Bundesamt für Naturschutz

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Eiderente


Eiderente © Richard Dorn, piclease
Foto: Eiderente © Richard Dorn, piclease

Eiderente (Somateria mollissima)
Andere bekannte Namen: St. Cubertsente, Eidergans
Rote Liste Deutschland 2007: Die Art ist derzeit nicht gefährdet.

Ein Großteil der europäischen Eiderenten-Population mit einem Gesamtbestand von ca. 840.000 – 1.200.000 Brutpaaren brütet in den skandinavischen Ländern. An der Ostseeküste, vor allem in der nördlichen Ostseeregion Finnlands und Dänemarks, leben vergleichsweise kleine Populationen (Bauer et al. 2005). Die Populationsgrößen der Bestände entlang der Nordseeküste können von Jahr zu Jahr stark schwanken, beispielsweise wenn die Vögel durch Botulismus-Seuchenzüge erfasst werden. In diesem Fall werden kleine Populationen durch Zuwanderer aus dem nordwestlichen Teil des Verbreitungsgebietes ergänzt, wo die Bestände teilweise stark angewachsen sind. Als Lieferant von Daunenfedern spielen Eiderenten auch heute noch eine wirtschaftliche Rolle (z.B. in Island). Der derzeitige Gesamtbestand in Deutschland liegt bei 1.000 bis 1.400 Brutpaaren (Sudholdt et al. 2013).

Lebensraum von Eiderenten

Die Eiderente ist ein verbreiteter Brutvogel, der an den Küsten und auf vorgelagerten Inseln des Nordatlantiks zu finden ist. Sie kommt auch in Sibirien und in Nordamerika vor. Insgesamt bildet sie in ihrem großen Verbreitungsgebiet 6 Rassen aus. Als Meerente verbringt sie die meiste Zeit in küstennahen  Gewässern. In Deutschland brütet die Eiderente fast ausschließlich an Küstenstreifen der Nordsee, die durch Schären und Riffe besonders gegliedert sind. Im Winter kommt sie auch häufig auf der Ostsee vor. Im Wattenmeer entfernt sie sich oft weit von der Küstenlinie. Im Binnenland brütet sie selten und ist hier nur gelegentlich über den Winter anzutreffen.

Gefährdung von Eiderenten

Verseuchung des Wattenmeeres

Die Eiderente leidet bei hohen Pestizidbelastungen. Auch die schleichende Verölung der Strände im Wattenmeer macht ihr zu schaffen, immer wieder kommen tausende Eiderenten durch Ölunfälle ums Leben. Chlorierte Kohlenwasserstoffverbindungen reichern sich ebenfalls in den Tieren an. So spiegeln Eiderenten den Verseuchungsgrad des Wattenmeers deutlich wieder.

Jagd, Tourismus, Wassersport

Vor allem in Russland und in Skandinavien werden Eiderenten stark bejagt. Durch die touristische Nutzung der Meeresküsten wird der Lebensraum der Eiderente eingeschränkt und sie kann in vielen Küstenabschnitten nicht mehr brüten.

Vor allem in der Zeit der Handschwingenmauser, in den Monaten Juli bis September, sind die Eiderenten flugunfähig oder nur stark eingeschränkt flugfähig. Sie werden sehr sensibel gegenüber Störungen und ihre Fluchtdistanz erhöht sich von sonst 100 – 300 m auf 500 – 1.000 m. Die stark touristisch genutzten Küstenbereiche werden in dieser Zeit von der Eiderente gemieden. Genauso verlässt sie Nahrungsplätze, an denen sie wiederholt gestört wurde (beispielsweise durch  Bootsverkehr), auch wenn diese eine hohe Nahrungsqualität und -verfügbarkeit aufweisen.

Wird ein Gebiet von Eiderenten bewohnt, kann man daher nicht sofort auf die Qualität dieses Lebensraums rückschließen. Solange das Verhalten der Tiere durch Störungen beeinflusst wird, kann es vorkommen, dass sie in Gebieten leben müssen, die eigentlich nicht optimal geeignet sind.

Fischerei

Wenn die Vögel im offenen Wasser nach Nahrung tauchen, geraten sie immer wieder in die Stellnetze der Berufsfischer und verenden dort.

Eiersammeln

Das Sammeln der Eier, das früher zur Gefährdung beigetragen hat, ist mittlerweile verboten.

Schutz von Eiderenten

Brutgebiete der Eiderente müssen unter Jagdschutz gestellt werden, insbesondere wenn ihre Bestände bereits zurückgegangen sind. Nord- und Ostseeküste haben als Mauser-, Rast- und Überwinterungsgebiete eine große Bedeutung für viele Vogelarten des Atlantiks. Deswegen wurden in Deutschland großflächige Nationalparks im Wattenmeer ausgewiesen, wodurch auch die touristische Nutzung der Meeresküsten in weiten Teilen des Eiderenten-Verbreitungsgebietes geregelt wird. Große Ruhezonen gewährleisten den nötigen Schutz der Eiderenten vor Störungen durch den Menschen.

Die schleichende Verschmutzung der Meeresküsten mit Öl und Chemikalien wirkt sich verheerend auf die Lebensgemeinschaften des Wattenmeeres aus. Die Nahrungsgrundlage vieler Watt- und Entenvögel wird zunehmend gefährdet. Hier müssen unbedingt die internationalen Abkommen zum Schutz der Meere eingehalten und überwacht werden.

Biologie der Eiderente

Systematik

Ordnung: Anseriformes (Entenvögel)
Familie: Anatidae (Entenvögel)

Aussehen

Die Eiderente ist deutlich größer als die  Stockente. Sie gehört wie die Eis-, Trauer- und Samtente zu den am Meer lebenden  Tauchenten, von denen sie die Größte ist. Sie wird bis zu 2,8 kg schwer und wirkt eher plump und dick. Sie hat einen kurzen Hals und einen großen Kopf, der unmittelbar in den hoch angesetzten, langen, keilförmigen Schnabel übergeht.

Das Prachtkleid des Erpels ist überwiegend weiß gezeichnet, insbesondere Brust, Rücken, Hals und ein Großteil des Kopfes. Bauch, Schwanz, Flanken sowie Stirn und Scheitel sind schwarz, die Halsseiten und der Nacken hellgrün gefärbt. Im Flug fallen die schwarzen Armdeckfedern, sowie die Arm- und Handschwingen auf. Das Ruhekleid des Erpels ist dunkel- bis schwarzbraun gezeichnet und besitzt einzelne weiße Gefiederpartien. Auch die im Prachtkleid grünen Halsseiten und der sonst überwiegend weiße Kopf sind nun dunkel schwarzbraun.

Die Ente ist braun gefärbt mit einer dichten, dunklen Bänderung. Ihr dunkelblaues Handschwingenfeld, der so genannte „Spiegel“, ist weiß umrandet. Die Schnabelspitze ist hell und weist eine breite verhornte Spitze („Nagel“) auf. Der Erpel hat grünliche Füße, bei der Ente sind sie dunkelgrün. Die Iris ist bei Männchen und Weibchen braun.

Der Flug der Eiderente wirkt schwerfällig, da sie langsam mit ihren breiten und kurzen Flügeln schlägt und in niedriger Höhe dicht über die Wellen hinweg fliegt. Ihr Flug erinnert an den Flug der Gänse.

Fortpflanzung

Weibchen erreichen ihre volle Geschlechtsreife erst im 2. Lebensjahr, Männchen im 3 Lebensjahr. Bereits ab Herbst beginnen sich die Paare der Eiderente zu finden. Vor allem Vögel, die in ihrem Brutgebiet überwintern, schließen sich bereits Mitte des Winters zusammen. Junge Erpel beteiligen sich nicht an der Balz.

Bei der Balz ruft der Erpel „uhu uhu“, während die Ente mit tiefer Stimme „goggoggoggog“ antwortet, was sich wie ein entfernt vorbeituckernder Fischkutter anhört. Das Paar bleibt meist nur für eine Brutsaison zusammen. Da die Weibchen ihrem Geburtsort treu bleiben, kann es vorkommen, dass sie sich im nächsten Jahr erneut mit dem gleichen Erpel zusammentun. Einzelne Männchen können sich mit mehreren Weibchen verpaaren und binden.

Das Nest wird meist in der Nähe des Wassers und hinter Erhebungen oder Vertiefungen des Bodens angelegt. Gerne wird es an Strandgut errichtet und dadurch verdeckt, manchmal aber auch offen gebaut. Die Eiderente nistet auch in alten Möwennestern. Das Weibchen wählt den Nistplatz aus und baut das Nest. Nachdem sie ihr erstes Ei abgelegt hat, kleidet sie es mit den auch bei Menschen als Füllmaterial für Bettwäsche, Schlafsäcke oder Bekleidung sehr beliebten „Eiderdaunen“ aus. Zusätzlich trägt die Ente Muschelschalen, Steinchen oder Pflanzenteile aus der Umgebung zusammen, um das Nest auszubauen.

Sie beginnt zwischen Anfang April und Mitte Mai (je nach Lage des Brutorts) 4 – 6 Eier zu legen. 25 – 28 Tage lang brütet sie die Eier ohne Hilfe des Männchens aus. Eiderenten kümmern sich mindestens 7 Wochen um die Küken, wobei sie sich immer wieder zu größeren Trupps zusammenschließen. Nach 65 – 75 Tagen sind die Jungen flugfähig und die Familien lösen sich auf.

Nahrung

Die Eiderente ernährt sich überwiegend von Muscheln, Schnecken und Krebsen, die sie auf ihren Tauchgängen erbeutet. Sie kann aber auch in seichten Buchten oder an flachen Muschelbänken gründeln. Sie nutzt die Gezeiten zur Nahrungssuche aus, indem sie bei Ebbe direkt den Wattboden absucht und gezielt an Muschelbänken oder an  Felsen nach Nahrung sucht, die sonst sehr tief im Wasser liegen. Eiderenten können mit ihrem kräftigen Schnabel Muscheln und Schnecken von ihrer Unterlage losreißen. An der Nordseeküste sind Miesmuschelbänke wichtige Nahrungshabitate der Eiderente. Sie sind sogar in der Lage, Nahrung auszugraben.

Durch die Einbürgerung der Dreikantmuschel steht der Eiderente eine reichhaltige Nahrungsquelle in großen Mengen zur Verfügung. Muscheln und Schnecken von passender Größe (ca. 7 – 40 mm) verzehrt sie mit Schale. Nur selten werden kleine Fische, Wasserinsekten oder andere Arten gefressen. Pflanzliche Nahrung spielt so gut wie keine Rolle. Auch angespülten Seetang sucht sie lediglich nach tierischer Nahrung ab. Im Watt suchen Eiderenten Nahrung in den Prielen und Muschelbänken, an den Pfahlreihen der Buhnen oder in Hafenbecken.

Natürliche Feinde

Zu den Feinden der Eiderente in den nordeuropäischen Brutgebieten werden Gerfalke,  Uhu, Schneeeule und Polarfuchs gezählt. In Deutschland können  Wanderfalke,  Seeadler und Rotfuchs den Altvögeln gefährlich werden. Kommen zahlreiche  Silber- und Mantelmöwen bzw.