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Tafelente


Tafelente © Hans Glader, piclease
Foto: Tafelente © Hans Glader, piclease

Tafelente (Aythya ferina)
Andere bekannte Namen: Braunkopfente, Rothalsente
Rote Liste Deutschland 2007: Die Art ist derzeit nicht gefährdet.

Die Tafelente hat ihr europäisches Verbreitungsgebiet seit Mitte des 19. Jahrhunderts Richtung Westen ausgebreitet. Geeignete Brutgewässer werden in bestimmten Regionen Westeuropas nach wie vor neu besiedelt, auch wenn die Bestände mittlerweile ihre maximale Höhe erreicht zu haben scheinen. In manchen Gegenden sind die Bestände der Tafelente bereits wieder etwas rückläufig, was sich auch im Winter beobachten lässt. Der europäische Bestand liegt bei etwa 210.000 – 440.000 Brutpaaren, wobei der Schwerpunkt mit fast 90 % in Ost-Mitteleuropa und Osteuropa liegt (Bauer et al. 2005). Außerhalb Europas gibt es keine bedeutsamen Tafelentenbestände, daher liegt die Verantwortung für die Erhaltung dieser Art im europäischen Raum.

Die Tafelente wurde früher oft gegessen, da ihr Fleisch – bedingt durch den hohen Anteil pflanzlicher Kost – weniger tranig schmeckt als bei den anderen Tauchentenarten. Daher hat sie auch ihren Namen.

Lebensraum von Tafelenten

Europa

Die Tafelente ist über die mittleren Breiten Westeuropas bis zum Baikalsee verbreitet. Die Nord-Süd-Ausdehnung ihres Verbreitungsgebiets reicht vom südlichen Skandinavien bis in die mediterrane Zone. In den letzten Jahren hat sie sich nach Westen ausgebreitet. Allerdings sind noch nicht alle Teile Mittel- bzw. Westeuropas von der Tafelente besiedelt. In Deutschland ist sie mittlerweile ein verbreiteter Brutvogel.

Gewässer

Die Tafelente ist eine Tieflandart, die in den Mittelgebirgen nur selten über 600 m Höhe anzutreffen ist. Sie bevorzugt flache, nährstoffreiche, große  Seen. Langsam  fließende Gewässer mit einer ausgeprägten Flachwasserzone und dichter Ufervegetation werden genauso besiedelt wie nährstoffarme Moorseen, salzhaltige Steppenseen und brackige Küstengewässer. Ein hoher Anteil der Brutplätze befindet sich an künstlichen Gewässern.

Winter

Im Winter steigt die Zahl der Tafelenten auf größeren, nicht zufrierenden Gewässern wie auf Stauseen deutlich an, da sich Vögel aus nordöstlichen Populationen hinzugesellen. Sie halten sich dann in mehreren kleinen Trupps und oft mit anderen Tauchenten gemischt auf den großen Wasserflächen auf. Die Tafelente bevorzugt Binnengewässer. Nur wenn bei strengem Frost die Seen zufrieren, weicht sie auf die eisfreien Küstengewässer aus.

Gefährdung von Tafelenten

Jagd

Die Tafelente wird in Deutschland nicht gejagt. Die Jagd auf Stockenten an den gleichen Gewässern stört jedoch auch die Tafelente massiv. Sie erhöht ihre Fluchtdistanz und meidet somit unnötigerweise die Uferbereiche der bejagten Gewässer. Da die Stockente bis in den Winter hinein bejagt wird, werden unter anderem auch überwinternde Tafelenten aufgescheucht und von geeigneten Gewässern vertrieben. Sie müssen unter Umständen bis zum nächsten eisfreien Gewässer fliegen und verlieren dadurch unnötig viel Energie.

Störungen

Werden Gelege aufgrund von Störungen verlassen, können die zurückgebliebenen Eier von  Rabenkrähen oder  Möwen erbeutet werden. An häufig beeinträchtigten  Gewässerufern gehen deutlich mehr Gelege verloren als in störungsfreien  Seengebieten

Weitere Gefahren

Gelegentlich sterben Tafelenten durch Unfälle im Straßenverkehr. Auch wenn sie elektrische Leitungen anfliegen, sich in Fischernetzen verfangen und ertrinken oder ihr Gefieder verölt wird, können sie verenden.
Wenn die Tiere liegengebliebene Bleischrote fressen, werden sie stark belastet und können vergiftet werden.
Bedeutende Mausergewässer, wie z.B. das Ismaninger Teichgebiet, unterliegen wasserbaulichen Veränderungen, die der Tafelente schaden.

Schutz von Tafelenten

Große Binnenseen sind für viele Entenarten unersetzliche Brut-, Mauser-, Durchzugs oder Überwinterungsgebiete. Um den Schutz der Tafelente in allen Jahreszeiten zu gewährleisten, sollten an großen Gewässern großflächige Ruhe- und Jagdverbotszonen ausgewiesen werden.

Biologie der Tafelente

Systematik

Ordnung: Anseriformes (Entenvögel)
Familie: Anatidae (Entenvögel)

Aussehen

Die Tafelente gehört wie die Berg-, Schell-, Kolben-,  Reiher- und Moorente zu den in Deutschland heimischen  Tauchenten. Die Tafelente ist mittelgroß, kleiner als die  Stockente und wirkt gedrungen. Der Kopf ist groß und sitzt auf einem relativ langen Hals. Der lange, leicht konkave Schnabel geht ohne Stufe in die sanft ansteigende Stirn über. Sie weist die für alle Tauchenten typischen Merkmale auf.

Die Beine setzen im hinteren Körperdrittel an, wodurch Tauchenten sich beim Tauchen optimal fortbewegen können, an Land aber eher unbeholfen sind. Die Beine sind im Verhältnis gesehen kürzer als die der Schwimmenten, dafür aber kräftiger gebaut. Sie haben eine lange Hinterzehe, deren Hautlappen (Schwimmhaut) sich auf weichem Boden breit abdrückt. Die Außen- und die Mittelzehe sind gleich lang, anders als bei den Schwimmenten.

Der Körper liegt beim Schwimmen tief im Wasser, während die Schwanzfedern zur Wasseroberfläche zeigen. Die Flügel sind sehr kurz. Wenn Tafelenten von der Wasserfläche auffliegen wollen, müssen sie erst anlaufen und erheben sich dann wesentlich schwerfälliger in die Luft als Schwimmenten.

Das Prachtkleid des Erpels ist an Kopf, Hals und Vorderrücken kastanienbraun, die Vorderbrust und der untere Hals sind glänzend schwarz. Die silbergrauen Flanken und der graue Rücken sind von der dunklen Vorderhälfte deutlich hell abgesetzt. Der Schwanzansatz und die Oberschwanzdeckfedern sind dunkelbraun und umrahmen den hellen Rückenteil. Zu jeder Jahreszeit ist auf dem Flügel ein grauer Streif an den Handschwingen zu erkennen. Der Erpel hat einen schwarzen Schnabel mit einer graublauen Binde vor der Spitze.

Der Schnabel des Weibchens ist zur Brutzeit einheitlich dunkelfarben. Während der Erpel eine auffällig rote Iris hat, ist diese bei der Ente haselnussbraun gefärbt. Das Weibchen ist unscheinbar graubraun, die Färbung ist variabel. Die Oberseite und die Flanken sind etwas heller als das übrige Gefieder und meist grau getönt. Die Ente hat einen hellen Augenring und einen hellen Streifen, der sich vom Auge nach hinten zieht.

Das Männchen ist im Schlichtkleid insgesamt viel matter. Vorderbrust und Schwanz sind nun dunkelbraun, der Rücken färbt sich brauner als im Prachtkleid.

Fortpflanzung

Tafelenten werden Ende des ersten Lebensjahres geschlechtsreif. Die Brutpartner bleiben unterschiedlich lange zusammen. In der Regel gehen Tafelenten jedoch nur eine kurze Brutehe mit ihrem Partner ein. Männchen können sich auch mit mehreren Weibchen paaren und mehrere Bruten gleichzeitig betreuen.

Die Balz beginnt teilweise bereits im Vorwinter, erreicht aber erst im März ihren Höhepunkt. Im Mai sind alle Enten verpaart.

Die Ente erscheint vor dem Erpel am Brutplatz. Sie baut das Nest alleine und sucht sich dafür nicht zu breite, möglichst gut strukturierte Röhrichtgürtel aus Schilf, Seggen oder anderen Uferpflanzen aus. Das Nest ist gut getarnt, dicht am Wasser und ermöglicht stets die schnelle Flucht durch Wegtauchen. Nur in Ausnahmefällen werden Nester 5 – 10 m vom Wasser entfernt in dichter und hoher Vegetation, z.B. unter Gebüschen, angelegt. Alte Nester von Enten, Möwen oder Rallenvögeln werden oft überbaut, vor allem, wenn sie in tiefem Wasser liegen. Die Tafelente baut aber auch schwimmende Nester in die  Röhrichtzone oder auf festem Boden von Seeinseln. Gelegentlich brüten Tafelenten in Weiden und in Baumhöhlen.

Kommen sehr viele Tafelenten in einer Gegend vor, brütet sie auch an kleinen Gewässern wie Klär- oder Fischteichen. Zur Aufzucht der Jungen zieht sie aber später gerne auf in der Nachbarschaft liegende, größere Gewässer um.

Die 6 – 9 Eier werden im Mai/Juni in eine Mulde gelegt, die mit Pflanzenteilen und Dunenfedern ausgekleidet ist. Gelegentlich legen Tafelenten ihre Eier mit artgleichen, aber auch mit artfremden Weibchen zusammen, wobei große Gelege entstehen können, die aber keinen besonders großen Bruterfolg aufweisen. Geht das Erstgelege verloren, kann eine Nachbrut angelegt werden.

Die Ente brütet ihre Eier alleine 23 – 26 Tage lang aus. Der Erpel bleibt stets in der Nähe der brütenden Ente, begleitet sie in Brutpausen und warnt bei Gefahr. Wenn die Ente ihr Nest verlässt, macht sie das sehr vorsichtig und deckt vorher die Eier mit Pflanzenteilen zu.

Der Erpel verlässt die Ente meist noch bevor die Jungen geschlüpft sind. Nur selten sieht man ihn noch an ihrer Seite, wenn sie die Jungen führt. Die Küken verlassen bereits am ersten oder zweiten Tag nach dem Schlüpfen das Nest. Bereits am zweiten Tag ernähren sie sich selbständig. Das Tauchen ist den Küken angeboren. Die Ente kümmert sich 7 – 8 Wochen lang um die Jungen, verlässt sie aber manchmal auch schon nach wenigen Wochen. Spätestens wenn die Jungen nach 9 – 10 Wochen ihre volle Flugfähigkeit erreicht haben, löst sich der Familienverband auf.

Die Tafelente bildet Bastarde, vor allem mit der Reiherente.

Nahrung

Die Tafelente taucht nicht nur, sondern sie gründelt – ähnlich wie die Schwimmente – öfter auch im Flachwasser. Sie nimmt mehr pflanzliche Kost zu sich als die anderen Tauchentenarten. Vor allem frisst sie Pflanzenteile von Wasserpflanzen oder Teile von  Röhricht- oder Uferpflanzen.

Ihre tierische Nahrung besteht aus Muscheln, Schnecken,  Krebsen, kleinen  Fischen,  Amphibien und deren Laich, Insekten und deren Larven. Die Tiere werden beim Tauchen im freien Wasser und auf dem Grund erbeutet. Ihre Hauptnahrung im Winter ist oft die in einige Binnengewässer eingeschleppte Dreikantmuschel. Die Nahrung der Tafelente, die jahreszeitlich wechselt, kann sehr einseitig sein und nur aus wenigen Arten bestehen.

Natürliche Feinde

Fuchs, Marder, Waschbär, Marderhund oder Mink machen Jagd auf Tafelenten, wobei vor allem brütende Enten erbeutet werden. Die Gelege werden von Dachs,  Möwe,  Rabenvögeln, Ratte, Wildschwein oder auch durch Überschwemmungen vernichtet. Küken fallen Hechten, großen Forellen oder Greifvögeln wie der  Rohrweihe zum Opfer. Strenge Winter, in denen in weiten Teilen Europas die Binnengewässern zufrieren, können zu Verlusten führen.

Verhalten

Da die Tafelente eine Tauchente ist, sucht sie selten das Ufer auf. Sie vermeidet Energieverluste, die durch Auffliegen entstehen können. Das ganze Jahr über lebt sie gesellig, auch mit anderen Entenarten zusammen.

Während der Gruppenbalz zeigen Tafelenten einige für Enten allgemein typische Verhaltensweisen. Sie schütteln ihren Kopf, werfen ihn zurück, legen sich flach hin, verfolgen sich gegenseitig beim Fliegen und schwimmen schnell mit einer Bugwelle. Wenn der Erpel sich flach hinlegt, duckt er zunächst seinen Kopf und legt sich dann mit ausgestrecktem Hals flach auf das Wasser. Dabei taucht er Kopf und Hals so tief ein, dass gerade noch die Augen und die Schnabelspitze aus dem Wasser ragen. Unmittelbar bevor sie sich verpaaren tauchen Männchen und Weibchen ihre Schnäbel in das Wasser und beknabbern gegenseitig ihre Gefieder.

Je nach ihrer geografischen Herkunft sind Tafelenten entweder ganzjährig im Brutrevier oder Zugvögel. Nördliche und östliche Populationen fliegen in südwestliche Richtung. Hauptüberwinterungsgebiete der Tafelente sind Frankreich und Spanien. Auch Länder des nördlichen oder mittleren Afrikas werden aufgesucht. Die südwestliche Ostsee oder die Atlantikküste gehören auch zu ihren Überwinterungsgebieten. Die Enten ziehen dabei meist in weiter südlich gelegene Überwinterungsgebiete, während die Erpel überwiegend in Deutschland überwintern. Bereits im Juni/Juli suchen vor allem die Erpel traditionelle Mauserplätze auf. Zugvögel verlassen im September/Oktober ihr Brutgebiet, in das sie zwischen Februar und April zurückkehren.

Tafelenten können im Freiland über 10 Jahre alt werden.

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