Bundesamt für Naturschutz

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Åhlund, M.; Götmark, F. (1989): Gull predation on Eider ducklings (Somateria mollissima): Effects of human disturbance


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung

 

 

SPORTARTEN

Fischerei, Kanu, Kajak

 

INHALT

In Vorstudien wurde gezeigt, dass Küken der Eiderente in ungestörten Gebieten einem hohen Prädationsrisiko durch Möwen ausgesetzt sind. Diese Studie untersucht, ob anthropogene Störungen von Eiderenten zu einem höheren Prädationsrisiko und damit zu einer höheren Mortalität der Küken führen.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

In Eiderentenkolonien sollte Bootfahren begrenzt werden, da Störungen durch Boote zu einer hoch signifikanten Erhöhung der Prädation der Jungvögel durch Möwen führen. Die Prädationsrate lag 200 bis 300 Mal höher als bei ungestörten Eiderentenküken.

 

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 513) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

 

 

Methoden

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)  

Sälöfjorden (57°50"N, 11°40"E), 30 km nw Göteborg, Schweden; Byfjorden, 80 km n von Göteborg  

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse)  

Experimentelle Störung von Küken führenden Eiderenten mit Booten. Protokollierung des Verhaltens von Möwen.   

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN 

Anzahl der Attacken, erfolgreiche Attacken, Mortalitätsrate   

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE 

Untersuchung einer Kolonie mit 1800 Eiderentenpaaren, ca. 2110 Paare der Möwen (4 Arten) sowie 25 Paare der Nebelkrähe. 1981 und 1982 wurden insgesamt 312 "Kinderkrippen" ungestörter Eiderenten 115 Stunden lang beobachtet. 43 Kinderkrippen, die an Land ruhten oder Nahrung suchten, wurden 1982 zusätzlich untersucht. (Sälöfjorden)

In Byfjorden wurden 1982 44 ungestörte Kinderkrippen untersucht. Keine Störungsexperimente durchgeführt.

Nur Mantelmöwe (Larus marinus) Silbermöwe (L. argentatus) traten als Prädatoren der Eiderentenküken auf (1060 Paare).

Ergebnisse

EINWIRKUNGSDAUER 

187 Kinderkrippen wurden in der Summe 3 Stunden und 26 Minuten gestört.  

 

EINWIRKUNGSART 

Vorbeifahrt im offenen Boot mit einer Geschwindigkeit von 6-9 Knoten in einer Distanz zu den Küken von 2 - 50 m)  

 

EINWIRKUNGSGRAD 

In Sälöfjorden wurden 221 Attacken auf Eidenentenküken von Möwen ausgeführt bzw. protokolliert, wovon 20 erfolgreich waren.  

 

TIERART & ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG / AUSWIRKUNG

Tierart: Eiderente


  • Ungestörte Küken wurden in Sälöfjorden nur selten von Möwen gejagd, jedoch in Byfjorden regelmäßig.
  • Gestörte Küken wurden öfters von mehr als einer Möwe gleichzeitig attackiert.
  • Die Rate attackierter und erfolgreich attackierter Küken lag bei gestörten Kinderkrippen mehr als 200 Mal so hoch, wie bei ungestörten.
  • An Land wurden Küken nicht von Möwen attackiert.
  • Die Attackierungsrate war am höchsten, wenn Boote in einem Abstand von 11-20 m an Küken vorbeifuhren.
  • Die Attackierungsrate war gering, wenn Boote in einem Abstand von 1-10 m an Küken vorbeifuhren.
  • In der Nähe von Möwenkolonien existierte ein hohes Riskio von Möwen attacktiert zu werden, wenn Boote in einem Abstand bis ca. 50 m an den Küken vorbeifahren.
  • Bereits gestörte Kinderkrippen unterlagen einen höheren Risiko attackiert zu werden, wenn sie ein zweites Mal gestört wurden.

ÜBERTRAGBARKEIT AUF ÄHNLICHE LEBENSRÄUME? 

In Schweden liegt die Brutzeit der Eiderenten so, dass sie im Regelfall nur wenig von Booten gestört werden, die schwerpunktmäßig während der Ferienzeit in Erscheinung treten. Die Studie zeigt jedoch, welche Wirkungen möglich sind, wenn sich - beispielsweise aufgrund des sich ändernden Klimas - Brut- und Ferienperiode stärker überlappen würden, oder aus anderen Gründen Boote früher in Eiderentengebieten zum Einsatz kommen. Für andere Arten (Mittelsäger, Samtente, Reiherente und Bergente) sehen die Autoren aufgrund der späten Brutperiode der Arten ein erhöhtes Risiko durch Boote.    

 

BEMERKUNGEN 

Bauer & Glutz von Blotzheim (1969, S. 186 ff) (Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Bd 3) führen aus, dass die Fitness von Eiderenten vergleichsweise gering ist (geringer Reproduktionserfolg). Sie unterliegen einem starken Druck durch Prädatoren (v.a. Möwen, Schneeeule, Nebelkrähe, Fuchs). Die Prädation von Eiderenten (Küken) steigt mit sinkender Nahrungsverfügbarkeit für die Beutegreifer stark an. Wie mehrere Beispiele belegen, scheint die Mortalitätsrate bei Eiderentenküken - besonders in Jahren mit schlechter Nahrungsverfügbarkeit für Beutegreifer - sehr hoch zu sein. Diese wird durch anthropogene Störungen nochmals erhöht, worauf bereits in den 50er und 60er Jahren verwiesen wurde. Weiterhin unterliegen die Eiderenten wahrscheinlich einem besonders hohen Druck durch Parasiten, der besonders bei den Jungvögeln zu einer physiologischen Belastung (u.a. schlechter Ernährungszustand, Krankheitsanfälligkeit, Erhöhung des Risikos zu erfrieren) führt.

Im Untersuchungsgebiet wurde die tägliche Prädationsrate hochgerechnet. Aufgrund der ortsspezifischen Unterschiede ergab sich, dass in Sälöfjorden 54 % der Küken, und in Byfjorden 78 % den Möwen zum Opfer fielen. Dieses Ergebnis wirkt widersprüchlich, zeigt jedoch, dass zusätzliche Störungen die Prädation noch verstärken können (in Byfjorden wurde nicht gestört). Weiterhin wurden einige Möwenindividuen erkannt, die besonders erfolgreiche Eidenentenkükenjäger waren.

Eine Faustzahl besagt, dass 1 Küken pro 10 Attacken Möwen zum Opfer fiel, wenn Störungen in einer Distanz von utner 50 m oder in einem Abstand von weniger als 200 m zur Möwenkolonie stattfanden. Als Beispiel geben die Autoren an, dass 10 Boote, die 10 Kinderkrippen stören, die tägliche Prädationsrate (in Salöfjorden) von 8 auf 18% steigern können.