Bundesamt für Naturschutz

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Bellebaum, J. (1999): Was bestimmt Tagesrhythmus und Verteilung überwinternder Gänsesäger (Mergus merganser) auf einem Ruhrstausee?


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung     

  

SPORTARTEN 

Radfahren, Wandern/ Geländelauf 

  

INHALT 

Im Winter 1995/96 wurden Bestand, räumliche Verteilung und Verhalten des Gänsesägers in Verbindung mit Wetter und Störreizen untersucht.  

 


SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Der Schlafbestand lag im Januar/Februar zwischen 39 und 91 Individuen, die Phänologie entsprach, abgesehen von kurzfristigen Schwankungen, der für Norddeutschland typischen. In einer Frostperiode zeigte ein höherer Männchen-Anteil Zuzug aus nördlichen Quartieren. Der Anteil nahrungssuchender Vögel war am frühen Morgen am höchsten, sank vormittags ab und stieg nachmittags erneut an. Nahrungssuche fand in Bereichen mit starker Strömung statt, regelmäßig genutzte Ruheplätze lagen in flacheren Bereichen. Die Wahl der Ruhe- und Schlafplätze wurde vom Wetter beeinflusst. Das wichtigste Nahrungshabitat am Wehr war starker Erholungsnutzung ausgesetzt und wurde bei steigenden Besucherzahlen gemieden. Wenn ein Verlassen nicht möglich war, änderten die Gänsesäger ihr Verhalten und ruhten seltener.

 

BEZUG / QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 625) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

Methoden

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)  

Ruhrstau Hengsleysee (Nordrhein-Westfalen)   

  

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)  

Zwischen Oktober 1995 und Ende März 1996 wurde die Phänologie des Gänsesägers bestimmt, mindestens einmal pro Pentade (eine Pentade entspricht 5 Tagen; Tage 1-5, 6-10, 11-15 etc.) wurde der Schlafbestand gezählt. Vom 2.1. bis 16.3.1996 wurden Verhalten und Raumnutzung sowie die Reaktion auf Störreize untersucht. Der Tag wurde in zwanzig gleichlange Intervalle aufgeteilt, die sich in Abhängigkeit von der Tageslänge errechnen.  

Die Darstellung der räumlichen Verteilung der Gänsesäger auf der Wasserfläche erfolgte über 36 Raster des Stausees und 5 des Ruhrabschnitts (Kantenlänge 200m). Störreize (Fußgänger, Radfahrer, Autos) wurden in 10 Min-Intervallen auf der Brücke, die nahe des Wehrs errichtet ist, gezählt; das Verhalten und die Zahl der anwesenden Gänsesäger in einem Abstand von bis zu 200 m Entfernung von der Brücke ermittelt.  

  

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN 

Tauchen (vollständiges Abtauchen, i.d.R. zur Nahrungssuche), Wasserlugen (Schwimmen mit dem Kopf unter Wasser), Schwimmen (aktive Fortbewegung im Wasser), Putzen (Baden, Gefiederpflege, Strecken), Ruhen (Verharren mit ins Rückengefieder gesteckten Schnabel), Balz (eindeutig dem Paarungsverhalten zuordnungsbare Bewegungen), Inaktiv (keine der genannten Aktivitäten, Schnabel nicht im Rückengefieder).  

  

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE 

Die Ufer des Sees und der Ruhr sind fast durchgehend von Fuß- und Radwegen gesäumt.  

 

Ergebnisse

EINWIRKUNGSDAUER 

v. a. ab dem Nachmittag anhaltend   

  

EINWIRKUNGSART 

Silhouetten von Fußgängern und Radfahrern (Autos) / Lärm  

  

EINWIRKUNGSGRAD 

vor allem in den Nachmittagsstunden  

  

TIERART &  ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG / AUSWIRKUNG

 Tierart: Gänsesäger 


  • Mit dem Ansteigen der Freizeitnutzung am Nachmittag nahm die Zahl der Gänsesäger, die unmittelbar unterhalb des Wehrs schwammen, ab. Diese Bereiche waren als Nahrungsbiotop besonders wichtig.
  • Tauchende Säger reagierten unmittelbar mit Flucht auf Autos, Fahrräder o.ä., die auf der Holzbohlenfahrbahn der Brücke Lärm erzeugten. Sie flohen i.d.R. jedoch nur vorübergehend aus dem unmittelbaren Brückenbereich. Angler hingegen führten zu einer vollständigen Verdrängung der Gänsesäger aus dem Bereich.
  • Da vom 26.1. bis 11.2. der See überwiegend mit Eis bedeckt war, hielten sich trotz der Störreize mehr Säger im eisfreien Bereich unterhalb des Wehrs auf. Jedoch ruhten die Säger bei steigender Personenfrequenz weniger. Dies ist nicht als eine Gewöhnung an Störreize zu interpretieren, sondern als eine unter einem Entscheidungszwang herbeigeführte Situation aufgrund des Minimumfaktors "eisfreie Wasserfläche".
  • Störreize, die zum Verlassen des Gewässers führten, gingen von Paddlern und dem Abbrennen eines Feuerwerkes aus.