Bundesamt für Naturschutz

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Baumgartner, Karin (1989): Beiträge zur Lebensraumnutzung des Alpenschneehuhns (Lagopus mutus helveticus) im Nationalpark Berchtesgaden Testgebiet Jenner


Diese Auswertung wurde erstellt von: FÖA Landschaftsplanung  

 

SPORTARTEN

Wandern/Geländelauf, Wintersport

  
INHALT

Abflug

 

 


 

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Unter bestimmten Voraussetzung, die im Untersuchungsgebiet gegeben sind, ist die Koexistenz von Alpenschneehühnern und Wander- bzw. Wintersportbetrieb möglich:


  • Wanderbewegungen konzentrieren sich auf die Wege.
  • Bewegung/Aufstieg auf dem Wanderweg erfolgt übersichtlich und langsam, d.h. bleibt für Tiere kontrollierbar.
  • Rasche Annäherung von Skifahrern auf breiten Flächen unterbleibt.
  • Stärkste Nutzung des Gebietes durch Wanderer fällt in die Ruhephase der Tiere (Mittagszeit).
  • Nutzung des Gebietes durch Wanderer ist zur Balzzeit im April/Mai eingeschränkt.
  • Trupps und Hähne in Wegnähe können nach Beobachtung von auftauchenden Personen verwarnen.

BEZUG/QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 2616) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

Methoden

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland) 

Jenner, Schneibstein, Pfaffenkegel, Hoher Gröll, Torrener Joch; Nördliche Kalkalpen, Berchtesgadener Alpen; Bayern

 

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (TYP DER ANALYSE)

  • Untersuchungszeiträume: Oktober 1984 - Juni 1995, Januar 1987 - September 1988 (insgesamt 170 Tage)
  • Erfassung der Bestandsdaten und Störwirkungen: (1) Verhören der Morgen- und Abendbalz: Lage, Anzahl, Verteilung und Größe besetzter Reviere, Entwicklungsphasen der Balz, Aufenthaltsgebiete und Bewegungsrhythmen der Trupps, Aktivitätsphasen, Qualität der Lebensbedingungen,(2) Direktbeobachtungen bezüglich Verteilungsdichte, Verbreitung, Strukturnutzung, Verhaltensökologie, (3) Aufzeichnung von Losungsfunden, Losungshaufen, Spuren, Schneehöhlen, Federn
  • ergänzende Beobachtungen: Vegetationsausstattung, Wetterdaten
  • Erfassung der Einwirkung: Beobachtung der Aktivitäten von Touristen und Einheimischen

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Bewertung als Störwirkung: Verhaltensänderung, Veränderung der Lebensraumnutzung
Kriterien: Reaktionsdistanz, Reaktionsverhalten (keine Reaktion, leichte Reaktion - siehe Auswirkung, Sichern/Deckung, Flucht am Boden, Abflug, Verleiten, Verrufen) 

 

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Verhalten im Jahresverlauf:


  • Bildung von Trupps ab Anfang Juli bis Anfang April; Paarbildungsphase ab Ende März bis Anfang Juli, nicht-territoriale Hähne verbleiben in Frühjahrstrupps
  • Brutzeit: bei günstigen Witterungsbedingungen ab Mai, sonst ab Juni ca. 22 - 23 Tage
  • Balz im Frühjahr und Herbst

LEBENSRAUMNUTZUNG

  • ganzjährig oberhalb der Baumgrenze an felsig-blockigen und/oder zwergstrauchreichen Hängen anzutreffen
  • Nutzung von Steinen und Pflanzen zur Deckung und zum Schutz vor Witterungseinflüssen
  • Nutzung exponierter Felsen durch Hähne als Ruf- und Aussichtswarte

Ergebnisse

EINWIRKUNGSART

optische und akustische Beunruhigung durch Personen 
 

EINWIRKUNGSGRAD

Frequentierung des Wandergebietes in der Mittagszeit am höchsten
 

TIERART UND ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG

Veränderung der Lebensraumnutzung:


  • Aufenthaltsbereiche und Reviere befinden sich in unmittelbarer Nähe zu vielbegangenen Wegen, selbst zu Bergstationen
  • Störreaktionen bei Nutzung der wegnahen Bereiche finden in unterschiedlicher Intensität statt, Tiere bleiben aber meist im Revier, nur bei Anhalten eines heftigen Störreizes Flucht in das Nachbarrevier; dort folgen heftige Rivalitäten
  • Hauptnahrungsgebiete im Winter liegen teilweise abseits der Wege bzw. Pisten, insofern hier keine Konfrontation, wenn Besucher auf Wegen und Pisten bleiben
  • Tiere in Revieren der großen, offenen Latschenzone sind gegenüber permanenten Störreizen weniger tolerant: mit dem Beginn des Wanderbetriebes Ausweichen in kleinere, offenen Flächen mit Sichtschutz
  • bei Annäherung an Paare verleitet der Hahn
  • bei Annäherung an führende Henne Verleiten durch die Henne in 1,5 m Abstand beobachtet