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Reiherente


Reiherente © Hans-Joachim Fünfstück, piclease
Foto: Reiherente © Hans-Joachim Fünfstück, piclease

Reiherente (Aythya fuligula)
Andere bekannte Namen: Schopf-, Hauben- oder Schwarzkopfente
Rote Liste Deutschland 2007: Die Art ist derzeit nicht gefährdet.

Die Reiherente zählt zu den sogenannten  Tauchenten und gilt als die häufigste Süßwassertauchente. Ihre europäischen Bestände nehmen zu. Ursachen hierfür sind die zunehmend milderen Winter, sowie neugeschaffene Lebensräume durch künstlich angelegte  Gewässer wie Fischteiche oder Stauseen. Hinzu kommt, dass sich Nährstoffe in den Gewässern anreichern, wodurch sich die Nahrungsgrundlagen für die Reiherenten verbessern.

Die Tiere ziehen nicht mehr so weit und überwintern vermehrt in ihren Brutgebieten. In vielen Gebieten steigt der Anteil der Nichtbrüter und die Brutpaarzahlen haben sich auf hohem Niveau eingependelt. Für Europa wird der Bestand auf 730.000 – 880.000 Brutpaare geschätzt, davon 55.000 – 87.000 Brutpaare in Mitteleuropa (Bauer et al. 2005). Der derzeitige Gesamtbestand in Deutschland liegt bei 20.000 bis 30.000 Brutpaaren (Sudholdt et al. 2013).

Lebensraum von Reiherenten

Europa

Die Reiherente hat ihr Verbreitungsgebiet, das früher vor allem im östlichen Europa zu finden war, im Laufe der letzten 100 Jahre kontinuierlich nach Westen ausgedehnt und ist in Deutschland mittlerweile regelmäßig und verbreitet anzutreffen. Sie kommt häufig zusammen mit der  Tafelente vor und besiedelt die verschiedensten Gewässertypen im Tiefland, im Mittelgebirge oder an der Meeresküste.

Gewässer

Als Lebensraum eignen sich stehende oder langsam  fließende Gewässer, tiefe oder flache  Seen und  Flüsse sowie nährstoffreiche oder nährstoffarme Gewässer. Hierzu gehören z.B.  Gräben,  Weiher, Seen und künstlich entstandene Gewässer wie Stauseen, Fischteiche oder aufgestaute Flussabschnitte. Stark verkrautete und zu nährstoffreiche Gewässer werden allerdings von der Reiherente gemieden. Am liebsten siedelt sie in Gewässern mit flachen  Ufern, die nicht zu stark mit einer eher niedrigen Vegetation bewachsen sind. Im Winter sucht sie eisfreie Gewässer auf und ist dort in dichten Trupps anzutreffen. Vor allem große Wasserflächen werden bevorzugt aufgesucht. Zunehmend erscheint die Reiherente auf größeren Gewässern im Siedlungsbereich des Menschen.

Gefährdung von Reiherenten

siehe  Tafelente

Ist das Wetter in der frühen Aufzuchtphase schlecht, besteht die Gefahr, dass die Küken deutlich auskühlen und dadurch empfindlich geschwächt werden. Viele Tiere verhungern, wenn Gewässer stark vereisen und dadurch das Nahrungsangebot knapp wird.

Schutz von Reiherenten

siehe  Tafelente

Biologie der Reiherente

Systematik

Ordnung: Anseriformes (Gänsevögel)
Familie: Anatidae (Entenvögel)

Aussehen

Die Reiherente ist eine mittelgroße  Tauchente, die kleiner als die  Stockente ist. Sie weist alle für Tauchenten typischen Merkmale auf (siehe  Tafelente). Der Erpel ist durch sein schwarzes Gefieder mit einem rechteckigen weißen Flankenfeld und durch seinen langen Schopf unverwechselbar.

Der im Vergleich zum übrigen Körper große Kopf ist schwarz gefärbt, mit einem grünen Schimmer. Die gleiche Färbung besitzen der Hals und die Oberseite der Unterschwanzdeckfedern. Der Hinterkopf ist mit einem herabhängenden Federschopf geschmückt. Halsseiten, Wangen und Scheitel glänzen purpurviolett bis metallisch grün. Bauch und Flanken sind weiß. Im Flug fällt zusätzlich ein weißer Flügelstreif auf. Der kurze Schnabel ist breit, hell blaugrau und mit schwarzer Spitze. Das Männchen hat eine hellgelbe, das Weibchen eine dunkelgelbe Iris.

Die Ente ist dunkelbraun mit helleren, meist etwas dunkel gefleckten Flanken. Sie hat einen kurzen, aber deutlich erkennbaren Federschopf. An der Schnabelbasis sitzen oft weiße Federn, die meist spärlicher ausgebildet sind als die Federn der Bergente. Der Bauch ist weiß, die Unterschwanzdecken sind variabel braun-weiß gezeichnet. Der Schnabel der Ente ist im Vergleich zum dem des Erpels dunkelgrau, weist aber ebenso eine breite, schwarze Spitze auf.

Fortpflanzung

Erpel erreichen bereits im ersten, Enten meist erst im 2. Lebensjahr ihre Geschlechtsreife. Die Erpel finden sich vor den Enten an den Brutplätzen ein. Die Partner bleiben meist nur für eine kurze Brutehe zusammen. Die Balz beginnt im Hochwinter und erreicht in den Frühjahrsmonaten März und April ihren Höhepunkt. Der Erpel zeigt zur Balz auffällige Verhaltensweisen wie Kopfschütteln, Zurückwerfen des Kopfes, Schwimmen mit steifem, aufrechten Hals oder geduckten Kopf und Spreizen des Schopfes. Balzt er während des Schwimmens, zeigt er auch Tauchspiele.

Reiherenten brüten sehr dicht mit ihren Artgenossen, teilweise auch mit anderen Entenarten in Kolonien zusammen. Die Ente wählt den Standort des Nestes, das am Ufer in dichter Vegetation und nah an der Wasserfläche gut versteckt liegt. Die einfach strukturierte Nestmulde wird mit grünen Pflanzenteilen und Daunenfedern ausgekleidet. Wird das Nest an feuchten Stellen errichtet, wird es aus Wasserpflanzen aufgebaut. An hochwassergefährdeten Gewässern kann es eine Höhe von einem halben Meter erreichen.

Die Reiherente legt ab Mitte Mai 5 – 12 Eier, die 23 – 25 Tage ausschließlich von ihr bebrütet werden. Da Reiherenten ihre Eier mit artgleichen oder artfremden Enten zusammenlegen, können sich über 30 Eier in einem Nest befinden. Nicht selten zieht die Reiherente also artfremde Küken mit ihrer eigenen Brut auf. Brüten Reiherenten in Kolonien, können die sehr selbständigen Küken mitunter den Kontakt zur Mutter verlieren. Sie schließen sich dann vorübergehend den Küken einer anderen Ente an. Findet sich die Mutter nicht wieder, können fremde Küken adoptiert werden. Zwei Enten können ihre Küken auch gemeinsam führen.

Meist kurz nach dem Brutbeginn verlässt der Erpel die Ente. Die Küken werden oft schon nach 6 Wochen allein zurückgelassen, noch bevor sie ihre Flugfähigkeit erreichen, was etwa im Alter von 9 Wochen der Fall ist.

Eine einzelne Ente mit einem kleinen Gelege brütet deutlich erfolgreicher als mehrere Enten in großen Mischgelegen. Da Reiherenten erst spät mit ihrer Brut beginnen, tätigen sie nur dann ein Nachgelege, wenn das Erstgelege in der frühen Brutphase verloren geht. Der Aufzuchterfolg liegt meist unter 50 %.

Nahrung

Reiherenten ernähren sich hauptsächlich von tierischer Kost. Jungtiere nehmen zu einem großen Teil Muscheln und Schnecken zu sich. Gerne fressen sie die Dreikantmuschel. An der Küste ernähren sich Reiherenten von Mies- und Herzmuscheln, sowie Watt- und Strandschnecken. An Süßwasserseen sammeln sie Schlamm-, Sumpfdeckel- und Blasenschnecken von Ufer- und Unterwasserpflanzen ab. Kleine Krebse können bis zu 25 % der Nahrung ausmachen. Insekten, kleine Fische und Frösche, Fisch- und Amphibienlaich haben je nach Jahreszeit eine besondere Bedeutung für die Nahrungsaufnahme.

Auch pflanzliche Kost, vor allem grüne Pflanzenteile und Samen von Wasser- und Uferpflanzen, gehören zum Speiseplan. Meistens suchen Reiherenten ihre Nahrung im freien Wasserkörper, seltener in Flachwasserzonen oder gründelnd.

Natürliche Feinde

Fuchs, Marder, Iltis, Mink, Marderhund, Waschbär, Ratte und Wildschwein können Gelege der Reiherenten ausräubern. Wird die Ente gestört und vom Nest vertrieben, ohne dass sie Gelegenheit hat, es abzudecken, kann das Gelege auch von  Rabenvögeln und  Möwen entdeckt und geplündert werden. Erwachsene Vögel können Beute von  Seeadler, Habicht,  Wanderfalke oder  Uhu werden, während Jungvögel von Möwen,  Rohrweihen, Marderartigen oder vom Hecht erbeutet werden.

Verhalten

Reiherenten sind sowohl tagsüber als auch nachts aktiv. Die Nahrungssuche spielt sich teilweise nachts ab und auch der Zug erfolgt nachts.

Reiherenten können bis 15 m tief und bis zu 40 s lang tauchen. Sie tauchen oft synchron in der Gruppe und rasch hintereinander. Reiherenten können von der Wasserfläche aus zum Flug starten. Sie nehmen Anlauf, indem sie mit ihren Flügeln auf die Wasseroberfläche klatschen. Beim Landen bremsen sie auf der Wasseroberfläche mit nach vorne ausgestreckten Schwimmfüßen und mit gleichzeitigen Rückschlagbewegungen der Flügel ab.

Reiherenten sind sehr gesellig. Man trifft sie auch außerhalb der Brutzeit unter Scharen anderer Enten, Möwen oder Seeschwalben an. Im Winterhalbjahr, während des Zugs, durchmischen sich die Populationen. Je nach Witterungsverhältnissen und Verbreitungsgebiet ist der Anteil der weiter oder kürzer ziehenden Reiherenten verschieden. Skandinavische Reiherenten ziehen regelmäßig in südwestliche Richtung nach Holland, Deutschland oder Großbritannien. In Deutschland heimische Vögel weichen in strengen Wintern in die eher atlantisch geprägten, westlicheren Teile Europas aus. Die am weitesten entfernt liegenden Überwinterungsgebiete befinden sich in Westafrika.

Ab Juni treffen Reiherenten in ihren Mausergewässern ein, an denen sich im Juli/August dann die meisten Vögel versammelt haben. Von hier aus ziehen sie in ihre Winterquartiere. Im November erreicht die Zahl der in Deutschland überwinternden Reiherenten ihren Höchststand. Zwischen Februar und April ziehen sie zurück in ihre Brutgebiete. Erst Mitte Mai sind die nördlichsten Brutplätze wieder besetzt.

Die Reiherente ist die einzige Tauchente, die sich vom Menschen mit Brot, Getreide und Fischabfällen füttern lässt. Im Freiland werden Reiherenten nur selten über 3 Jahre alt. Ihr höchstes bekanntes Alter beträgt 13 Jahre.

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