Bundesamt für Naturschutz

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Baur, Bruno (2006): Konkurrierende Raumnutzungen: Forstwirtschaft, Erholung und Naturschutz in stadtnahen Wäldern


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer     

 

SPORTARTEN

Landgebundener Sport, Laufen, Mountainbiking, Orientierungslauf, Radfahren, Reitsport, Wandern/ Geländelauf

  
INHALT

Gut erreichbare Wälder in Ballungsgebieten stehen oftmals unter hohem Nutzungsdruck durch Erholungssuchende. Gleichzeitig stellen sie aber auch einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dar und sollen zudem forstwirtschaftlich genutzt werden können. Bei zu großen Besucherzahlen kann es somit zu Konflikten zwischen Freizeit, Naturschutz und Forstwirtschaft kommen.

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt von Forstfachleuten aus dem Kanton Basel-Landschaft mit Beteiligten aus den Bereichen Ökologie, Naturschutz und Botanik sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern sollten mittels telefonischer Umfragen, Vor-Ort-Befragungen (vgl. auch Heer, Rusterholz & Baur 2003) und Untersuchungen zu ökologischen Auswirkungen der Freizeitnutzung (vgl. auch Rusterholz, Stingelin & Baur 2000) sowie einer Literaturrecherche folgende Fragen beantwortet werden:


  • Wie stellen sich die verschiedenen Waldbesucher ihren Freizeitwald vor?
  • Unter welchen Bedingungen können verschiedene Freizeitaktivitäten Schäden an der Pflanzen- und Tierwelt des Lebensraumes Wald anrichten?
  • Welche finanziellen Folgen in Form von Ertragsausfällen und zusätzlichen Aufwendungen entstehen der Forstwirtschaft durch intensive Freizeitnutzung?
  • Mit welchen praktischen Maßnahmen können durch Freizeitaktivitäten verursachte Schäden reduziert oder sogar verhindert werden?

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Zahlreiche Studien zeigen die teils beträchtliche Schädigung des Waldes durch intensive Freizeitnutzung auf. Die Auswirkungen einzelner Freizeitaktivitäten auf Tiere und Pflanzen sind dabei sehr verschieden und oftmals komplex, so dass sie für den Erholungssuchenden manchmal kaum erkennbar sind und deshalb auch nicht mit der eigenen Aktivität in Verbindung gebracht werden. Das Ausmaß von Schädigungen oder Störungen hängt dabei stets von verschiedenen Faktoren wie der Art der Freizeitaktivität, der Anzahl und des Verhaltens der Erholungssuchenden und auch von der Tages- oder Jahreszeit ab.

Besucher, die sich abseits der Wege aufhalten, tragen zu einer Reduktion der Laub-, Kraut- und Strauchschicht sowie zur Verdichtung des Waldbodens bei, die sich negativ auf das Wasserspeichervermögen und die Bodendurchlüftung sowie auf das Wachstum und die Überlebensrate von Keimlingen auswirkt. Bereits geringe Trittbelastungen können außerdem zu Veränderungen in der Artenzusammensetzung der Pflanzenlebensgemeinschaften sowie zum lokalen Aussterben von einzelnen Arten führen: Trittempfindliche Arten verschwinden und werden durch resistentere Arten ersetzt.

Für die Waldeigentümer ist die verstärkte freizeitliche Nutzung der Wälder mit erhöhten Kosten verbunden: neben den üblichen, aus forstwirtschaftlichen Gründen notwendigen Pflegemaßnahmen fühlen sich viele der befragten Eigentümer (oft in Zusammenarbeit mit Gemeinden oder Verkehrs- und Verschönerungsvereinen) auch dafür verantwortlich, eine sinnvolle Infrastruktur für Erholungszwecke bereitzustellen. Um die Sicherheit insbesondere während des Holzschlags zu gewährleisten, ist es außerdem nötig Wege abzusperren, Informationstafeln aufzustellen oder zusätzliche Waldarbeiter zu positionieren, die Besucher warnen und umleiten können. All dies verursacht Kosten, die die Waldeigentümer zu einem großen Teil selber tragen müssen. Des Weiteren kann durch freizeitbedingte Schädigungen an ausgewachsenen Bäumen oder Jungpflanzen ursprünglich wertvolles Holz stark in seiner Qualität beeinträchtigt sein und nur zu einem reduzierten Preis verkauft werden.

Zur Konfliktminderung kommt einem Waldentwicklungsplan, der unter der Mitwirkung von Interessensvertretern verschiedener Gruppierungen zu erstellen ist, eine wichtige Rolle zu. Vertreter aus Naturschutz, Sport und Forstdienst können ihre Vorstellungen über die Waldbenutzung vortragen und unter Berücksichtigung des Wertes einzelner Teilbereiche des Waldes gemeinsam ein Lenkungskonzept für Freizeitaktivitäten entwerfen. Durch die räumliche Trennung von Aktivitäten (z.B. getrennte Biker-Routen, Reitwege und Wanderwege) können außerdem Konflikte zwischen einzelnen Nutzergruppen vermieden werden.
 
 

BEZUG / QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3037) sortiert.
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