Bundesamt für Naturschutz

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Dietrich, Katharina; Koepff, Christa (1994): Auswirkungen der Erholungsnutzung auf die Watvogelbestände an einem Hochwasserrastplatz im Niedersächsischen Wattenmeer


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung     

  

 

SPORTARTEN 

Radfahren, Surfen, Wandern/Geländelauf 

  

INHALT 

Das Wattenmeer, lebenswichtig als Rast- und Nahrungsgebiet für mehrere Millionen Zugvögel, wird an weiten Küstenabschnitten und auf fast allen Inseln intensiv durch den Menschen als Erholungsgebiet genutzt. So kommt es zwangsläufig zu einer räumlichen Konkurrenz, die aufgrund der Störungsempfindlichkeit vieler Vogelarten bis zur Verdrängung der Vögel von ihren ursprünglichen Rast- und Nahrungsplätzen führen kann.  

Vergleiche der Vogelanzahlen an dem deichnahen Hochwasserrastplatz im Pakenser Groden mit denen auf der 9 km entfernten Insel Mellum zeigen, dass in dem Festlandsgebiet die Rastbestände zu Beginn des Herbstzuges stark erniedrigt waren. Diese Zeit fällt mit der Haupt-Fremdenverkehrssaison zusammen. Mehrere Vogelarten fehlten im August am Rastplatz, obwohl sie im vorgelagerten Watt bei Niedrigwasser Nahrung suchten. Es stellte sich die Frage, inwiefern zu dieser Zeit auftretende Störungen dort eine Verminderung der Rastbestände verursachten.  

  

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN 

Es zeigt sich, dass die Arten in unterschiedlichem Ausmaß durch die Erholungsnutzung aus dem Gebiet verdrängt werden. Infolge von Störungen müssen die Vögel auf entferntere, ungestörte Rastplätze ausweichen.  

  

BEZUG/QUELLE 

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2622) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

Methoden

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)  

Pakenser Groden, Mellum, Minsener Oog, Niedrsächsisches Wattenmeer am Jadebusen    

 

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)  

Zählung der Vögel vom Deich aus (Pakenser Groden), teilweise Synchronzählung im Pentatenrhythmus auf Mellum und am Minsener Oog (1983 und 1984, 1990 nur sporadische Zählungen). Zeitparallele Erfassung von Menschen und Festhalten der Reaktionen rastender Vögel auf Menschen.  

  

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN 

Beschreibung des Verhaltens von Vögeln auf Störreize.  

  

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE 

Im Regelfall benutzen Fußgänger und Radfahrer den Deich, jedoch betreten immer wieder (kleinere) Gruppen von Menschen die dem Watt vorgelagerten Salzwiesen. Störungen treten von April bis Mai und im September relativ selten auf, erreichen aber von Juni bis August regelmäßige und größere Ausmaße.   

 

Ergebnisse

TIERART & ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

 Tierart: Watvögel


  • Im April/Mai waren die Rastbestände bei einigen Limikolenarten im Pakenser Groden hoch und übertrafen meist die auf Mellum. Im August war das Verhältnis umgekehrt. Erst im September näherten sich die Bestandszahlen wieder an. Während der Touristensaison war nur an einem Tag ohne Personen bzw. vor dem Eintreffen von Menschen höhere Bestandszahlen im Pakenser Groden festzustellen.
  • Die Rastbestände am Pakenser Groden und auf Mellum verhalten sich vergleichbar von kommunizierenden Röhren in Abhängigkeit davon, ob Störungen am Pakenser Groden auftreten.
  • Große Brachvögel scheinen besonders empfindlich auf Störreize zu reagieren, da er insgesamt selten, an Tagen mit Besuchern nicht mehr festzustellen war.
  • Vogelschwärme wurden durch sich bewegende Menschen auf dem Deich, plötzlichem Stehenbleiben oder Überqueren des Deiches zum Auffliegen veranlasst.
  • Surfer, auch wenn sie nur selten auftraten, verursachten die heftigsten Störreaktionen, v.a. bei Großen Brachvögeln.
  • Ausweichmanöver der Vögel erfolgten innerhalb des Pakenser Groden in die Bereiche, in denen sich keine Menschen aufhielten, wenn nur wenige Störquellen vorhanden waren. Bei einer großen Anzahl von im Gebiet anwesenden Personen verließen die Vögel den Pakenser Groden.

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME? 

Die Untersuchungen beschreiben mehr exemplarisch Verdrängungen von nahrungsuchenden Watvögeln durch Erholungsaktivitäten. Welche physiologischen Auswirkungen bei den betroffenen Individuen auftreten, wird nicht diskutiert. Möglicherweise können die verdrängten Vögel auf Mellum die Störungen bzw. die reduzierte Zeit zur Nahrungsaufnahme kompensieren. 

Die Autorinnen verweisen darauf hin, dass die von ihnen untersuchten Gebiete zu den vergleichsweise ruhigen im Wattenmeer zählen. Die Beobachtungen zeigen, dass selbst in solchen Bereichen die Nahrungsaufnahme oft, und teilweise sogar erheblich gestört wird. Sie leiten daraus die Forderung ab, dass verstärkte Anstrenungen zur Ruhighaltung von Nahrungsgebieten getroffen werden müssen.