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Boschert, Martin (1993): Auswirkungen von Modellflug und Straßenverkehr auf die Raumnutzung beim Großen Brachvogel (Numenius arquata)


Diese Auswertung wurde erstellt von: Institut für Landschaftsentwicklung, TU Berlin     

  

SPORTARTEN 

Modellflug 

  

INHALT 

Der Große Brachvogel (Numenius arquata) ist der Charaktervogel großflächiger mesophiler bis nasser Wiesenflächen. Neben der Landwirtschaft gilt auch der Erholungs- und Freizeitdruck als Ursache für den Rückgang dieses Vogels. Im Rahmen dieser Arbeit wird am Beispiel der Elzniederung in der südbadischen Oberrheinebene die Raumnutzung des Großen Brachvogels in Abhängigkeit von Modellflug und Straßenverkehr untersucht. 

  

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN 


  • Der ausbleibende Bruterfolg dürfte in einigen Jahren neben der Landwirtschaft und den anderen Freizeitaktivitäten auch auf den Modellflugbetrieb zurückzuführen sein (S. 15).
  • Im Revier, in dem der Modellflugplatz liegt sowie im unmittelbar benachbarten Revier schlüpften in nur einem Jahr (von insges. 4 Jahren) Küken. In den anderen ebenfalls vom Modellflugplatz beeinflußten Revieren schlüpften 3 mal bzw. 4 mal Küken, im nördlich an das Untersuchungsgebiet angrenzenden Revier schlüpften Küken im gleichen Zeitraum 5 bzw. 6 mal (S. 15).
  • Die maximal möglichen Entfernungen der Gelegestandorte zu den Verkehrswegen können nicht immer eingenommen werden. Hier spielt z. B. die Einhaltung eines Mindestabstand zum Neststandort im benachbarten Revier eine Rolle. Im Untersuchungsgebiet wurden 125 m bei gleichzeitig bebrüteten Gelegen nicht unterschritten. Ein weiterer Abstand, der eingehalten wurde, war der zu Baum- und Gebüschgruppen, hier lag der Mittelwert bei 104 m (± 39 m).

 

BEZUG/QUELLE 

Staatsbibliothek Berlin, Haus 2

Potsdamer Straße 33

10785 Berlin 

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 94) sortiert.

Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)


 

Methoden

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland)  

Offenburger Rheinebene, Baden-Württemberg

Der Untersuchungsraum liegt in der Elzniederung in der südbadischen Oberrheinebene und reicht von Kenzingen über Herbolzheim, Oberhausen und Niederhausen bis Rust, Fläche ca. 1.400 ha. Das Kerngebiet der Brachvogelvorkommen hat eine Fläche von 450 ha, hier befindet sich auch der Modellflugplatz. Die Elzniederung zeichnet sich durch die größten zusammenhängenden Wiesenflächen sowie eine der ältesten und größten Bewässerungsanlagen der südlichen Oberrheinebene aus.(S. 11).

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse) 

Untersuchungen: von Ende März bis Anfang Mai in den Jahren 1986 bis 1988 im Rahmen eines Gesamtprojektes über brutbiologische Fragestellungen sowie die Auswirkungen verschiedener Faktoren auf den Bruterfolg (im Auftrag der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Freiburg).


  • gleichzeitige Untersuchungen zur Raum-Zeit-Nutzung sowie zum Aktivitätsbudget,
  • Aufzeichnung des Verhaltens und der Aufenthaltsorte der Brachvögel in 1-Minuten-Intervallen über eine halbe Stunde (nach Zeitplan),
  • Angaben zu Flugbetrieb und Straßenverkehr,
  • Erfassung der Gelegestandorte und des Bruterfolges,
  • Messung des Abstandes der Gelege zum Modellflugplatz und den unterschiedlichen Straßen,
  • Vermeidung des anthropogenen Einflusses durch zu nahe Beobachtungen

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN 

Bruterfolg, Raum-Zeit-Nutzung (mit und ohne Flugbetrieb, Straßenverkehr)

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE 

In den Untersuchungsjahren brüteten 16 bis 18 Paare des Großen Brachvogels, 10 bis 12 davon im Kerngebiet. Im Einzugsbereich des Modellflugplatzes befanden sich 4 Reviere. Überflogene Fläche: 150 ha. Start- und Landebahn befand sich im Zentrum eines Vogelreviers. 

 

 

Ergebnisse

EINWIRKUNGSDAUER 

in Abhängigkeit von der Witterung, Wochentag und Tageszeit. 

Durchschnittliche Nutzungsdauer der Modellflugplatzbesucher: 3 Stunden an Wochentagen, 6 Stunden an Samstagen, nahezu ganztags an Sonn- und Feiertagen. 

EINWIRKUNGSART 

optischer und akustischer Reiz 

EINWIRKUNGSGRAD 

Die Auslastung des Modellflugplatzes lag - bis auf ein paar Ausnahmen - bei über 50 % (S. 12).

Unterschiede in der Auslastung in den Untersuchungsjahren: 1987, kühles, verregnetes Frühjahr/Auslastung 52 %; 1988, trockenes, warmes Frühjahr/Auslastung 63 %. 

 

TIERART & ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Häufigkeit und Dauer des Modellflugbetriebes

  • Jeder Wochentag wurde genutzt, höchste Auslastung an den Wochenenden, geringste Auslastung in der Wochenmitte.
  • Nutzung des Modellflugplatzes vermehrt in den Nachmittags- und Abendstunden, an Werktagen fokussierte sich der Betrieb auf den Nachmittag, an Wochenend- und Feiertagen war er über den ganzen Tag verteilt.

Raumnutzung (S. 13)

  • ohne Flugbetrieb: in allen 3 Untersuchungsjahren war eine Konzentration der Vögel in Nestnähe sowie nahrungsökologisch günstigen Bereichen feststellbar. Die Reviernutzung war gleichmäßig.
  • mit Flugbetrieb: die bevorzugten Aufenthaltsorte befanden sich in Randbereichen des Reviers in größerer Entfernung zum Modellflugplatz. In allen Untersuchungsjahren gab es auch Brachvögel, die während des Flugbetriebes trotz mehrfacher Kontrolle nicht im Revier anzutreffen waren.
  • Ein Modellflugzeug reichte aus, um nicht nur das Paar im Revier mit der Start- und Landebahn, sondern auch noch zwei weitere Reviere zu beeinflussen. Bei starkem Flugbetrieb (bis zu 4 verschiedene Flugmodelle gleichzeitig) wurden 4 Reviere des großen Brachvogels überflogen. Max. Entfernung der Modellflugzeuge vom Flugplatz betrug 700 m.
  • Lange anhaltende und fast tägliche Befliegung führten zu einer eingeschränkten Verfügbarkeit bestimmter Revierbereiche.

Auswirkungen auf Brutverlauf und Bruterfolg (S. 13)

  • Bei Überflug von Modellflugzeugen verließen die brütenden Vögel ihr Nest, auch wenn der Neststandort mehrere hundert Meter vom Flugplatz entfernt war (dichtester Standort an der Start- und Landebahn 105 m, entferntester Standort 570 m). In der Regel kehrten die Vögel erst auf ihr Nest zurück, wenn der Flugbetrieb beendet war. Während der Abwesenheit der Elternvögel ist die Gefahr des Eiraubes gegeben und konnte in einem Fall auch nachgewiesen werden.
  • Es wurden heftige Attacken von den Revier innehabenden Brachvögeln auf die Modellflugzeuge beobachtet. Aufgrund zweier bekannt gewordener Fälle vermutet der Autor, daß solche Zusammenstöße für die Brachvögel tödlich enden können.

Straßenverkehr (S. 14)

  • Von 47 Gelegen war der genaue Standort während der Untersuchungen bekannt. Es wurden insges. 68 Entfernungen zu den umliegenden Straßen und Wegen gemessen.
  • In 49 Fällen betrug die Entfernung zwischen 51 m und 300 m (76,6 %),
  • in 4 Fällen lag die Entfernung unter 50 m (5,9 %), der geringste Abstand von der Straße betrug 30 m, der größte Abstand 560 m.

Aufenthaltsbereiche, Revierentwertung, eingeschränkte Raumnutzung (S. 14 f.)

  • Durch das Untersuchungsgebiet führen 3 Verkehrswege: 2 unterschiedlich stark genutzte Straßen (1; 2) sowie ein geteerter Feldweg (3), der allein für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben ist, aber auch von Ortskundigen als Schleichweg genutzt wird. Alle drei werden zu den Zeiten des Berufsverkehrs regelmäßig befahren. Die Hauptverkehrszeiten waren morgens, mittags und am Spätnachmittag. Die größte Straße (1) wurde durchgängig befahren, bei der zweiten (kleinere Straße) (2) verminderte sich das Verkehrsaufkommen außerhalb der Spitzenzeiten deutlich, während auf dem Feldweg (3) geringer oder gar kein Verkehr herrschte.
  • Sowohl bei den Ruhe- als auch den Rastplätzen halten die Brachvögel einen Abstand zu den Verkehrswegen ein. Aufenthaltsorte in unmittelbarer Straßennähe konnten nur bei Straßen mit geringem Verkehrsaufkommen gefunden werden.
  • Bei der Straße mit dem höchsten Verkehrsaufkommen (1) wurde der größte Abstand eingehalten, mindestens 50 m. Diese Entfernung wurde auch bei geringerer Verkehrsdichte nicht unterschritten.
  • Bei der weniger frequentierten Straße (2) wurden während der ruhigen Phasen die straßennahen Bereiche genutzt, auch zu Spitzenzeiten betrug der Abstand zum Teil unter 50 m.
  • Beim Feldweg (3) wurden die straßennahen Bereiche überwiegend am frühen Morgen und späten Vormittag genutzt. Die eingehaltenen Abstände glichen denen der stark frequentierten Straße, was der Autor auf die intensive Nutzung durch Fußgänger und Radfahrer zurückführt.
  • Die nicht oder nur eingeschränkt nutzbaren Gebietsteile waren beim Feldweg am kleinsten und bei der stark frequentierten Straße am großflächigsten. Insgesamt ca. 7 ha an den Verkehrswegen fallen als potentieller Lebensraums für die Brachvögel aus.
  • Einer direkten Bedrohung waren die Brachvogelfamilien bei Überquerung des Feldweges ausgesetzt. Hier wurden mehrere Beinahe-Unfälle beobachtet.