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Brandgans


Brandgans am Ufer © Georg Pauluhn, piclease
Foto: Brandgans am Ufer © Georg Pauluhn, piclease

Brandgans bzw. Brandente (Tadorna tadorna)
Andere bekannte Namen: Grabgans, Höhlengans, Brandente
Rote Liste Deutschland 2007: Die Art ist derzeit nicht gefährdet.

Der europäische Gesamtbestand der Brandgans wird derzeit auf 42.000 – 65.000 Brutpaare geschätzt. Davon entfallen auf Mitteleuropa ungefähr 13.000 – 17.000 Brutpaare (Bauer et al. 2005). Da es oft deutlich mehr Nichtbrüter als brütende Vögel gibt, liegt der Gesamtbestand der Brandgans wahrscheinlich deutlich höher. Selbst Brandgänse aus dem südeuropäischen Verbreitungsgürtel wie aus Frankreich oder Italien kommen zum Wattenmeer zur Mauser. Hier hat sich der Bestand seit den 1950er Jahren ungefähr verdreifacht. Die deutsche Ostseeküste ist deutlich geringer besiedelt als die Nordseeküste.

Parallel mit dem Bestandsanstieg an der Küste schreitet die Besiedlung des Binnenlandes kontinuierlich fort, so dass es mittlerweile auch Brutpaare in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Sachsen, Thüringen und Brandenburg gibt. Brandgänse, die sich vereinzelt in Bayern fortpflanzen, sind wahrscheinlich auf ehemals als Haustiere gehaltene Vögel zurückzuführen. Der derzeitige Gesamtbestand in Deutschland liegt bei 6.500 bis 8.000 Brutpaaren (Sudholdt et al. 2013).

Lebensraum von Brandgänsen

Gewässer

Die Brandgans brütet hauptsächlich entlang der Nordatlantikküste, wobei sie eher im Bereich von Flussmündungen oder in geschützten Buchten anzutreffen ist als an der freien Meeresküste. Außerdem kommt sie an der Nord- und Ostsee vor, hauptsächlich in Küstenabschnitten mit Sand- oder Schlickflächen, die von den Gezeiten wenig beeinflusst sind. Entlang großer  Flüsse mit einer ausgedehnten Brackwasserzone oder einer erhöhten Salzfracht (z.B. aus Salzabbaugebieten) dringt die Brandgans auch weit ins Binnenland vor. Einige Ansiedlungen an größeren  Seen im Binnenland gehen möglicherweise auf Tiere zurück, die aus menschlicher Haustierhaltung geflüchtet sind.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Brandgänse erstreckt sich über die Britischen Inseln nach Norwegen bis etwa zum 71° N, also in Südschweden, an der Ostseeküste Finnlands, in den baltischen Staaten, Dänemark, Polen und Deutschland. Brandgänse findet man auch entlang der Atlantikküste bis nach Frankreich. Im südlichen Teil des Verbreitungsgebietes gibt es isolierte Kleinvorkommen in Südspanien (Marismas), in der Camargue, in der Po-Ebene, an der Küste Sardiniens, Tunesiens und Griechenlands. Über die West- und Nordküste des Schwarzen Meeres, die Ukraine und das Kaspische Meer verläuft ein Verbreitungsband der Brandgans quer durch Asien bis in die Mongolei und Mandschurei. Im südlichen Asien besiedelt sie Armenien, Iran, Afghanistan und Tadschikistan.

Gefährdung von Brandgänsen

Jagd

Die Bejagung hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu starken Rückgängen der Brandgans-Bestände geführt. Sie ist gegenwärtig jedoch nur noch in Polen und im südlichen Europa eine bedeutsame Gefährdungsursache.

Wattenmeer

Die Wattenmeerküste ist durch Umweltbelastungen und durch die schleichende Verölung der Strände mittlerweile stark belastet. Dies führt zu einer starken Schadstoffbelastung der Nahrung und trägt in steigendem Maße zur Gefährdung der Brandgans bei.
Werden zu viele Herz- oder Miesmuscheln an den Muschelbänken des Wattenmeers geerntet, beeinträchtigt dies die Nahrungsgrundlage der Brandgänse.

Auch die intensive Freizeitnutzung der Brut- und Mauserplätze an der Wattenmeerküste hat zum Rückgang der Bestände beigetragen.

Überwinterungs- gebiete

In den Überwinterungsgebieten führen Störungen dazu, dass die Brandgänse nicht mehr genug Zeit für die Nahrungssuche aufbringen können. Normalerweise müssen sie dafür die Hälfte des Tages unterwegs sein. Ist diese Zeit durch Störungen verkürzt, kann das schnell zu Energiedefiziten führen.

Schutz von Brandgänsen

Da die Jagd auf Brandgänse in den Küstengebieten der meisten atlantischen Länder sowie an der Nord- und Ostsee verboten wurde, konnten sich ihre Bestände gut erholen. Mittlerweile gibt es wieder genauso viele Brandgänse wie bereits Ende des 19. Jahrhunderts.

Wichtig für den Bestandsschutz ist, den Nahrungsreichtum von Brut- und Mauserplätzen zu erhalten und diese Gebiete von Störungen, beispielsweise durch Erholungssuchende oder Freizeitsportler, freizuhalten.

In Deutschland leben die meisten Brandgänse in den drei Wattenmeer-Nationalparks und sind dadurch umfassend geschützt. In manchen Brutgebieten lässt sich die Zahl der Brutpaare steigern, indem Nisthilfen angebracht werden.

Biologie der Brandgans

Systematik

Ordnung: Anseriformes (Entenvögel)
Familie: Anatidae (Entenvögel)
Unterfamilie: Tardoninae (Halbgänse)

Aussehen

Die Brandgans gehört zu den Halbgänsen, die trotz ihrer gänseartigen Gestalt und ansehnlichen Größe nicht in die Unterfamilie der Schwäne und Gänse gehören, sondern eine eigene Unterfamilie bilden.

Die Brandgans ist ein mittelgroßer und kräftiger  Entenvogel. Die Männchen sind mit bis zu 1,7 kg deutlich schwerer als die bis zu 1,3 kg schweren Weibchen. Hals, Kopf und Beine sind recht lang.

Die Färbung des Gefieders ist kontrastreich und unverwechselbar. Im Flug, oder von größeren Entfernungen aus betrachtet, zeigt die Brandgans eine schwarzweiße Körperfärbung. Besonders fallen die weißen Vorderflügel, der durchgängig weiße Rücken und der weiße Schwanz auf. Nur die äußeren Schwanzfedern haben schwarze Endbinden, während die Unterschwanzdeckfedern und die inneren Armschwingen braun gefärbt sind. Alle anderen Arm- und Handschwingen sind schwarz. Das Handschwingenfeld („Spiegel“) ist grün gefärbt. Von den Schultern zieht sich ein grünschimmerndes, schwarzes Längsband nach hinten. Auf der sonst weißen Unterseite verläuft längs entlang der Körpermitte ein dunkles Band. Der Schnabel ist relativ kurz und rot gefärbt.

Das Männchen hat an der Schnabelbasis zusätzlich einen roten Höcker, der sich im Spätsommer zurückbildet. Die Beine der Brandgans sind rot, die Iris ist dunkelbraun gefärbt. Ein braunes Band zieht sich über die Brust und läuft im Rücken zusammen. Es wird durch einen weißen Gefiederring um Kropf und Hinterhals vom grünschimmernden, schwarzen Kopf und Hals getrennt.

Das Gefieder des Weibchens ist dem des Männchens ähnlich. Meist glänzt es jedoch weniger, und das braune Brustband ist schmaler. Das Weibchen hat einen brauneren Kopf, und seine Unterseite ist seltener ganz weiß. Dem Ruhekleid des Weibchens fehlt der Glanz, die einzelnen Gefiederpartien sind unscharf abgegrenzt und nicht so farbintensiv wie die des Männchens.

Fortpflanzung

Brandgänse sind ausgesprochen ortstreu und brüten stets am gleichen Ort. Sie werden gegen Ende ihres 2. Lebensjahres geschlechtsreif. Brutpaare finden sich oft schon gegen Ende des 1. Lebensjahres und bleiben ihr ganzes Leben lang zusammen. Bereits im Winterquartier suchen Vögel, die noch alleine sind, einen Partner. Im Februar/März beginnen sie zu balzen.

Während der Balzflüge wird das Weibchen von einem oder mehreren Männchen im Zickzackflug verfolgt, der durch einzelne Gleitflugstrecken unterbrochen wird. Die Balz zwischen festen Partnern verläuft nach strikten Ritualen. Das Männchen imponiert dem Weibchen, indem es sich vor ihm verbeugt, seinen Kopf nach oben wirft und anschließend Kopf- und Schwanz schüttelt. Bevor sie sich vereinigen, schwimmt das Männchen dem Weibchen hinterher, zeigt ihm sein grünes Armschwingenfeld und putzt sich zum Schein. Das Weibchen reagiert auf die Balz des Männchens, indem es seinen Kopf niedrig über den Boden hält und ihn seitlich hin und her bewegt. Außerdem ahmt es das Verhalten des Männchens nach, so dass es zwischen den Partnern zu einer Synchronisation des Balzverhaltens kommt. Männchen, die keine Partnerin finden konnten, versuchen die verpaarten Vögel zu trennen, in dem sie Verfolgungsflüge starten.

Brutpaare sondern sich aus den Jungvogelgruppen ab und suchen einen geeigneten Nistplatz. Das Nest wird gut versteckt in Höhlen angelegt, wobei Kaninchenbauten in Dünen oder Erdhügeln bevorzugt werden. Die Brandgans nutzt ebenfalls verlassene Fuchs- oder Dachsbauten und ausgespülte Schermauslöcher, die sich in Dämmen oder Uferböschungen befinden. Sie bezieht auch Höhlen in Dünen, in und unter Gebäuden, in Steinblöcken, Strohhaufen oder seltener auch in Baumhöhlen. Sind die Röhren eines Kaninchenbaus zu eng, werden sie durch Scharren zur Bruthöhle erweitert. Liegen viele Kaninchenbauten nebeneinander, kann es zu größeren Ansammlungen von Nestern kommen. Das Nest kann auch frei angelegt werden, in Dünen- oder Strandvegetation mit einzelnen Sträuchern und hohem Gras. Freistehende Nester werden mit Daunen und Pflanzenmaterial, Höhlennester nur mit Daunen ausgekleidet.

Ab Ende April beginnt die Brandgans in der Regel 4 – 12 Eier zu legen. Da mehrere Weibchen mitunter ihre Gelege zusammenlegen, finden sich immer wieder deutlich größere Gelege, die bis zu 50 Eier enthalten können. Der Bruterfolg dieser Gelege liegt jedoch deutlich unter dem der kleineren Einzelgelege.

Brandgänse brüten gewöhnlich nur einmal im Jahr. Sie tätigen nur dann ein Nachgelege, wenn ihr erstes Gelege zu einem sehr frühen Zeitpunkt verlorengeht. Das Weibchen brütet die Eier 28 – 30 Tage lang alleine aus. Sind die Gelege groß, kann es bis zu 3 Tage dauern, bis alle Jungen geschlüpft sind. Die Jungtiere haben nach dem Schlüpfen ein feuchtes Gefieder, das sie trocknen indem sie es putzen, was recht lange dauern kann.

Erst nach 3 – 4 Tagen verlassen die Jungen unter Geleit ihrer Mutter die Bruthöhle. In der ersten Zeit der Aufzuchtsperiode bleiben die Brandgansfamilien unter sich in einem festen Territorium, später vermischen sich die Familien. Ab Mitte Juli bilden sich große Jungvogelgruppen („Kindergärten“), um die sich nur noch einzelne Elterntiere bis zum Erreichen der vollen Selbständigkeit kümmern. Ein Großteil der Brutvögel zieht dann schon in die Mausergebiete. Die „Aufsichtsvögel“ erscheinen erst im August/September im Mausergebiet, nachdem sie ihre „Aufsichtspflicht erfüllt haben. Im Alter von 45 – 50 Tagen sind die Jungen flugfähig. Sie verlassen oft erst ab Oktober/November ihr Brutgebiet und suchen dann direkt die Überwinterungsgebiete auf. Dabei legen sie mitunter eine Gesamtflugstrecke von über 1.000 km zurück.

In jeder Population gibt es einen hohen Anteil von Nichtbrütern, der über 50 % betragen kann.

Nahrung

Brandgänse suchen ihre Nahrung vorwiegend bei Ebbe auf Schlickbänken im Watt, in Flussmündungen und Flachwasserbereichen. Sie durchsieben das Wasser mit ihrem Schnabel, gründeln, graben Nahrung mit ihrem Schnabel aus oder lesen sie vom Boden oder der Vegetation ab. Nur selten tauchen sie, um an Futter zu gelangen.

Brandgänse ernähren sich überwiegend von kleinen Tieren, die im Watt leben, wie Schnecken und Muscheln, Würmern und Krebsen. Aber auch Insekten und deren Larven sowie pflanzliche Kost verschmähen sie nicht. An der Ostsee und im Binnenland nutzen Brandgänse gelegentlich  Wiesen und  Saatäcker, um nach Nahrung zu suchen. Im Winter beansprucht die Nahrungssuche mindestens die Hälfte des Tages.

Natürliche Feinde

Die natürlichen Feinde der Brandgans in den Dünengebieten und Küstenstreifen der Nord- und Ostsee sind Fuchs und Mink sowie  Wanderfalke und  Seeadler. Jungvögel können auch von  Möwen, Hermelinen und Wanderratten erbeutet werden.

Krankheiten wie Botulismus, Geflügel-Tuberkulose oder Wurmbefall spielen als Gefährdung nur eine untergeordnete Rolle. Kühles, regnerisches und sehr windiges Wetter in der Aufzuchtzeit, aber auch Vereisung der Nahrungsgründe in strengen Wintern haben einen deutlich größeren, dezimierenden Einfluss auf die Populationen.

Gibt es zu wenig Kaninchenbauten, brüten die Tiere nicht. Sie legen dann auch keine Freinester an, da diese durch Feinde stärker gefährdet wären.

Verhalten

Brandgänse leben außerhalb der Brutzeit gesellig in größeren Scharen zusammen. Ab Ende Februar lösen sich die Scharen auf, da sich einzelne Brutpaare absondern. Während der Fortpflanzungsperiode bevorzugen die Brutpartner bestimmte Nahrungsgebiete, die sie gegenüber ihren Artgenossen kaum verteidigen.  Schwimmenten,  Möwen und  Blessrallen werden dagegen aggressiv vertrieben. Auch der Brutplatz wird mit Schnabelhieben und Flügelschlagen gegen andere  Vögel und  Säugetiere verteidigt. Das Männchen bewacht das brütende Weibchen und begleitet es während seiner kurzen Brutpausen. Werden Brandgänse mit einem größeren Feind konfrontiert, locken sie ihn vom Gelege oder den Jungtieren weg, indem sie sich krank stellen („Verleiten“).

Brandgänse erzeugen beim Fliegen ein charakteristisch pfeifend-schwirrendes Geräusch.

Sieht man zur Brutzeit größere Scharen von Brandgänsen, bestehen diese im wesentlichen aus Nichtbrütern, die noch unverpaart sind. Ab Mitte Juni beginnen die Nichtbrüter, in die Mausergebiete zu ziehen. Anfang/Mitte Juli machen sich auch die Brutvögel auf den Weg. Beim Mauserzug wählen die Vögel die kürzeste Flugstrecke aus, wodurch sie z.B. in Großbritannien über das Binnenland und über 800 m hohe Berge fliegen müssen.

Brandgänse, die in den weiten Küstenbereichen Nord- und Westeuropas leben, versammeln sich an den wenigen, geeigneten Mauserzentren der Nordseeküste. Diese müssen vor allem Sandwatt vorweisen, wie es z.B. auf dem Großen Knechtsand, zwischen Weser- und Elbmündung in der Deutschen Bucht und auf Mellum zu finden ist. Über 200.000 Tiere kommen hier zusammen. Im Mausergebiet ruhen die Brandgänse viel, gehen intensiv auf Nahrungssuche und putzen ausgiebig ihr Gefieder.

Da Brandgänse während der Mauser ihr ganzes Gefieder erneuern („Vollmauser“), sind sie fast einen Monat lang flugunfähig. In dieser Zeit halten sie sich gerne auf offenen, seichten Wasserflächen oder auf feind- und hochwassersicheren Sandbänken auf. Wenn die Mauser Mitte August abgeschlossen ist, suchen sie ihre Winterquartiere an der Atlantikküste, vor allem im Südosten Englands, auf.

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