Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Berger, V. (1992): Herzfrequenzänderungen brütender Waldohreulen (Asio otus) auf Grund menschlicher Störungen


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung     

  

SPORTARTEN 

Wandern/Geländelauf 

  

INHALT 

Es ist wichtig zu erfassen, was Vögel als Belastung empfinden. Die Belastung ist am größten, wenn sich der Vogel in einer empfindlichen Phase befindet, z. B. während der Brutzeit. Hier wird ein Großteil der Energie in die Reproduktion gesteckt, zusätzliche Belastungen werden am schwersten verkraftet. Eine Erfassung ist aber relativ schwierig: Während nicht brütende Vögel nach Unterschreiten der Fluchtdistanz auffliegen, sieht man bei einem brütenden Vogel nichts: Der Vogel gerät in den Konflikt zwischen der Stimmung zu fliehen und der, seine Brut zu verteidigen. Er bleibt am Nest sitzen und wird "gestresst".   

  

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN 

Sich auf den Wegen fortbewegende Spaziergänger verursachen keine Störreaktionen, von ihnen gehen keine Störreize aus. 

Es wird vermutet, dass bereits während des Winters eine Gewöhnung an mögliche Störungen erfolgt ist, die auch hinsichtlich der möglichen (negierbaren) Störkonsequenzen von den Waldohreulen eingeschätzt worden sein muss. Denn andernfalls hätten die beiden einzigen wegnahen Kunsthorste gemieden werden müssen. 

Messungen der Herzfrequenz zeigen, dass tatsächlich eine Gewöhnung an Menschen erfolgte (kein Anstieg der Herzfrequenz, sondern Beibehaltung der Ruhefrequenz). Bewegen sich Menschen aber abseits der bekannten Wege, kommt es zu einem starken Anstieg der Herzfrequenz. Dies gilt auch, wenn man sich nur einen Schritt neben den Weg begibt.

  

BEZUG/QUELLE 

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 635) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

Methoden

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)  

Seewinkel, Österreich  

  

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)  

Um Belastungen bei brütenden Waldohreulen zu quantifizieren wurden zwei Methoden gewählt:  

Wahl des Neststandortes in Abhängigikeit von der Distanz potenzieller Störreize.  

Nach Beginn des Brutgeschäfts, Messung der durch Angst vor einem Feind veränderten Herzfrequenz: Steigerungen treten bei Belastungen sofort und regelmäßig auf.  

  

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN 

Nestplatzwahl. Herzfrequenzmessung.   

  

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE 

Kunsthorste wurden in einem 13 ha großen Waldgebiet angebracht, in dem sich mehrere Tiergehege befinden. Im Gebiet lebt eine Winterschlafgemeinschaft von 30 Waldohreulen.   

 

Ergebnisse

EINWIRKUNGSART 

sich nähernder Mensch  

  

EINWIRKUNGSGRAD 

Kontinuierliches Vorbeigehen. 

Stehen. 

Vorbeilaufen   

  

TIERART & ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Tierart: Waldohreule 

Neststandort

  • Zwischen 2 und 21 m von Wegen entfernt. Horste in gutem "Bauzustand" wurden gewählt, jedoch unabhängig von potenziellen Störreizen. Der Bruterfolg war in allen Nestern gleich gut. 

Herzfrequenz

  • Die Ruhefrequenz der vier untersuchten Eulen unterschied sich, wobei Werte zwischen 120 und 330 Schlägen pro Minute erreicht wurden.
  • Bei radialer Annäherung abseits der Wege steigt die Herzfrequenz sprunghaft an und erreicht Maximalwerte von 510 Schlägen / min. Im Durchschnitt erfolgt der Anstieg bei einer Näherung auf 31 m, individuell lag der Unterschied zwischen 15 und 41 m.
  • Bei Fortbewegung von Menschen auf den Wegen erfolgt keine Herzfrequenzerhöhung.
  • Verlässt man aber diesen bekannten Weg und bewegt sich parallel zur Wegkante um lediglich einen Meter näher zum Eulennest, erfolgt eine starke Erhöhung der Herzfrequenz.
  • Ungewohntes Verhalten der Menschen (Stehen am Weg und Vorbeilaufen) führen zu keinen oder nur zur geringfügigen Herzfrequenzerhöhungen, wenn diese Verhaltensänderungen auf dem üblicherweise von Menschen benutzten Weg erfolgen.

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME? 

Das Verhalten der Waldohreule wird als Argument für ein Wegegebot in Nationalparks interpretiert, da Menschen dann offensichtlich nicht zum Störfaktor werden und die Möglichkeiten zu Naturbeobachtungen größer seien, als bei "wildem Pirschgang" im Gelände. Eine Übertragung der Ergebnisse auf andere Tierarten erfolgt nicht.