Bundesamt für Naturschutz

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Albrecht, Claus; Esser, Thomas; Tillmanns, Oliver (2007): Monitoring des Modellfluggeländes "Kleine Eube", Biosphärenreservat "Rhön". Vergleich der Ergebnisse aus den Bestandsaufnahmen 2005 und 2007.


Diese Auswertung wurde erstellt von: Jannes Bayer   

 

SPORTARTEN

Modellflug

 

INHALT

Bestehende Ergebnisse aus einer naturschutzfachlichen Standortbewertung ermöglichten es den Autoren im Auftrag des Deutschen Modellflieger Verbandes (DMFV) e.V. mit Hilfe neuer Untersuchungen Veränderungen an einem wieder in Betrieb genommenen Modellfluggeländes im Biosphärenreservat Rhön zu bestimmen. Das Gutachten sollte dabei Antworten auf folgende Fragen liefern:


  • Wie hat sich die Biotopausstattung des Gebietes als Folge der Umstrukturierung für den Modellflugbetrieb geändert?
  • Welche Auswirkungen haben der Flugbetrieb und die Änderung der Biotopausstattung auf die Avifauna, insbesondere auf Brutvogelarten?
  • Wie hat sich der naturschutzfachliche Wert des Untersuchungsgebietes geändert?

SCHLUSSFOLGERUNGEN DES/DER AUTOR(INN)EN

Zwar konnten sowohl in der Biotopstruktur als auch in der Avifauna zwischen beiden Untersuchungszeiträumen Veränderungen festgestellt werden, doch wurde ebenso deutlich, dass sich diese nicht generell negativ auf den naturschutzfachlichen Wert des Gebietes auswirken. Durch die Entfernung landschaftsuntypischer Biotopeinheiten wie den Fichtenforsten und die Umwandlung in Grünland konnte der Wert des Geländes vegetationskundlich und landschaftsästhetisch gesteigert werden. Auch haben sich diese Maßnahmen als unproblematisch hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Avifauna herausgestellt, da die Aufwertung für Offenlandarten die potentiellen Beeinträchtigungen für andere Arten überwiegt.  

 

BEZUG / QUELLE

Diese Publikation ist in der Präsenzbibliothek "Natursportinfo" im Freihandbereich der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln einsehbar, wie übrigens die meisten in der Datenbank aufgeführten Publikationen. Die Arbeiten sind dort entsprechend ihrer Kennung (ID-Nummer, hier 3042) sortiert.
Bestellungen sind gegen Gebühr möglich mit Mail an natursportinfo@dshs-koeln.de unter Angabe der Kennung (ID-Nummer)

Methoden

UNTERSUCHUNGSGEBIET (Geo-Objekt, Naturraum, Bundesland) 

Modellfluggelände im Bereich der Kleinen Eube, einer Geländekuppe in der Hohen Rhön, die ca. 900 Meter südlich der Wasserkuppe und 1.200 Meter nordwestlich der Ortschaft Obernhausen im Kreis Fulda / Hessen liegt. Geprägt wird das Gebiet durch grünland- bzw. magerrasendominierte Hang- und Kuppenflächen. Daneben treten lokal Gliederungselemente und Strukturen wie Weidengebüsche, Einzelbäume, Fichtenparzellen sowie Quellmulden und -rinnen auf.   

 

UNTERSUCHUNGSANSATZ (Typ der Analyse) 

Vergleich naturschutzfachlicher Bestandsaufnahmen der Biotopausstattung und der Avifauna aus den Jahren 2005 und 2007 mit dem Ziel, Aussagen über mögliche Veränderungen infolge des Modelflugbetriebes treffen zu können. 

 

BEWERTUNGSMETHODEN, KRITERIEN

Biotopausstattung: Flächendeckende Erfassung der Vegetationstypen im Untersuchungsgebiet sowie Kartierung und Dokumentation der Veränderungen zwischen 2005 und 2007.


Avifauna: Revierkartierung durch mehrere Begehungen des Untersuchungsgebietes zu verschiedenen Tageszeiten im Zeitraum Anfang Mai bis Anfang Juni 2005 sowie Ende April bis Ende Juni 2007 mit dem Schwerpunkt auf Brutvögeln. Diese wurden anhand revieranzeigender Verhaltensweisen und Brutnachweisen bzw. -beobachtungen ermittelt. Ebenfalls erfasst wurden alle anderen Vogelarten, die ohne revieranzeigendes Verhalten beobachtet werden konnten.

KONTROLLZUSTAND, AUSGANGSLAGE

Die Abgrenzung des Untersuchungsgebietes entsprach den Vorgaben eines vom Kölner Büro für Faunistik erarbeiteten „Leitfadens für die Bewertung der Neuzulassung oder Änderung von Modellfluggeländen unter naturschutzfachlichen Aspekten“ und berücksichtigte in der Literatur beschriebene Stördistanzen von Vögeln gegenüber Menschen und Flugmodellen. 

 

 

Ergebnisse

EINWIRKUNGSART

Akustische, optische und mechanische Einwirkungen durch die Modellflugsportler und ihre Flugmodelle sowie Rodungs- und Räumarbeiten zur Aufnahme des Flugverkehrs im Vorfeld der Inbetriebnahme des Geländes. 

 

EINWIRKUNG AUF TIERARTEN / VEGERATIONSEINHEITEN

TIERART ART DER BEEINTRÄCHTIGUNG/AUSWIRKUNG
Offenlandarten Im Jahr 2005 konnten Wachtel, Feldlerche, Wiesenpieper und Feldschwirl als Brutvogelarten nachgewiesen werden, im Umfeld außerdem das Rebhuhn. 2007 wurden Wachtel und Feldschwirl nicht mehr erfasst, dafür traten Braunkehlchen und Goldammer, im Umfeld zudem Wachtelkönig und Neuntöter, neu als Brutvögel auf. Daneben wurden in beiden Untersuchungsjahren verschiedene Gastvogelarten registriert, die bis auf wenige Arten in beiden Jahren beobachtet werden konnten.
Waldarten Einige 2005 als Brutvögel aufgetretene Arten konnten im Jahr 2007 nur noch auf Nahrungssuche (Buntspecht, Eichelhäher, Grünfink), ausschließlich im unmittelbaren Umfeld (Kleiber, Waldbaumläufer) oder gar nicht mehr (Heckenbraunelle, Singdrossel) beobachtet werden. Mit Tannenmeise und Kernbeißer wurden zwei Arten dagegen nur 2007 festgestellt.
Waldrandarten Die Dorngrasmücke wurde in beiden Jahren als Brutvogel registriert, der Fitis dagegen brütete 2007 nicht mehr im Untersuchungsgebiet, sondern in der unmittelbaren Umgebung. Ausschließlich im Jahr 2007 konnte der Baumpieper festgestellt werden.
Naturschutzfachliche Bewertung Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Nutzung des Modellfluggeländes nicht zu erkennbaren negativen Veränderungen in der Artenvielfalt und -zusammensetzung der Vogelfauna geführt hat. Das Ab- und Zuwandern bestimmter Arten ist in einem Gebiet dieser geringen Größe durchaus zu erwarten und kann in dem meisten Fällen nicht direkt auf die Veränderungen der Biotopstruktur oder auf den Modellflugbetrieb zurückgeführt werden.

Vegetationseinheit Art der Beeinträchtigung / Auswirkung
Veränderungen in der Biotopausstattung Zwei kleinflächige Fichtenbestände wurden im Sommer 2006 abgeholzt. Nach Rodungs- und Räumarbeiten wurde eine der Flächen in Grünland umgewandelt, die andere Fläche wurde gerodet und oberflächlich abgeflämmt. Eine kleine Grünlandfläche wurde zudem zur Anlage von PKW-Stellplätzen beansprucht.
Naturschutzfachliche Bewertung Mit Ausnahme der Kies- und Schotterflächen der PKW-Stellplätze haben die neu entstandenen Biotopstrukturen einen vergleichbaren oder sogar höheren naturschutzfachlichen Wert, der sich durch entsprechende Pflege sogar noch steigern kann.

BEMERKUNGEN

Neben den durchgeführten Rodungs- und Räumarbeiten verursachte der Sturm Kyrill im Januar 2007 erhebliche Veränderungen der Waldstruktur, da zahlreiche Fichten umknickten oder entwurzelt wurden.