Jungen noch flugunfähig und noch nicht selbständig sind, aber sich bereits in der Umgebung des Brutplatzes aufhalten, besteht "die Gefahr, dass die Jungen verunglücken (z. B. wenn sie von Klettersportlern ungewollt beunruhigt aus dem Nest stürzen)". Dieser Fall wird anhand eines Literaturzitates belegt.

 

Gesamtreproduktionserfolg

Gesamtreproduktionserfolg
Mittleres Ahrtal Mittleres Rurtal
Summe Junge 1985 - 1998 89 33
Mittlere Jungenzahl je Brutpaar 1,27 0,47
Relativer Reproduktionserfolg in % 100 % 37,1 %
Jahre ohne Bruterfolg /% 0/0 % 2/14 %

Im Rurtal (5 Brutpaare im NSG) stirbt im Mittel ein Elternvogel pro Jahr und erreichen nur 0,424 der jährlich geborenen Jungvögel das reproduktionsfähige Alter von mindestens zwei Jahren. Somit ist die Uhupopulation des mittleren Rurtals auf Einwanderung angewiesen.