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Birkhuhn


Birkhuhn © Georg Pauluhn, piclease
Foto: Birkhuhn © Georg Pauluhn, piclease

Birkhuhn (Tetrao tetrix)
Andere bekannte Namen: Spielhahn, Kleiner Hahn
Rote Liste Deutschland 2007: 2 (stark gefährdet)

Birkhühner zählen in Deutschland zu den streng geschützten Tierarten. Seit 1973 genießen sie laut Jagdgesetz eine ganzjährige Schonzeit.

Das Birkhuhn ist an schneereiche Winter und trockene Sommer angepasst. Dadurch ist es hauptsächlich im kontinentalen Klimabereich verbreitet. Die größten Bestände Europas befinden sich in den skandinavischen Ländern und in Russland.
Eine weite Verbreitung gibt es auch noch im Alpenbogen und in Schottland. Bestandsschwankungen werden auch durch natürliche, zyklische Fluktuationen hervorgerufen. Die alpinen Bestände werden neuerdings durch Klimafaktoren und Massentourismus verringert. Der derzeitige Gesamtbestand in Deutschland liegt bei 850 bis 1.400 Brutpaaren (Sudholdt et al. 2013).

Lebensraum von Birkhühnern

Waldgrenze

Als typischer Bewohner der Bereiche der Waldgrenze, sowohl der Gebirge als auch der Ebene, bevorzugt das Birkhuhn eher offene, locker mit Gebüsch und Bäumen durchsetzte Landschaften. Es lebt in  Mooren,  Heiden, im Hügelland und in den licht bewaldeten Kammlagen der Mittelgebirge. Diese zeichnen sich entweder durch weiträumige, störungsarme und extensiv genutzte  Wiesengebiete oder durch Wälder, die auf natürliche Weise durch Sturm, Brand oder Insektenfraß oder durch anthropogenen Kahlschlag oder Waldumbau großflächig aufgelichtet wurden, aus. In den Alpen werden die Latschen-, Zwergstrauch-, Matten- und Almwiesenregion besiedelt.

Das Birkhuhn benötigt im Jahreslauf eine Vielzahl von Strukturen nebeneinander: Moorrandwald, Pioniergehölze (Eberesche, Weide, Erle), Brachflächen, Staudenfluren, Zwergstrauchheiden, Feuchtwiesen, Mähwiesen oder kurzrasige natürliche Wiesen wie alpine Matten oder Borstgrasrasen. Junge Aufforstungen mit weiten Pflanzabständen der Bäume stellen günstige Lebensräume dar, solange die Bäume noch klein sind. Das Birkhuhn verläßt diese Lebensräume, wenn die Bäume dichter und höher gewachsen sind.

In der Kulturlandschaft nutzten sie früher weitläufige Allmendweiden und Waldgebiete, die sich durch großflächige Kahlschläge auszeichneten. Heute sind die letzten Birkhuhnvorkommen Deutschlands auf die alpine Region, auf Truppenübungsplätzen, in großflächigen Heide- und Moorgebieten sowie in extensiv genutzten Kulturlandschaften mit blüten- und insektenreichen Wiesen in parkartiger Landschaft (z.B. in der Rhön) beschränkt. Da Moore Bereiche sind, die sich auf natürliche Weise eher langsam verändern, bilden sie meist die Zentren von Birkhuhnvorkommen.

Truppenübungsplätze können günstige Habitate bieten, da sie durch ihre Nutzung (Beübung, Brände, Befahren mit Panzern) immer wieder neu entstehende Primärlebensräume entstehen lassen. Sie bilden in Norddeutschland heute oft die letzten Rückzugsgebiete.

Das Birkhuhn ist ein Kulturfolger, aber auch ein Zivilisationsflüchter. Es besiedelt durch Schafe bewirtschaftete Heiden und alljährlich gemähte Wiesen lieber als überalterte Heidebestände und verfilzte Wiesen. Allerdings scheut das Birkhuhn den direkten Kontakt mit dem Menschen.

Gefährdung von Birkhühnern

Durch Lebensraumverluste oder Lebensraumveränderungen verinseln die Lebensräume mit ihren Restvorkommen. Der Lebensraum Moor kann z.B. durch Abbau oder eine Degradierung in ein Grasland (durch Stickstoffeutrophierung aus der Luft) zerstört werden. Lebensraumveränderungen sind z.B. das Zuwachsen von Kahlschlägen und Freiflächen in Wäldern, die Abnahme von Zwergstrauchvegetation durch Vergrasung oder starken Wildverbiss, die Überalterung von Heideflächen sowie die Verbuschung von Mooren und offenen Wiesenlandschaften.

Abwandernde Tiere gehen den Populationen auf diese Weise meist verloren, weil sie in näherer, ja selbst in weiterer Entfernung auf keine mit Artgenossen besetzte Habitate mehr treffen. Demzufolge wird der Genaustausch mit noch z.T. unbekannten Folgen (Inzuchtdefekte) unterbunden. Lediglich im Alpenbogen, in Skandinavien sowie in Russland gibt es noch großräumig zusammenhängende Populationen.

In touristisch stark frequentierten Gebieten löst die in der offenen Landschaft weithin sichtbare Silhouette von Menschen heftige Fluchtreaktionen aus. Auch vor Flugobjekten flüchtet das Birkhuhn, oder ihm wird ein langandauendes Sicherungsverhalten aufgezwungen, worunter die Nahrungsaufnahme erheblich leidet.

Aufgrund der kargen Verhältnisse können Störungen im Winter schnell zur Bedrohung der Existenz führen (energetische Engpässe).

Schutz von Birkhühnern

Höchste Priorität kommt dem Erhalt von geeigneten Lebensräumen zu. Grünlandgebiete, in denen Birkhühner vorkommen, stehen meist unter Naturschutz. Die Mähzeitpunkte werden hier in die zweite Julihälfte gelegt, um ein Ausmähen von Gelegen oder Junghühnern zu vermeiden.

Maßnahmen zur Lenkung der Besucherströme wie z.B. ein Wegegebot für Wanderer und Radfahrer, die Festlegung von Mindestflughöhen für Segelflugzeuge und ein Verbot sonstiger Freizeitaktivitäten (Lagern, Drachensteigen, Modellflug u.v.m.) verringern die auf das Birkhuhn einwirkenden Stressfaktoren.

Wichtig ist auch, die Flächen durch landwirtschaftliche Nutzung attraktiv zu erhalten. Dazu gehören Entbuschungsmaßnahmen, die Pflege langjähriger Brachflächen, das Abflämmen überalterter Heidebestände, Rücknahme von Aufforstungen mit Nadelholzmonokulturen und die Verlegung von Wanderwegen.

Natürliche Fraßfeinde können das Birkhuhn in großflächigen Lebensräumen nicht gefährden. In den kleinräumigen Restbeständen, den sogenannten Habitatinseln mit häufig ungünstigem Zuschnitt (schmal und lang mit vielen randlichen Störeffekten) kann der Bestand nur erhalten werden, wenn Wildschwein, Fuchs und anderen Feinde intensiv bejagt werden.

Biologie des Birkhuhns

Systematik

Ordnung: Galliformes (Hühnervögel)
Familie: Tetraonidae (Raufußhühner)

Aussehen

Der Birkhahn ist etwa so groß wie ein Haushuhn und erreicht ein Gewicht von 1.000 – 1.750 g. Die Henne ist etwa so groß wie eine Fasanenhenne und wiegt 750 – 1.100 g.

Der Hahn hat nackte, rote Hautstellen über dem Auge, die zur Balzzeit anschwellen und dann besonders auffallen. Auf dem Hals, der Brust und dem Rücken hat er ein schwärzliches Gefieder mit bläulichen Glanz. Die Flügel sind schwarzbraun. Weiß sind ein kleiner Fleck am Flügelbug, der Unterstoß und die Armschwingen, die im Flug als weiße Flügelbinde sichtbar werden. Die äußeren 3 – 4 oberen Schwanzfedern sind zu nach außen gebogenen „Sicheln“ umgebildet. Diese werden zur Balz weit abgespreizt, in Ruhehaltung sind sie zusammengelegt und kaum zu erkennen. Die Henne ist tarnfarben, braungewellt und gefleckt.

Beiderseits der Zehen werden vor dem Winter Hornstifte aus umgebildeten Federn ausgebildet, die eine Verbreiterung der Lauffläche bewirken. Sie fallen nach der Schneeschmelze mit der Frühjahrsmauser ab, da sie dann keine Funktion mehr haben.

Fortpflanzung

Die Balzplätze werden meist traditionell jahrzehntelang benutzt. Sie zeichnen sich durch niedrige Vegetation und freie Sicht in Senken- oder Kuppenlagen aus. Solche offenen und flachen Stellen können große Lichtungen in Wäldern, in Mooren, in baumfreien Heideabschnitten, auf Wiesen und – in den Alpen – an der Baumgrenze oder in Lawinenbahnen sein. In regelmäßigen Abständen verteilen sich solche Plätze über ihren Lebensraum.

Ab Mitte März beginnen die älteren Hähne in den Wintervölkern mit der Balz und werden damit recht unverträglich. Die Hähne sammeln sich ab April auf den Balzplätzen zur Gruppenbalz, wobei die ranghöchsten Tiere die Zentren solcher Balzarenen besetzen und die jungen Hähne deren Randplätze.

Obwohl sie bereits nach einem Jahr geschlechtsreif werden, kommen sie kaum vor dem 3. Lebensjahr zur Fortpflanzung, da die Hennen sich im wesentlichen von älteren Hähnen begatten lassen. Schon in der frühen Morgendämmerung erscheinen die Hähne auf dem Balzplatz. Ihre Lautäußerungen bestehen aus 2 Strophen, dem „Kullern“ und dem „Zischen“. Das Kullern erfolgt bei trippelnder Bewegung, bei weit aufgefächerten Schwanzfedern und gespreizten Flügeln. Das Zischen ist mit einem Sprung auf der Stelle und mit Flügelschlagen verbunden.

Ende April/Anfang Mai erscheinen die Hennen, meist mit dem Sonnenaufgang, auf den Balzplätzen zur Paarung. Sie sind dabei sehr vorsichtig, beobachten das Geschehen eine ganze Weile von erhöhter Position heraus, z.B. von Büschen oder Einzelbäumen, bevor sie sich dann auf der Balzarena einfinden. Sobald die Hennen in der Arena eintreffen, verstummen sie kurz, um dann umso heftiger weiterzubalzen. Diese kurze Balzpause wird als „Morgenandacht“ bezeichnet.

Auch wenn alle Hennen frühzeitig kopuliert haben, bleiben die Hähne noch bis in den Juni hinein auf den Balzplätzen präsent. Sollte eine Henne ihr Erstgelege verlieren, erscheinen die Hähne wieder auf den Balzplätzen, um sich erneut zu verpaaren. Mit dem Höherwachsen der Vegetation schreiten die Hennen zur Brut. Birkhähne beteiligen sich nicht an der Aufzucht. Sie können mehrere Hennen befruchten.

Das Nest wird als einfache Mulde meist unter Grasbüscheln oder Zwergsträuchern angelegt. Es werden meist 7 – 10 Eier (mitunter auch mehr) gelegt und von den Hennen bebrütet. Die Nestflüchter-Küken verlassen das Nest noch am Geburtstag. Sie benötigen Insektennahrung und trocken-warme Witterung, um optimal zu gedeihen.

Während die Hennen mit der Jungenaufzucht beschäftigt sind, wechseln die Hähne ihr Federkleid. Sowohl die führenden Hennen als auch die mausernden Hähne sind sehr heimlich. Sie bewegen sich wenig, vermeiden das Fliegen und ruhen viel, um nicht unnötig Energie zu verbrauchen. Die Gelege der Hennen befinden sich meist in den gedeckteren Biotopbereichen, die unweit der Balzplätze liegen. Demzufolge überschneiden sich Hahn- und Hennenreviere. Im September löst sich die Familie auf.

Anschließend beginnt die Herbstbalz, in der die Althähne ihre Ranghöhe demonstrieren und mit den Junghähnen von Balzplatz zu Balzplatz fliegen. Dadurch lernen sie weite Teile ihres Lebensraums kennen. Die jungen Hennen bleiben mit einem eher kleinen Aktionsradius bei den Althennen. Bei hoher Nachwuchsrate wandern im Herbst immer wieder Tiere ab. Dies ist für den Genaustausch zwischen benachbarten Populationen wichtig. Bei den heutigen, kleinen und oft isolierten Vorkommen gehen diese Tiere meist der Population verloren, wenn sie nicht wieder den Weg zurück finden.

Nahrung

Tierische Kost in Form von Insekten spielt bei jungen Küken und mausernden Erwachsenen in ihrer ansonsten pflanzlichen Ernährung eine wichtige Rolle. Da Junghähne deutlich mehr Gewicht zulegen müssen, bis sie erwachsen sind, nehmen sie auch noch bis in den Herbst verstärkt Insektennahrung auf. Eiweißreiche Frühjahrskost liefern vor allem junge Triebe und Knospen sowie die pollenreichen Blütenstände von Weide, Wollgras und anderen Gräsern. Im Herbst bildet sich in den zwergstrauchreichen Mooren mit Moos-, Rausch- und Krähenbeere sowie in den Heiden und Karpatenbirkenwäldern mit Preisel- und Heidelbeere ein reicher Früchteteppich aus. Gerne werden auch Ebereschen-, Mehlbeeren- und Weißdornfrüchte aufgenommen. Im Sommer bieten blütenreiche Wiesen optimale Ernährungsbedingungen. Im Winter sind Knospen und Triebe von Laub- und Nadelbäumen Hauptnahrung.

Natürliche Feinde

Feinde des Birkhuhns in Mitteleuropa sind vor allem Habicht, Steinadler, Uhu, Fuchs und Marder. Als bedeutende Eierräuber spielen Rabenvögel, Fuchs, Hermelin, Dachs, Waschbär und zunehmend das Wildschwein eine Rolle. Verluste durch Fraßfeinde sind vor allem in durch andere Faktoren bereits geschwächten Beständen von Bedeutung und können sich bestandsbedrohend auswirken. Nasskalte Witterung während der Aufzuchtszeit kann starke Zuwachsverluste hervorrufen.

Verhalten

Birkhühner sind in der Lage, aus nur wenigen Tieren in kurzer Zeit eine größere Population aufzubauen. Damit sind sie gut an immer wieder neu entstehende Lebensrauminseln, die für sie meistens nur zeitweise optimal bewohnbar sind, angepasst. Wachsen nach Waldbränden oder durch Kahlschläge entstandene Freiflächen wieder zu, wandern sie ab, um offenere Flächen zu suchen. Birkhühner graben wie die Schneehühner im Winter Schneehöhlen zu ihrem Schutz.

Die Hähne leben ganzjährig gesellig, die einzelnen Hennen schließen sich erst nach fortgeschrittener Aufzuchtszeit mit ihren Jungen zusammen. Die Herbstbalzgruppen bilden meist auch die Wintergruppen. Anzahl und Zusammensetzung der Tiere wechseln hier jedoch häufiger. Es kommen sowohl getrenntgeschlechtliche als auch gemischtgeschlechtliche Völker vor.

Vom Frühjahr bis zum Herbst haben die Tiere eine zweiphasige Tagesaktivität mit Schwerpunkt in den frühen und späten Tagesstunden. Im Winter wird die Aktivität einphasig und konzentriert sich auf die Mittagsstunden. Dabei sieht man die Tiere während der Knospenäsung in den kahlen Bäumen sitzen, selbst auf den äußersten Zweigen.

Der Flug des Birkhuhns wird durch die abgeknickten Flügel, die schnellen Flügelschläge und den dazwischen liegenden längeren Gleitphasen charakterisiert. Birkhühner können auch größere Strecken im ausdauernden Nonstop-Flug, z.B. über besiedelte Täler von Berg zu Berg in den Alpen, überbrücken. Diese weiten Flugstrecken werden allerdings nur begonnen, wenn günstige Biotopgegebenheiten (d.h. offene Flächen) für die Tiere von weitem sichtbar sind.

Birkhühner schlafen gerne auf Bäumen am Ende von langen Ästen, damit sie die Annäherung ihrer Feinde rechtzeitig bemerken und schnell abfliegen können.

Plätze mit Rohböden sind sowohl für Staubbäder als auch für die Aufnahme von Magensteinchen wichtig und werden regelmäßig aufgesucht.