Bundesamt für Naturschutz

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Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung, Georgii & Hofer (1997): Ballonsport, Tiere und Vegetation


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung    
 

  
SPORTARTEN

Ballonfahrt
 

INHALT

In dieser Untersuchung des bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen wurde mittels schriftlicher Befragung von Vertretern, Behörden, Hochschulen und Verbänden, eine Analyse über den Einfluss des Ballonsports auf die Flora und Fauna versucht.

Die Auswertungen haben gezeigt, dass besonders die Vögel vom Ballonsport betroffen sind. Die wichtigsten Faktoren für eine Reaktion waren das Brennergeräusch und die Fahrthöhe. Hinsichtlich der Vegetation stellte man fest, dass Schäden hauptsächlich auf Äckern, Wiesen und Weiden durch Landungen und den Abtransport der Ballone entstanden. 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Wirkungen:

Da Ballone selten an ein und dem selben Ort auftauchen und außerdem die Brennergeräusche ungleichmäßig auftreten, ist eine Gewöhnung insbesondere von Wildtieren unwahrscheinlich.(S. 60) Besonders kritische Aspekte des Ballonsports sind Tieffahrten, Landungen und Starts

 

Störempfindliche Tierarten:

Besonders empfindliche Tierarten sind "Wiesenbrüter" wie z.B. Birkhuhn, Grosser Brachvogel, Bekassine, Uferschnepfe etc., Wasservögel wie z.B. Enten-, Lappentaucher-, Reiher-, Rallen- und Limikolenarten. Des weiteren zählen auch im Kronendach von Wäldern, Baumgruppen oder Einzelbäumen brütende Arten wie z.B. Schwarzstorch, Seeadler und Fischadler dazu. Bei solchen empfindlichen Tierarten können schon geringe Störungen aus der Luft zur Aufgabe der Brut führen.

Bei landwirtschaftlichen Nutztieren wie z.B. Rindern, Pferden, Schweinen und Schafen erfolgt die erste Reaktion meist durch ein Ausweichen auf Sicht- bzw. Schallschutz bietende Objekte. Sind solche Objekte jedoch nicht vorhanden, können starke Erregungszustände mit Fluchtreaktionen erfolgen, bei denen sich die Tiere an Hindernissen wie z.B. Zäunen Verletzungen zuziehen können.

 

 

Bezug/Quelle

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 391) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)
 

Methoden

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland) 

Die Fragebögen wurden zwar an Einrichtungen in ganz Deutschland verschickt und die Informationsbeschaffung ebenfalls bundesweit durchgeführt, jeoch bildete Bayern den Schwerpunkt dieser Untersuchung.
 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse) 

(1) Befragung bestimmter Personengruppen, Verbände und Behörden; (2) Daten und Informationsbeschaffung bei Hochschulen und Behörden; (3) Die Fragebögen wurden im letzten Quartal 1995 ausgegeben. Alle bis zum 29.05.1996 zurückgeschickten Antworten (n = 509) wurden in die Auswertung mit einbezogen. 


BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Umfrage

Die Umfrage wurde an folgende Personengruppen, Verbände und Behörden gerichtet: Heißluft- und Gasballonführer sowie andere Ballonsportaktive; Revierpächter, Jäger, Jagdaufseher und Jagdvorstände; Mitglieder des Bund Naturschutz in Bayern e.V.; Mitglieder des Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.; Landwirte und Bayerischen Bauernverband; Landesverband Bayerischer Schafhalter; Mitglieder der Bayerischen Bergwacht; Mitglieder des Deutschen Alpenvereins e.V.; Bayerische Landratsämter (Unter Naturschutz- und Jagdbehörden); Luftämter Süd- und Nordbayern; Deutscher Luftpool und Bayerische Verkehrspolizeiinspektionen
Kriterien: Fahrgewohnheiten und Fahrverhalten der Piloten; Flughöhe; Zur Landung genutzte Lebensraumtypen; Reaktion von Wild- und Nutz- bzw. Haustieren auf Ballone; Beeinträchtigung von Wild- und Nutz- bzw. Haustieren; Schäden an landwirtschaftlichen Nutztieren und Vegetation; Räumliche Verteilung von Beobachtungen und Schadensmeldungen und Vorschläge für Massnahmen
 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Obwohl eine vorgeschriebene Mindestfahrthöhe von 150 Metern besteht, werden Tieffahrten unter dieser Höhe genauso oft beobachtet wie über dieser Höhe(S.26).

 

 

Ergebnisse

EINWIRKUNGSART

optische und akustische Beunruhigungen sowie direkte Schäden an der Vegetation 
 

TIERART UND ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG


Wildtiere und Nutz-/Haustiere

Reaktion von Wildtieren und Nutz- und Haustieren auf Ballone

  • Wildtiere: Hinsichtlich der Beobachtungshäufigkeit von Reaktionen waren Rehe mit 251 und Feldhasen mit 152 Beobachtungen an erster bzw. zweiter Stelle.
  • Vögel: Insgesamt wurden von den Befragten 27 Vogelarten mit Reaktionen auf den Ballonsport genannt. Häufig erkannt wurden von allen Befragten vor allem Enten-, Hühner- und Greifvögel, Gänse, Reiher, Raben und Tauben. Ebenfalls stark vertreten waren Wasservögel der drei Gruppen Gänse, Möwen und Limikolen. Von allen anderen Vogelarten erkannten die Beobachter nur in wenigen Fällen eine Reaktion.
  • Bei den landwirtschaftlichen Nutztieren haben vor allem Rinder, Pferde und Schafe eine beobachtete Reaktion auf Ballone gezeigt.
  • Weibliche Individuen reagieren heftiger als männliche und Junge heftiger als erwachsene Individuen. Besonders stark reagieren Muttertiere mit ihren Jungen.

Auslöser und Bedingungen für die Reaktion von Tieren

  • Ballon und Brennergeräusch: Von allen Befragten wurden die meisten Beunruhigungen bzw. Fluchtverhalten dann beobachtet, wenn der Brenner von Heißluftballonen gezündet wurde. Fluchtreaktionen ohne Brennergeräusch wurden nur von etwa halb so vielen Antwortenden beschrieben.
  • Fahrthöhe: Fluchtreaktionen wurden bei Fahrthöhen unter 150 m etwa doppelt so häufig beobachtet (56% der Antwortenden) wie bei Fahrthöhen zwischen 150 und 300 m (23%) über Grund. Bei Flughöhen über 300 m kam es bei den Tieren kaum mehr zu Fluchtreaktionen. Beunruhigungen zeigten die Tiere offensichtlich auch noch vermehrt bei Ballonfahrten über 150 m. Dies äußerte sich im Verhalten der Tiere durch Sichern, Schrecken und Sich drücken. Bei Flughöhen über 300 m konnte die Mehrheit der Befragten keine Beunruhigung mehr feststellen.
  • Sensible Jahreszeiten und Tageszeiten: Durch die Überschneidung wesentlicher Abschnitte der Ballonfahrsaison mit Brut- und Aufzuchtzeiten von Vögeln bzw. Setz- und Aufzuchtzeiten von Säugetieren entstehen je nach Lebensraum besonders in den Monaten April bis Juni störungsbedingte Beunruhigungen. Vögel sind in der Mauserzeit, von Juni bis August flugunfähig und somit noch empfindlicher. Im Winter können schon wenige Störungen durch Erregung und Flucht bei den Tieren zu lebensbedrohlichen Energieverlusten führen (S.62). Aus thermischen Gründen sind die Morgen- und Spätnachmittagsstunden für den Ballonfahrer sehr interessant. Diese überschneiden sich aber auch mit den Hauptaktivitätszeiten von Wildtieren. Besonders kritisch ist der Ballonsport, wenn dieser auch in den Abend- und Dämmerungsstunden ausgeübt wird.
  • Lebensraumcharakter/-typ: Fluchtreaktionen gegenüber Ballonen waren in offenen und deckungslosen Landschaftsteilen oder auf Gewässern viel häufiger als in Offenlandbereichen mit üppiger Deckung (S. 37). Vor allem abgelegene, von anderen anthropogenen Nutzungen weitgehend unbelastete Gebiete waren betroffen (S. 61). Fahrten über oder Starts und Landungen in naturnahen Lebensräumen oder Schutzge