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Stockente


Stockente mit Küken © Frank Wierzchowski, piclease
Foto: Stockente mit Küken © Frank Wierzchowski, piclease

Stockente (Anas platyrhynchos)
Andere bekannte Namen: Märzente
Rote Liste Deutschland 2007: Die Art ist derzeit nicht gefährdet.

Die Stockente ist die bekannteste und in Europa am häufigsten vorkommende Entenart. Zusammen mit der Pfeif-, Spieß-, Löffel,  Krick-, Knäk- und Schnatterente bildet sie die Gruppe der  Schwimm- oder Gründelenten, wobei die Stockente am größten ist.

Da die Stockente in Europa sehr häufig vorkommt, wird ihr Bestand nur grob geschätzt und mit 3,3 – 5,1 Mio Brutpaaren angegeben. Davon entfallen mindestens 900.000 – 1,7 Mio Brutpaare auf Mitteleuropa (Bauer et al. 2005). Der derzeitige Gesamtbestand in Deutschland liegt bei 190.000 bis 345.000 Brutpaare (Sudholdt et al. 2013). Der Einfluss kalter Winter und das regional schwankende Nahrungsangebot führen zu Bestandseinbrüchen. Eine Stabilisierung der Bestände auf hohem Niveau wird dagegen durch mehrere, aufeinander folgende milde Winter, durch neu geschaffene, geeignete  Gewässer und durch einen Rückgang der Jagd unterstützt.

Lebensraum von Stockenten

Die Stockente ist fast auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitet. Weltweit wurde sie in mehreren Regionen ausgesetzt. Sie brütet an  Gewässern aller Art, beispielsweise an  Seen,  Weihern, Altarmen,  Bächen und Flüssen, in  Sumpfgebieten, an Wassergräben und oft auch an Parkteichen inmitten der Städte. In den Alpen brütet sie noch in 2.000 m Höhe. In der Zugzeit trifft man sie auch an Meeresküsten oder an Brackwasserabschnitten von Flüssen.

Gefährdung von Stockenten

Verbauung, Beutegreifer, Wassersport

Die Stockentenbestände nahmen in den 1960er und 1970er Jahren zu, da durch die Intensivierung der Landwirtschaft und das Einleiten von Abwässern viele Nährstoffe in die Gewässer gelangten (Eutrophierung) und damit das Nahrungsangebot stieg. An einigen Brutgewässern verschlechterte sich die Situation jedoch auch in den nachfolgenden Jahren. Die Gründe hierfür waren Gewässerverbauung, die Zunahme der Beutegreifer und auch die verstärkte Freizeitnutzung der Gewässer.

Paarung

Die Stockente ist die Stammform unserer Hausente. Mit dieser und mit anderen ausgesetzten Zuchtformen kann sie sich verpaaren (Hybridisierung). Dadurch gehen natürliche Verhaltensformen verloren und die Stockente kommt nicht mehr überall als genetisch reine Art vor. Die Nachkommen sind oft untypisch gefärbte Vögel, die teilweise weiß gescheckt sind, blaue Köpfe oder blaue Schnäbel haben. Oft fehlt der weiße Halsring oder die braune Brust, oder es kommen andere Farbabweichungen vor. Hybridisierung kann daher grundsätzlich zu einer Gefährdung führen, negative Auswirkungen auf die Art sind jedoch bisher nicht belegt.

Jagd

Weil das Fleisch der Stockente sehr gut schmeckt, wird sie in vielen Ländern intensiv bejagt. Die Jagdzeit in Deutschland dauert von September bis Mitte Januar. Die Jagd beunruhigt das komplette Gewässer, was sich besonders auf empfindlichere Wasservogelarten auswirkt. Dies kann zu direkten Verlusten bei diesen Vogelarten führen, aber auch dazu, dass diese eigentlich geeigneten Überwinterungsgewässer gemieden werden. Wenn Wasservögel Bleischrote mit der Nahrung aufnehmen, können sie sich vergiften.

Schutz von Stockenten

Die Hybridisierung, d.h. die Verpaarung von Stockenten mit Hausenten oder anderen Entenarten, gefährdet möglicherweise die Artreinheit der wildlebenden Stockente. Es sollte zudem sollten stärker darauf geachtet werden, dass Hausenten nicht in die freie Landschaft geraten.

Um die Belastung der Uferbereiche mit Blei zu reduzieren, wird derzeit diskutiert, Wasservögel unter Verwendung von Stahlschroten anstelle der Bleischrote zu schießen.

Biologie der Stockente

Systematik

Ordnung: Anseriformes (Entenvögel)
Familie: Anatidae (Entenvögel)

Aussehen

Erpel können bis 1,8 kg, Enten bis 1,4 kg schwer werden. Alle Schwimmenten liegen mit ihrem Körper hoch im Wasser, während ihr Schwanz beim Schwimmen nach oben zeigt. Sie können senkrecht von der Wasseroberfläche auffliegen, und tauchen nur bei Gefahr. An Land halten sie ihren Körper typisch waagerecht. Ihre Beine befinden sich etwa in der Mitte des Körpers und ihre Hälse und Flügel sind relativ lang. Ihre Außenzehen sind kürzer als die Mittelzehen, die kurze Hinterzehe hat keine ausgeprägte Schwimmhaut sondern nur einen schmalen Hautlappen, der sich in der Trittspur nicht abbildet.

Der Erpel trägt zwischen Oktober und April sein Prachtkleid, das sich durch einen metallisch-grün glänzenden Kopf, der durch einen weißen Halsring von der braunen Brust abgesetzt ist, auszeichnet. Die Unterseite ist hellgrau und mit feinen weißen Strichen durchsetzt. Auf der Oberseite befinden sich graubraune Gefiederpartien, während der Rücken schwarzbraun ist und grün schimmert. Die Ober- und Unterschwanzdeckfedern sind wie die 4 mittleren, stark nach oben gekrümmten Schwanzfedern („Erpellocken“) schwarz gefärbt. Deutlich heben sich die übrigen weißlichen Schwanzfedern davon ab. Der Erpel hat ein auffällig gezeichnetes Handschwingenfeld, das samtartig blau schillert und breit weiß eingefasst ist. Man bezeichnet es als Flügelspiegel. Auch die Unterflügelfedern sind weißlich und lassen den Stockerpel im Flug vom Boden aus hell erscheinen. Das sogenannte Schlichtkleid, welches der Erpel im Sommer trägt, ähnelt dem Gefieder des Weibchens. Der Scheitel ist jedoch dunkler und der Schnabel dunkelolivgrün bis gelblich. Seine Brust ist dann eher rostbraun gefärbt und weniger gestreift. Da die einzelnen Tiere zu unterschiedlichen Zeiten in die Mauser kommen, kann man immer wieder Tiere sehen, die gerade ein Übergangsgefieder tragen.

Das Gefieder des Stockentenweibchens ist überwiegend braun mit schwarzbraunen Flecken und Stricheln. Der Oberkopf und der bis weit hinter das Auge reichende Augenstreif sind dunkelbraun. Der Bereich zwischen dem dunklen Oberkopf und dem Augenstreif und der übrige Hals sind hellbraun. Der Schnabel der weiblichen Ente ist unregelmäßig orange gefärbt.

Am Land sind die orangefarbenen Beine von Männchen und Weibchen deutlich zu sehen. Zwischen den Zehen sind Schwimmhäute gespannt. Die Schnabelspitze („Nagel“) des Erpels ist schwarz, bei der Ente dagegen dunkelgrau. Der Nagel ist sehr hart und verhornt und dient dem Abzupfen von Pflanzenteilen.

Fortpflanzung

Stockenten werden bereits im ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Sie sind ihrem Nistplatz und ihrem Partner oft über mehrere Jahre treu. Bereits im Herbst beginnen sie mit der Reihzeit (Paarungszeit der Enten), die im Winter unterbrochen und im Januar/Februar fortgesetzt wird. Dann führt sie zur festen Verpaarung der Partner. Oft versammeln sich zahlreiche Tiere auf einem Gewässer um zu balzen, was als so genannte Gesellschaftsbalz bezeichnet wird. In der Balzzeit geht es bei vielen unverpaarten Männchen sehr turbulent zu. Die Erpel schlagen unter heftigem Wasserspritzen mit den Flügeln, bedrohen sich gegenseitig, stoßen einander mit der Brust und versuchen sich zu beißen oder den Rivalen zu tauchen. Mitunter verfolgen sie sich mit sehr wendigen Flugmanövern.

Männchen und Weibchen wählen gemeinsam den Nistplatz aus. Das Nest besteht aus einer Mulde, die mit trockenen Grashalmen, Blättern und Daunen ausgekleidet wird. Die Ente zupft sich Federn aus dem Brustbereich, wodurch der sogenannte „Brutfleck“ entsteht. Über diese nackte Hautpartie kann die Ente die Temperatur des Geleges messen und ihre Wärmezufuhr optimal regulieren.

Nachdem das Nest fertig gebaut ist, vergeht etwa eine Woche, bis die Ente das erste Ei legt. Dieses Ei wird nun ständig kontrolliert. Verschwindet es, weil es von einem Gelegeräuber gefressen wird, sucht sich die Ente einen neuen Nistplatz und beginnt dort mit einem weiteren Probegelege. Erst wenn die Ente von der Sicherheit des Brutplatzes überzeugt ist, legt sie die übrigen Eier. Das Gelege kann aus 5 – 16 Eiern bestehen. Damit alle Jungen gleichzeitig schlüpfen, beginnt die Ente erst nach der Ablage des letzten Eies mit dem Brüten.

Brutplätze finden sich im  Röhricht, in Baumhöhlen, in den Kopfzweigen von Kopfweiden, unter Büschen und  Hecken, in verlassenen Nestern anderer Arten, auf  Kahlschlägen im  Wald, auf  Wiesen und Weiden, in Getreidefeldern, auf Kartoffel- und Rübenäckern sowie an Gebäuden in Dörfern und Städten. Die Nester können dabei mitunter weiter als 3 km vom nächsten Gewässer entfernt liegen.

Die Eier werden ausschließlich von der Ente ausgebrütet, was 24 – 28 Tage lang dauert. Das Weibchen sitzt, während es brütet, sehr geduldig auf den Eiern im Nest und verlässt dieses nur ein- bis zweimal täglich um Nahrung aufzunehmen und Kot abzugeben. Vorher deckt sie das Nest mit Vegetation ab. Herannahende kleinere Feinde wehrt sie mit Schnabelhieben und einem fauchenden Laut ab, während größere Feinde vom Nest oder den Küken weggelockt werden indem die Ente sich krank stellt.

Da die Stockente kein Brutrevier für sich alleine beansprucht, können sich viele Nester nebeneinander befinden. Enten, die ihre Küken führen, verhalten sich jedoch untereinander aggressiv. Aus diesem Grund verteilen sich die Entenfamilien gleichmäßig über ein Gewässer und die vorhandenen Nahrungsressourcen werden optimal ausgenutzt. Damit ist für optimale Aufwuchsbedingungen der Küken gesorgt. Eine Familie nutzt etwa 2 – 3,5 ha bis dreieinhalb Wasserfläche mit den angrenzenden Uferbereichen.

Bevor die Küken schlüpfen, intensiviert die Ente den Rufkontakt zu ihnen, was sie frühzeitig auf die Mutter prägt. Die Küken können sofort schwimmen und verlassen das Nest bereits am Tag des Ausschlüpfens. Da sich die Bürzeldrüsen bei den Küken erst nach 3 – 4 Wochen entwickeln, muss die Ente ihr eigenes Bürzelfett auf die Küken übertragen. Dies verhindert, dass sie bei ihrem ersten Wassergang durchnässen. Aus diesem Grund fettet die Ente ihr eigenes Brust- und Bauchgefieder immer wieder ein und „hudert“ die Küken, deren Gefieder dadurch mitgefettet wird.

Wenn die Küken mit 8 Wochen ihre volle Flugfähigkeit erreicht haben, löst sich die Familie auf. Gehen das erste Gelege oder die Küken nach wenigen Tagen bereits verloren, tätigt das Weibchen ein kleineres Nachgelege.

Es schlüpfen normalerweise genauso viele männliche wie weibliche Küken, die Überlebensrate der Männchen ist jedoch größer. Daher gibt es immer einen jahrweise schwankenden Anteil unverpaarter Erpel.

Nahrung

Stockenten ernähren sich sehr vielseitig und passen sich sehr gut dem jahreszeitlich wechselnden Nahrungsangebot an. Pflanzen beißen sie mit dem Schnabel ab oder seihen sie durch ihren Schnabel-Zungen-Filter. An der Außenseite des Schnabels befinden sich dafür Hornleisten mit Lamellen. Mit der harten Schnabelspitze können nicht nur Pflanzenteile abgerupft, sondern auch Muscheln und Schnecken aufgepickt werden. Für die gründelnde Nahrungsaufnahme ist die Stockente mit einem langen Hals ausgestattet, mit dem sie etwa 50 cm tief reichen kann. Sie gründelt daher in dieser Flachwasserzone, während beispielsweise der Höckerschwan tiefere Unterwasserbereiche abweiden kann, da er erheblich größer ist.

Die Stockente nimmt grüne Pflanzenteile, Samen und Früchte sowie tierische Nahrung auf, die sich aus Muscheln, Schnecken, Würmern, Insekten und  Amphibien zusammensetzt. Sie frisst nicht nur kleine Frösche oder Kaulquappen, sondern auch die Laichballen. Getreide, Eicheln, Brombeeren, Himbeeren, Hagebutten und verschiedene weitere Früchte stehen auf ihrem Speiseplan. Während die 4 – 7 Wochen alten Küken gerne nach Nahrung tauchen, suchen erwachsene Stockenten ihre Nahrung nur noch ausnahmsweise am tiefen Gewässergrund.

Natürliche Feinde

In Mitteleuropa sind Wildschwein, Fuchs, Marder, Iltis,  Fischotter, Waschbär, Marderhund, verschiedene  Greifvögel (vor allem Habicht und  Seeadler),  Uhu,  Rabenvögel, Igel und Wanderratte mögliche Eierräuber oder Feinde der Stockentenküken und Altvögel. Große Raubfische wie Hecht und Forelle können ohne weiteres Küken von der Wasseroberfläche erbeuten.

Kalte Winter mit zugefrorenen Gewässern können die Bestände stark vermindern. Da Stockenten gesellig leben, können sich Krankheiten wie der Botulismus seuchenartig unter ihnen ausbreiten.

Verhalten

Die Stockente ist ein Kulturfolger und dem Menschen gegenüber sehr vertraut. Sie ist tag- und nachtaktiv und passt ihre Aktivitäts- und Ruhephasen den jeweiligen Lebensraumverhältnissen an. An Land kann sie sich geschwind fortbewegen. Sie fliegt schnell und ausdauernd mit einem pfeifenden Fluggeräusch. Mit einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 90 km/h kann die Stockente auf dem Zug pro Tag bis zu 450 km zurücklegen.

Die meisten Stockenten bleiben jedoch das ganze Jahr über in ihrem Brutrevier oder in dessen Umgebung. Tiere aus Osteuropa überwintern in Dänemark, Großbritannien, Holland oder Frankreich, während Stockenten aus Deutschland zum Teil bis in die Mittelmeerregion fliegen.

Während die Enten mit der Aufzucht der Jungen beschäftigt sind, ziehen die Erpel an die Mausergewässer, um ihr Gefieder zu wechseln. Ab Juli verlassen auch die Jungvögel das Brutrevier in verschiedene Richtungen und suchen sich neue Lebensräume.

Stockenten sind gesellige Tiere, die sich nur kurzzeitig während des Nestbaus, der Brut und der Kükenaufzucht von ihren Artgenossen abkapseln.

Bereits 2 Wochen nach Beginn der Brut verlässt der Erpel die Ente wieder. Würde er das Nest häufiger besuchen, könnte er es leicht durch sein buntes Gefieder verraten.

Stockenten sind sehr ruffreudig. Die Ente führt ihre Jungen, in dem sie leise Laute von sich gibt. Droht Gefahr gehen die Jungen bei der mütterlichen Warnung sofort in Deckung.

Verpaaren sich Stockenten mit anderen Entenarten (Hybridisierung), gehen diese Kontaktlaute oft aus dem Stimmenrepertoire verloren. Der Kontakt zwischen Ente und Küken kann dann nicht mehr in gleichem Maße funktionieren und hybridisierte Entenküken werden häufiger von Feinden erbeutet.

Stockenten können mit 20 Jahren sehr alt werden, erreichen dieses Alter aber aufgrund der vielfältigen Gefahren in der Natur nur selten.

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