Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Ringelgans


Ringelgänse im Wattenmeer © Manfred Nieveler, piclease
Foto: Ringelgänse im Wattenmeer © Manfred Nieveler, piclease

Ringelgans (Branta bernicla)
Obwohl sie im Bestand bedroht ist, wird sie in der Roten Liste Deutschlands nicht aufgeführt, da die Ringelgans in Deutschland kein Brutvogel ist und hiesige Gebiete nur als Überwinterungsgebiete nutzt.

Die Ringelgans ist die kleinste und am dunkelsten gezeichnete Gänseart in Europa. Sie ist mit allen drei Unterarten rund um den nördlichen, polaren Abschnitt der Erdkugel verbreitet. Daher kann man manchmal alle drei Unterarten auch in den deutschen Wattenmeer-Nationalparks als Durchzügler und Wintergäste entdecken. Sie lassen sich am Gefieder voneinander unterscheiden, wobei die Unterart Branta bernicla bernicla (Dunkelbäuchige Ringelgans) in Deutschland am häufigsten ist.

Im 19. Jahrhundert hielt sich die Ringelgans im Winter häufiger am Wattenmeer der Nordsee und der westlichen Ostsee auf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden vor den dänischen Inseln und im Wattenmeer jährlich Tausende von Ringelgänsen geschossen, ohne dass sich dies sichtbar auf den Bestand auswirkte. In den 1920er Jahren nahmen die Bestände kontinuierlich ab, bis sie in den 1930er Jahren ganz zusammenbrachen.

Der Zusammenbruch hing neben der Bejagung wahrscheinlich mit einem großflächigen Absterben des Seegrases, welches die Hauptnahrung der Ringelgänse an den Küsten des Überwinterungsgebiets ist, zusammen. Weiterhin ernährten sich zu Beginn der 1930er Jahre nach Sibirien verbannte Strafgefangene in großen Mengen von den zur Mauserzeit flugunfähigen Ringelgänsen und deren Eiern, was ebenfalls den Bestand reduzierte.

Um 1930 wurde der westliche Bestand der dunkelbäuchigen Ringelgans auf ca. 200.000 Individuen geschätzt und brach dann bis in die 1950er Jahre auf ca. 17.000 – 20.000 Vögel ein. Seit den 1970er Jahren nimmt der Bestand zu und erreichte sein bisheriges Maximum Anfang der 1990er Jahre mit ca. 330.000 Vögeln. Seit Mitte der 1990er Jahre nimmt der Bestand wieder ab und wird aktuell auf weniger als 200.000 Vögel geschätzt (Kruckenberg et al. 2011).

Die Bestandserholung ab den 1970er Jahren hängt mit der Einschränkung der Jagd zusammen. Unterstützt wurde dieser Prozess durch neu eingerichtete Schutzgebiete. Außerdem haben sich die Ringelgänse auf eine andere Nahrung umgestellt. Sie nutzen die landwirtschaftlichen Kulturen im Küstenbereich sowie die Salzwiesen und haben dadurch im Winterquartier und auf dem energiezehrenden Heimzug in die Brutreviere eine bessere Ernährungsgrundlage.

Lebensraum von Ringelgänsen

Die Ringelgans brütet an arktischen Küsten und Inseln und ist nahezu rund um den Nordpol verbreitet. Sie bevorzugt flache Tundrazonen in Küstennähe als Lebensraum, in deren Nähe sich Süßwasserseen befinden. Nordeuropäische Ringelgänse überwintern hauptsächlich im Wattenmeer in Holland, Deutschland und Dänemark sowie an den Küsten Großbritanniens.

Außerhalb der arktischen Tundra hält die Ringelgans sich nur selten an  Binnengewässern auf. Im Allgemeinen sucht sie dann  Wiesen und Wintergetreidesaaten hinter den Deichen im küstennahen Gebiet auf.

Gefährdung von Ringelgänsen

Jagd

Der Bestand der Ringelgans wird auch heute noch durch die Jagd in manchen Brut-, Mauser-, Rast- und Überwinterungsgebieten stark gefährdet. Die deutschen Wattenmeer-Nationalparks gewähren ihr eine relativ störungsarme, jagdfreie Überwinterung.

Störung im Wattenmeer

Arktische Gänse benötigen für den Heimflug in die Brutgebiete und für die anschließende Brutzeit sehr viel Energie. Die Fett- und Eiweißreserven fressen sich die Vögel noch vor dem Heimzug im April/Mai im Wattenmeer an. Werden sie in dieser Zeit häufig oder intensiv gestört (z.B. durch Jagd, Erholungssuchende oder  Flugbetrieb), kann es passieren, dass die Zeit zur Nahrungsaufnahme nicht mehr ausreicht. Außerdem verlieren die Tiere durch die Flucht noch zusätzlich Energie. Dies kann dazu führen, dass die Ringelgänse den Heimflug oder die Brutzeit nicht mehr überstehen, oder keine erfolgreiche Brut durchführen können.

Schutz von Ringelgänsen

Um die verschiedenen geografischen Unterarten der Ringelgans zu erhalten, ist es notwendig, die Jagd in Brut-, Mauser-, Rast- und Überwinterungsgebieten und das Einsammeln der Eier zu verbieten. Freizeitaktivitäten in deutschen Überwinterungsgebieten dürfen die Nahrungsversorgung der Gänse und demzufolge ihren späteren Bruterfolg in der Arktis nicht gefährden.

Biologie der Ringelgans

Systematik

Ordnung: Anseriformes (Entenvögel)
Familie: Anatidae (Entenvögel)
Unterfamilie: Anserinae (Gänse, Schwäne)

Aussehen

Die Ringelgans wiegt 1 – 1,5 kg. Das Gefieder der erwachsenen Tiere ist an Kopf, Hals, Brust, Schnabel, Füße sowie an Hand- und Armschwingenspitzen schwarz gefärbt. Weiß sind dagegen das Schwanzgefieder und die schmalen Halbmondflecke an den Halsseiten, der die Ringelgans ihren Namen zu verdanken hat, weil sie wie eine Ringelung am Hals wirken.

Die verschiedenen Unterarten in Europa unterscheiden sich vor allem durch die Färbung ihres Bauchgefieders. An den Nordseeküsten kann man vor allem die Unterart „Branta bernicla bernicla“ beobachten, bei der die schwarze Vorderbrust nur undeutlich von der ansonsten schiefergrau gefärbten Brust abgesetzt ist. Die dunkel-braungraue Oberseite dieser Unterart ist durch helle Streifen an den Körperflanken vom übrigen Körper abgesetzt.

Ringelgänse haben einen verhältnismäßig kleinen Kopf und einen langen Hals. Im Flug wirken sie schlank und elegant und man kann vom Boden aus den dunklen Körper mit dem weißen „Heck“ erkennen.

Fortpflanzung

Die Brutpaare der Ringelgänse finden bereits im Alter von einem Jahr im Winterquartier zusammen. Doch erst nach 2 – 3 Jahren beteiligen sie sich an der Fortpflanzung, selten auch früher. In der Regel sind sich die Brutpartner das ganze Leben lang treu.

Das Nest wird als flache Mulde in der Tundra angelegt, die wenig Deckung gibt. Erhöhte oder wenig bewachsene Stellen werden bevorzugt genutzt. Beide Partner bauen das Nest und kleiden es mit Material aus der Umgebung und mit Daunenfedern aus. Vor allem Moose, Gräser und Flechten werden in das Nest eingearbeitet.

Wenn Mitte Juni die Schneeschmelze einsetzt und die ersten schneefreien Stellen vorhanden sind, beginnt die Gans 3 – 5, selten auch 8 Eier zu legen, die ausschließlich von ihr bebrütet werden. Nach 24 – 26 Tagen schlüpfen die Daunenküken, die sofort sehr selbständig sind und das Nest verlassen können („Nestflüchter“). Beide Elternvögel kümmern sich um die Jungen, die mit etwa 40 Tagen ihre Flugfähigkeit erreichen. Die Familie bleibt noch bis in den Herbst zusammen und sucht gemeinsam das traditionelle Winterquartier auf.

Da der arktische Sommer kurz ist, brüten Ringelgänse nur einmal im Jahr. Geht das Gelege zu einem frühen Zeitpunkt verloren, beginnt die Ringelgans in Ausnahmefällen noch ein zweites Gelege.

Nahrung

Wenn sie brütet, frisst die Ringelgans Tang, Flechten, Moose und Kräuter. Im Flachwasserbereich gründelt sie gerne nach Seegras, Grünalgen und anderen Meerespflanzen. Erwachsene Vögel trinken Salzwasser und scheiden das Salz über spezielle Drüsen wieder aus, während Jungvögel Süßwasser zu sich nehmen.

Ringelgänse können landwirtschaftliche Schäden verursachen, wenn sie sich daran gewöhnen, verschiedene Feldfrüchte abzuweiden. Landwirte können jedoch Entschädigungszahlungen erhalten.

Natürliche Feinde

In der Arktis erbeuten Polarfüchse, Schneeeulen,  Möwen und große Greife wie der  Seeadler die Eier, aber vor allem auch die jungen Ringelgänse. Schneestürme, Frosteinbrüche und andauernder Regen können im kurzen arktischen Sommer Bruten und Jungvögel gefährden.

Verhalten

Die Ringelgans ist überwiegend tagaktiv, kann aber auch in mondhellen Nächten unterwegs sein. Im Sommer verteilen sich ihre Aktivitäts- und Ruhephasen gleichmäßig über den ganzen Tag. Im Winter sind die Ruhephasen sehr kurz, denn wenn das Tageslicht nicht lange andauert, müssen die Ringelgänse fast ständig aktiv sein um genügend Nahrung zu finden.

Die Ringelgans verlässt ihr Brutgebiet Anfang September und zieht aus der Tundra zunächst entlang der Meeresküsten nach Westen. Ab dem Ostseegebiet zieht sie dann über Land, bis sie dänische Gewässer oder das Wattenmeer erreicht. Sie gelangt sogar bis zur französischen Atlantikküste.

In milden Wintern bleiben viele Ringelgänse in den östlichen Wattenmeer- oder Ostseegebieten. Setzt dann doch noch kalte Witterung ein, sind sie gezwungen, an die westlicher gelegenen Küsten Mitteleuropas weiterzuziehen. Ziehende Ringelgänse rasten oft in dichten Trupps auf dem Meer in Küstennähe, entweder schwimmend auf dem Wasser oder in geschützten Buchten.

Im April kehren sie in ihre Brutgebiete zurück. Ende April/Anfang Mai hält sich ein Großteil der Gesamtpopulation der Ringelgänse im Wattenmeer zwischen Holland und Dänemark auf. Die jetzt hier umherziehenden Trupps sind sehr groß. Sie bestehen aus vielen hunderten Vögeln. Spätestens Ende Mai haben die Ringelgänse ihre Brutgebiete im hohen Norden wieder erreicht.

Ringelgänse fliegen in U-förmigen, teilweise ineinander geschobenen Bändern. Dadurch lassen sich Ringelgänse auf dem Zug gut von den Graugänsen (die in V-Formation fliegen) unterscheiden. Der markante „r´rot“-Ruf hat der Ringelgans an der Nordseeküste den Namen „Rottgans“ eingebracht.

Alle Gänse, auch die Ringelgänse, haben besondere Reaktionen entwickelt, um mit Störungen umzugehen. Das zunächst größte Problem bei häufiger Störung ist, dass die Tiere nicht mehr genug Zeit haben, um ausreichend Nahrung aufzunehmen. Sie gleichen das aus, indem sie schneller fressen und die Anzahl der Ruhepausen zugunsten längerer Fresszeiten reduzieren. Der Tagesrhythmus passt sich den Störungen an und verschiedene Aktivitäten werden in die Nacht verlagert. Die Gänse gewöhnen sich auch an wiederholte, harmlose Störungen und lassen sich dadurch nicht mehr so stark beeinträchtigen. Insgesamt steigt jedoch der Zeitaufwand für die Nahrungsaufnahme zu Lasten anderer Verhaltensweisen an.
Die Fähigkeit, die Auswirkungen von Störungen abzumildern, ist nur sehr begrenzt wirkungsvoll. Nehmen die Störungen überhand, lässt sich das nicht mehr ausgleichen und die Gänse verlassen den Lebensraum.

Die Störungsempfindlichkeit der Vögel ist abhängig von der Jahreszeit, dem Lebensraum, der Gänseart und der körperlichen Verfassung der einzelnen Tiere.

Konfliktlösungen

Weitere Konfliktlösungen