Bundesamt für Naturschutz

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Burger, J. (1998): Effects of motorboats and personal watercraft on flight behavior over a colony of Common Terns


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung     

  

SPORTARTEN 

Motorboot/Wasserski/Parasailing 

INHALT 

In einer Flussseeschwalben-Brutkolonie wurde untersucht, ob Motorboote oder Personal watercraft (Jet Ski, Wellenrenner [Wave runner]) einen Einfluss auf das Flugverhalten ausüben. 

Auslöser der Untersuchung war, dass der Bruterfolg von 15 beobachteten Flussseeschwalbenkolonien, die im Einflussbereich von Personal watercraft - Aktivitäten lagen, reduziert war und sogar in mindestens zwei Fällen ("even complete colony failures") bei Null lag. Da aber auch andere Faktoren wie ungünstige Witterung, Sturm, Sturmflut oder Beutegreifer als negativ wirkende Faktoren nicht auszuschließen sind, wurde eine empirische Studie zur Wirkung von motorgetriebenen Wasserfahrzeugen realisiert. 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN 


  • Vor allem zu Beginn der Reproduktionszeit beeinflussen Bootstyp, Geschwindigkeit und Route des Bootes das Verhalten der Flussseeschwalben stark.
  • Boote im Renntempo verursachten die stärksten Störungen.
  • Starke Störungen gingen auch von Booten aus, die von der normalerweise von Booten benutzen Route abwichen.
  • Dies gilt auch für eine zunehmende Annäherung von Booten an die Brutkolonie, d. h. mit abnehmender Distanz zur Brutkolonie wurde die Störwirkung stärker.
  • Personal watercraft lösten stärkere Reaktionen aus als Motorboote.
  • Deshalb sollten sich Benutzer von Jet Ski oder Wave runner nicht näher als mindestens 100 m an die Brutkolonie annähern dürfen. Zudem sei die Geschwindigkeit in der Nähe solcher Kolonien zu reduzieren.

BEZUG/QUELLE 

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 757) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

     

Methoden

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)  

Little Mike"s Island, Barnegat Bay, New Jersey, USA  

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)  

Zwischen Mitte Juni und dem 2. August 1997 wurde das Verhalten der Flussseeschwalben in Abhängigkeit von den Wasserfahrzeugen und charakteristischen Parametern (Typ, Geschwindigkeit/Lärm, Abstand zur Brutkolonie) untersucht. 

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN 


  • Verhalten der Vögel in Abhängigkeit von der An- oder Abwesenheit von Wasserfahrzeugen. 
  • Verhalten der Vögel in Abhängigkeit von der Position des Benutzers: stehend oder sitzend. 
  • Verhalten der Vögel in Abhängigkeit vom Standort und der Geschwindigkeit des Personal watercraft. 
  • Anzahl fliegender Vögel über der Kolonie, während des Störereignisses sowie eine und zwei Minuten später (es stellte sich heraus, dass sich das Verhalten ein oder zwei Minuten später nicht von dem während des Störereignisses unterschied); in die Datenauswertung wurden nur Beobachtungen von Störereignissen einbezogen, und zusätzlich noch solche, denen mindestens fünf Minuten lang kein anderes Störereignis vorausgegangen war. (Manchmal waren soviele Personal watercraft gleichzeitig oder in unmittelbarer, kurzer Folge anwesend, dass es zu Dauerstörungen kam, die sich jedoch statistisch nicht auswerten ließen.) 

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE 

Personal watercraft sind Gegenstand intensiver Auseinandersetzungen mit dem Naturschutz (u. a. wegen des verursachten Lärms), aber auch mit anderen Wassersportlern (u. a. wegen der Verursachung von Unfällen).

Ein für Boote befahrbarer Kanal befindet sich zwischen der Brutkolonie und den nächstgelegenen Inseln, wobei der Abstand zur Brutkolonie aufgrund der Nähe der Inseln weniger als 60 bzw. 45 Meter beträgt. Wegen des flachen Kielwassers können nur kleinere Boote den Kanal nutzen, Personal watercraft kann jedoch auch im Flachwasser benutzt werden, somit auch die Inseln umrunden.

Bis 1996 zählte die Kolonie (250-500 Brutpaare) zu den produktivsten Flussseeschwalben-Brutkolonien (> ein Jungvogel pro Nest). Jedoch wurde 1996 beobachtet, dass die Vögel sehr hohe Anteile über der Kolonie fliegend verbrachten, also auch nicht brüteten. Zudem wurden Personal watercraft-Aktivitäten beobachtet, bei denen die Insel umrundet wurde und in den Flachwasserbereichen sogar mitten durch die Brutkolonie gefahren wurde, wobei auch Nester oder Jungvögel überfahren wurden. Diese Aktivitäten waren auf die Neueröffnung einer Leihstation für Personal watercraft zurückzuführen.

Die Untersuchungen wurden erheblich erschwert durch eine Sturmflut (und Starkregen) im Juli, der etwa 2/3 aller Nester zum Opfer fielen.

Deshalb wurden in dieser Studie auch verstärkt unmittelbare Verhaltensbeobachtungen dokumentiert, da die statistische Datengrundlage von der Sturmflut erheblich beeinflusst wurde.


Ergebnisse

EINWIRKUNGSDAUER 

40 % der Boote waren zwischen 11.30 und 13.30 Uhr und 22 % zwischen 17.30 und 18.30 Uhr anwesend.

  

EINWIRKUNGSART 

Lärm, Bewegungsemissionen

Motorboote hielten sich normalerweise an die Regeln der Schifffahrt innerhalb des Kanals.

Personal watercraft ignorierten die Schifffahrtsregeln; jedoch wurde das Übertreten von der Wasserpolizei nie geahndet.

 

EINWIRKUNGSGRAD 

Personal watercraft traten zeitlich und räumlich zu mehreren auf, d. h. Störungen summierten sich zu längerandauernden Ereignissen. Für Motorboote galt dies nicht; sie nutzen das Gebiet einzeln, nicht im Pulk.

Die Geschwindigkeit hängt vom Bootstyp ab, wobei Personal watercraft überdurchschnittlich oft schneller, oft im Renntempo, verglichen mit Motorbooten fuhren. Schnell wurde v. a. bei stehendem, im Renntempo v. a. bei sitzenden Personal watercraft gefahren.

 

TIERART & ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Tierart: Flussseeschwalbe (Sterna hirundo)  


  • Das Flugverhalten wurde von der Brutperiode, dem Bootstyp, der Geschwindigkeit, der Route, einem Faktor aus Route mal Geschwindigkeit sowie der Tageszeit bestimmt. Die Korrelationen zum Flugverhalten - gemessen über den gesamten Untersuchungszeitraum - waren sämtlich hochsignifikant. Vorbeifahrende Personal watercraft veranlassten ein Viertel bis ein Drittel der Brutvögel, die Brut oder Betreuung der Jungvögel zu unterbrechen. Es liegen Beobachtungen vor, dass sämtliche Individuen aufgescheucht wurden.
  • Die Vögel reagieren intensiver auf die Anwesenheit von Personal watercraft als auf Motorboote.
  • Ihr Flugverhalten wurde vom Abstand eines Störreizes zur Kolonie beeinflusst: Je mehr ein Wasserfahrzeug sich der Kolonie näherte, umso mehr Vögel flogen auf.
  • Je schneller ein Wasserfahrzeug sich fortbewegte, umso mehr Vögel flogen auf. Es ist nicht auszuschließen, dass die Vögel auch auf den Lärm reagierten, der mit steigender Geschwindigkeit zunahm.
  • Die stärksten Reaktionen (höchste Anzahl auffliegender Vögel) erfolgte zu Beginn der Brutsaison, und dann v. a. auf die sitzend gefahrenen Personal watercraft-Fahrzeuge. Jedoch gingen von stehend gefahrenen Fahrzeugen kaum weniger intensive Störwirkungen aus.

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME? 

Die Autorin schlussfolgert aus den Untersuchungsergebnissen, dass die Störwirkung der Personal watercraft so hoch ist, dass ein Mindestabstand von 100 Meter gegenüber Wasservogelkolonien einzuhalten ist.  

  

BEMERKUNGEN 

Die Wirkung der Motorboote in dieser Studie fällt gegenüber Personal watercraft weniger intensiv aus; dies ist auf spezifische Unterschiede der Bootstypen und ihrer Nutzer zurückzuführen, v. a. aber darauf, dass sich die Motorbootfahrer an die Regeln der Wasserschifffahrt im Kanal, der zudem nur wenig tiefes Wasser führt, halten. Andere Studien zeigen erhebliche Wirkungen von Motorbooten auf Wasservögel.